Samstag, 10. April 2021

Die kulinarische Weltreise — Schweiz: Zuger Kirschtorte

Die Kaffeeeinladungen meiner Großmutter folgten einem festen Schema, mit dem sie sicherstellte, dass von allem genug da war. Dabei folgte sie der Formel: pro Person drei Stücke Kuchen und dann noch ein ganzer Kuchen extra. Das bedeutete zum Beispiel, dass für eine Kaffeegesellschaft von vier Personen, wie wir es meistens waren, 12 Stücke Kuchen = 1 ganzer Kuchen und dann noch ein weiterer Kuchen benötigt wurden. Das war in der Regel ein Obstkuchen, der aus einem mit Dosenobst und Bananen belegten Biskuitboden bestand und als weiteren Kuchen gab es Nusszopf. 

Zuger Kirschtorte

Wären wir zu fünft gewesen, hätte es nach der Kaffe-Kuchen-Formel drei Kuchen geben müssen: 15 Stücke Kuchen = 1 ganzer und ein angefangener Kuchen und dann noch ein zusätzlicher Kuchen = 3 Kuchen. Damit hätte man nach Rechnung meiner Großmutter sogar bis zu acht Personen angemessen bewirten können, die neunte Person hätte Kuchen Nr.4 nötig gemacht und so weiter.

Zutaten

Im Sommer, wenn sie Geburtstag hatte, wurde die Kaffeetafel um weitere Verwandte erweitert, so dass wir tatsächlich gelegentlich zu acht waren. Es wurden also drei Kuchen gebraucht Dabei trat dann eine weitere Regel in Kraft: ein Kuchen konnte durch eine großzügige Anzahl einzelner Gebäckstücke ersetzt werden. Dies waren regelmäßig Schillerlocken und mit Schokoladenfondant überzogene Gebäckkugeln mit Cremefüllung, deren aktuelle politisch korrekte Bezeichnung mir leider nicht bekannt ist - Schokokuss trifft es imho nicht. 

Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in der Schweiz - die besten Rezepte und Gerichte

Die Geburtstagsvariante des Obstkuchens war meist mit Himbeeren belegt und war von meiner Mutter hergestellt worden. Außerdem gab es eine Zucker-Kirschtorte. Diese Torte war ein Mysterium. Einerseits war sie so dick mit Puderzucker bestäubt, dass es mir sehr einleuchtend erschien, dass die Torte Zuckertorte hieß. Rätselhaft blieb aber, warum alle von Kirschtorte sprachen obwohl der bleiche Biskuit und die helle Creme so offensichtlich nie mit Kirschen in Berührung gekommen waren. Ich mochte die Torte nicht. Sie hatte einen komischen alkoholischen Beigeschmack, der mir nicht zusagte.

Japonaisboden mit Buttercreme bestreichen
 

Die Kaffeegeburtstage endeten, bevor sich mir der Geschmack ernsthaft erschließen konnte.

Biskuit mit Kirschwasser tränken und mit Buttercreme bestreichen.
 

Für diese Reise habe ich sie zum ersten Mal selbst gebacken. Sie schmeckt ein bisschen nach Großmuttergeburtstag, aber zugleich ist es eine wirklich feine, leichte Torte, die sich auch hervorragend als Dessert eignet. Sie besteht aus Biskuit, der sich wie ein Schwamm mit Kirschwasser vollsaugen darf, eingerahmt von Buttercreme und Japonais-Böden (Baisermasse mit Haselnüssen).


Mit dem zweiten Japonaisboden bedecken.

Im Kanton Zug ist die Kirschtorte ein Erzeugnis mit geschützter geographischer Herkunft. Sie verhindert heute zuverlässig die Umwandlung der Streuobstwiesen im Kanton Zug in Bauland. Um ihre Verbreitung bemüht sich die Zuger Kirschtorten-Gesellschaft, deren Website derartig retro (es dreht sich, es blinkt, es macht Geräusche), ist, dass es entweder schon wieder hip ist, oder es war einfach ein Missverständnis mit dem Programmierer ("wir hätten gerne eine altmodische Website, die zu unserer Torte passt").

Mit Buttercreme überziehen.
 
Für mein Rezept habe ich mich an Betty Bossi und Swissmilk orientiert.

Mit Puderzucker bestäuben.

Zutaten:

Biskuit:  

2 Eier
60g Zucker
1 Prise Salz
1 El heißes Wasser
50g Mehl
30g Speisestärke

Japonais:

2 Eiweiß
1 Prise Salz
2 El Zucker
2 El Puderzucker
1 El Speisestärke
60g gemahlene Haselnüsse

Buttercreme:

300g weiche Butter
180g Puderzucker
3 El Kirschwasser 

Zum Tränken:

100ml Kirschwasser
2 El Wasser
3 El Puderzucker

Garnitur:

Puderzucker, evtl. geröstete Mandelblättchen

Zubereitung

Zuerst den Biskuit vorbereiten: Eier mit Zucker, Salz und Wasser schaumig aufschlagen. Mehl und Stärke mischen und sorgfältig unterziehen. In eine gefettete und ggf. zusätzlich mit Backpapier ausgelegte Springform (24cm) füllen, glatt streichen und bei 180°C ca. 20 Minuten backen. Leicht auskühlen lassen, vorsichtig aus der Form lösen, auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen.

Anschließend die Japonais-Böden herstellen: Mithilfe der Springform 2 Kreise (je ca. 24 cm Ø) auf 2 Backpapiere zeichnen. Backpapiere wenden, auf je ein Backblech legen. Eiweiß mit dem Salz steif schlagen, nach und nach den Zucker beigeben bis der Eischnee glänzt. Nüsse sorgfältig unterheben. Mit Gummischaber oder Palette vorsichtig auf die vorbereiteten Backpapiere streichen und die aufgezeichneten Kreise ganz ausfüllen. Ca. 1 Std. bei 100 Grad Umluft backen, dann auf je ein Gitter stürzen, Papiere sofort entfernen, auskühlen lassen, Vorsicht: zerbrechlich! Falls sich das Papier nicht leicht ablösen lässt: auf eine feuchte Tischplatte legen, nach kurzer Zeit lässt sich das Papier abziehen. 

Buttercreme zubereiten: weiche Butter, Puderzucker und Kirschwasser mit dem Schneebesen zu einer glatten Masse rühren. 

Torte zusammenbauen: Die Japonaisböden wenn nötig mit der Schere zurechtschneiden, einen Japonaisboden auf eine Platte legen, mit einem Viertel der Buttercreme bestreichen. Biskuit drauflegen, Kirschwassertränke darüberträufeln. Biskuit mit einem Viertel der Buttercreme bestreichen. Zweiten Japonaisboden auflegen, leicht andrücken. Die Torte mit der restlichen Buttercreme umhüllen, evtl. den Rand mit gerösteten Mandelblättchen bestreuten. Die Torte 2 Stunden kühlstellen. Vor dem Servieren die Decke dick mit Puderzucker bestreuen und mit einem geraden Messer ein Rautenmuster einkerben (nach jeder Rille das Messer mit Küchenpapier abwischen).

Anschneiden und genießen!

Die anderen Mitreisenden haben diese Rezepte mitgebracht:

Cornelia von SilverTravellers mit Zürcher Geschnetzeltes – ohne Fix schnell auf den Tisch Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Tösstaler Sunntigsbroote mit prötlete Härdöpfel Britta von Brittas Kochbuch mit Schweizer Rösti Barbara von Barbaras Spielwiese mit Rüeblicake (Schweizer Karotten-Mandel-Kastenkuchen) Wilma von Pane-Bistecca mit Soledurner Wysuppe Britta von Brittas Kochbuch mit Aargauer Rüeblitorte Sonja von fluffig & hart mit Aargauer Rüeblitorte Dirk von low-n-slow mit Grillierte Forelle mit Mandelbutter Conny von food for the soul mit Pane Ticinese - das Tessiner Brot Wilma von Pane-Bistecca mit Salzige Zigerchrapfen Tina von Küchenmomente mit Roggenbrot Walliser Art Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Schweizer Butterweggli Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit St. Galler Käsekugeln auf Löwenzahn-Rucola-Salat Britta von Backmaedchen 1967 mit Schweizer Apfel-Wähe mit Joghurtguss Wilma von Pane-Bistecca mit Gemuese Suelzli

Dienstag, 6. April 2021

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Ostermontag, 5. April 2021

Es ist wieder Tagebuchblogtag bei Frau Brüllen. Der Liebste weckt mich gegen halb sieben. Ich bin relativ wach. Ich mache mich mit kurzem Umweg durch das Bad auf den Weg in die Küche. Der Liebste hat die Fortsetzung des Osterfrühstücks aufgebaut. Die Zopfhasen sind immernoch saftig und sehr fein, dazu gibt es Hagebuttenmarmelade, Nudossi, Käse, Schinken, Salami und Ostereier.

Kurz nach sieben bricht der Liebste auf zur letzten Feiertagsschicht. Ich bleibe noch in der Küche, trinke weiter Kaffee, höre Radio und lese den Wirtschaftsteil der Sonntagszeitung, anschließend in diversen Blogs, der Liebste hat über Forellen in der Schweiz geschrieben, mit einem etwas verstörenden Filmbeitrag aus dem SRF-Archiv von 1964. Wir telefonieren kurz dazu. 

Ich wässere die Orchideen und ziehe dann noch einmal für ein Stündchen zurück ins Bett, lese dort weiter. Mir ist nach einem faulen Tag. Schließlich stehe ich doch wieder auf und bereite das Wohnzimmer yogatauglich vor. Breath day 2 endet mit der Freiheitsglocke. Ich setzte nochmal Kaffee auf und lege mich dann gemütlich in die Badewanne, lasse mich dabei von dem Synapsen-Podcast zu den Kinderseelen in der Pandemie unterhalten. Wie schön, einmal einen Pädagogen zu hören, der kompetent von Studiendesigns, Signifikanz und dem Aufwand wissenschaftlicher Forschung spricht. 

Danach ziehe ich mich an und mache es mir mit dem restlichen Kaffee im Sessel gemütlich. Ich notiere kurz das Zopfhasenrezept samt Abwandlung zum Wiederfinden und widme mich dann dem Strickzeug und Netflix. Gegen viertel vor sechs kehrt der Liebste zurück und sesselt mit, bis um sechs unser Besuch klingelt.

Mit Winterjacke und warmen Handschuhen spazieren wir zum Cherusker-Park - ich kann alle überzeugen, dass wir den Balancier-Parkours ausprobieren - dann weiter durch die Crellestraße zum Alten Matthäi-Kirchhof. Wir wundern und bewundern die Gräber. Eine Kofferinstallation von Gerald Matzner ist frisch aufgestellt. Im kalten Wind noch eben durch die Kolonnaden am Kleistpark und durch Akazien- und Belzigerstraße zurück.

Wir sind froh, uns dann bei heißem Tee aufzuwärmen, während der Reis kocht und das persische Lamm aufwärmt. Zu viert sitzen wir auf Abstand am ausgezogenen Tisch und genießen den Besuch - tatsächlich waren E. und D. auch die letzten Besucher gewesen, seit ihrem Besuch im November waren nur wir selbst und Frau Z. in der Wohnung gewesen. Als Nachtisch teilen wir uns den Rest der Zuger Kirschtorte. Kurz nach zehn brechen die beiden auf, wir sind, auch durch den Kaffee zum Nachtisch und die ganze Anregung, die echter Besuch nach so langer Zeit bedeutet, überraschend wach und sehen noch ein bisschen fern, bis wir dann kurz vor Mitternacht ins Bett sinken.

Auf zeit.de jetzt 2,9 Mio Infizierte insgesamt, davon 108.000 in den letzten sieben Tagen, 10,54 Mio Geimpfte.

Die anderen Tagebuchblogger sind hier verlinkt.

Montag, 5. April 2021

Zum Wiederfinden: Zopfhasen

Osterhasen aus Zopfteig nach einem Rezept von Swissmilk leicht abgewandelt:

500g Weizenmehl 550
0,5 Tl Salz
2 El Zucker
7g Hefe
1 Tl Sauerteigstarter (Roggenvollkorn)
300ml Milch, lauwarm
50g Butter, flüssig, abgekühlt
1 Eigelb, verquirlt, zum Bepinseln, Rosinen für die Augen

Alle Zutaten gründlich zu einem geschmeidigen Teig verkneten. 90 Min bei Raumtemperatur gehen lassen, jeweils nach 30 Minuten dehnen und falten. Schüssel verschließen und Teig über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Morgen den Teig in sechs gleiche Teile teilen, aus jedem Teil einen Hasen formen, auf ein Blech setzen und mit verquirltem Eigelb einpinseln, Rosinenaugen einsetzen. 

Die Hasen auf dem Blech 60 Min gehen lassen, währenddessen den Backofen auf 220 Grad vorheizen, Hasen 12-15 Minuten backen, auf einem Gitter auskühlen lassen.

Weitere Zopfrezepte.

Sonntag, 21. März 2021

Zum Wiederfinden: Hasselback-Sellerie mit Tahini Chicken

 

Hasselback-Sellerie mit Tahini-Chicken

Das war mal ein leckeres Essen, inspiriert durch zwei Blogger.

Hasselback-Sellerie nach https://chili-und-ciabatta.de/2021/03/hasselback-sellerie-mit-misoglasur-und-zwiebel-radieschen-salat/ und Tahini-Chicken nach https://www.theguardian.com/food/2020/nov/14/tahini-chicken-and-sausage-with-fritters-easy-midweek-dinner-recipes-brussel-sprout-galette-cavolo-nero-polenta-soup - darauf war ich bei der Vorspeisenplatte aufmerksam geworden.

Mit etwas Planung lassen sich Sellerie, Frühlingszwiebeln und Huhn parallel im Backofen zubereiten. Außerdem ergaben die Küchenabfälle noch eine gute Brühe.

Sellerie:

1 große Sellerieknolle schälen, in zwei Hälften teilen, mithilfe von zwei Holzlöffeln einschneiden (mit einem großen Messer, Abstand ca 1 cm). Mit 2 El Olivenöl bepinseln, salzen, bei 200 Grad im Backofen 2,5 h garen (Blech mit Backpapier), immer wieder bepinseln, am Schluss mit Miso glasieren (2 El Misopaste, etwas Zitronensaft, etwas Paprikapulver).

Tahini-Chicken:

2 Knoblauchzehen, 1 Tl. Kreuzkümmel gemörsert und geröstet, 60g Tahini, 1 El Olivenöl, Saft einer halben Zitrone zu einer Marinade verrühren. 2 Hühnerbeine ausbeinen, Fleisch in zwei Teile schneiden, salzen pfeffern, mit der Marinade mischen, 2 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Anschließend bei 200 Grad für 30 Min im Ofen garen (Auflaufform mit Backpapier), dann 10 Min abkühlen lassen.

Frühlingszwiebeln

Frühlingszwiebeln in 3 cm Stücke schneiden, zusammen mit 4 Knoblauchzehen und Olivenöl 20 Min bei 200 Grad im Ofen garen (Blech mit Backpapier)

Tahini-Sauce

Saft einer Zitrone mit 30g Tahini und etwas Wasser verrühren.

Zum Anrichten Hühnerfleisch in Stücke schneiden, abwechselnd mit Frühlingszwiebeln und glatter Petersilie schichten, Tahini-Sauce darüber geben.

































Zum Wiederfinden: Roggenbrot mit Körnern und Haferflocken

 

Roggenvollkornbrot mit Roggenkörnern und Haferflocken

 

Ein neuer Versuch danophiles Roggenbrot zu backen.

1 Tasse Roggensauerteigstarter

1 kg Roggenvollkornmehl (abz. 0,5 Tasse für Auffrischen der Sauerteigkultur), Hälfte gleich, andere Hälfte nach 10 Stunden

4 Tassen Wasser

1 Tl Backmalz

3 Tl Salz

2 Tl Rapsöl

0,5 Tasse große Haferflocken

0,5 Tasse Roggenkörner, am Vortag mit kochendem Wasser überbrüht

Backen nach 20 Stunden bei 190 Grad für 2 Stunden im gusseisernen Topf mit Deckel (Topf nicht vorgeheizt, letzte 2 Stunden Gehzeit im Topf).

Sonntag, 7. März 2021

Kulinarische Weltreise: Russland – Mimosa Salat!

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Mimosenblüten

Schichtsalat war ein Geheimtipp, den sich die Kolleginnen der Stasiunterlagenbehörde in den frühen 2000ern weiterreichten. Schinkenwürfel, Dosenmais und weitere Zutaten wurden abwechselnd mit Mayonnaise in eine Tupperbox geschichtet und verwandelten sich dann über Nacht im Kühlschrank in einen Salat, der im Garten zu Gegrilltem gereicht wurde. Mir war der Schichtsalat suspekt, denn ich mochte Mayonnaise nicht wirklich gern, das Mundgefühl zu schmierig, der Geschmack ging oft leicht ins Bittere und danach lag es mir schwer im Magen. Ich nahm das Rezept deshalb freundlich entgegen, probierte es aber nie aus und inzwischen finde ich es auch gar nicht mehr.

Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in Russland - die besten Rezepte und Gerichte

Einer der Gründe, weshalb ich Spargel als Kind nicht mochte, war der Geschmack der Mayonnaise, die es regelmäßig dazu gab. Positive Mayonnaise-Erinnerungen verbinde ich dagegen mit einem Gericht namens "Russische Eier", das aus verschiedenen Salaten bestand, die mit halben gekochten Eiern dekoriert und mit einer sanften und süßlichen Mayo überzogen waren. Sonst ging ich Mayonnaise lieber weiter aus dem Weg. Das war auch problemlos möglich, denn ich hatte sonst wenig Kontakt zu russischer Küche, die, wie ich mir sagen ließ, ohne Mayo nicht denkbar ist, sogar Hefeteig wird dort mit Mayo zubereitet. Mayonnaise ist das russische Olivenöl oder so.

Der Mimosa Salat ist ein russischer Schichtsalat
 
Im mayonnaiseunverdächtigen Italien ist es dagegen Brauch, den Frauen am 8. März, zur festa della donna, ein Sträußchen Mimosen zu überreichen. Mimosenbäume (ursprünglich australische Silber-Akazien) blühen in mildem Klima im Februar und verkünden mit leuchtend gelben Blütendolden das Ende des Winters. Das lässt sich um diese Jahreszeit im südlichen England beobachten, an der russischen Schwarzmeerküste oder auch beispielsweise in Cannes an der Cote d'azur. In Jahren mit spätem Fastnachtstermin kollidiert die italienische Mimosenmanie leider mit der Basler Fasnacht, bei der traditionell Mimosensträuße von den Wagen in die Menge geworfen werden. 
 
Waggis 2013 2
Waggis bei der Basler Fastnacht mit Mimösli
 
Sollte es deshalb in Italien zu einem Engpass echter Mimosen kommen, steht die "Torta Mimosa" bereit: fluffige Bisquitböden werden mit sahniger Creme und Früchten gefüllt, mit Sahne überzogen und mit dem zerbröseltem Inneren des mittleren Bisquitbodens bestreut. Optisch entsteht der Eindruck von Mimosenblüten.


Auch in Russland ist in der Mimosenkrise für Ersatz gesorgt, noch dazu einer, der mit Mayo funktioniert: In einer Glasschüssel werden Fisch, gekochtes Gemüse, Käse und Eier abwechselnd mit Mayonnaise eingeschichtet und zuletzt mit geriebenem gekochtem Eigelb bestreut. 

 

Die Kartoffeln direkt in den Salat reiben.

Jede Schicht dünn mit Mayo bedecken.

Vorletzte Schicht: geriebenes Eiweiß.

Zusammen mit etwas Dill entsteht der Eindruck von Mimosen. Für mein Rezept habe ich mich an Olga orientiert.

Mimosensalat täuscht mit Eigelb und Dill Mimosenblüten vor.

Meine Zutaten:

2 Matjesheringe (alternativ benutzen viele Rezepte auch Lachs oder Thunfisch aus der Dose)
1 halbe Zwiebel
1 El Weißweinessig
2 Karotten
1 Kartoffel
80g Kashkaval
(oder einen anderen milden Käse)
5 Eier
200g Mayonnaise
etwas Dill

Zubereitung

Die Eier hart kochen und abkühlen lassen, Karotten und Kartoffeln ungeschält ebenfalls knapp garen und abkühlen lassen.

Den Fisch sehr klein würfeln und in eine Glasschüssel geben, mit einer Gabel festdrücken. Die Zwiebel hacken und über den Fisch geben, dann den Essig darüber verteilen. Die Kartoffel schälen und mit einer Reibe direkt über den Fisch reiben. Etwas festdrücken und dünn mit Mayo bestreichen. Dann die Karotten schälen und mit derselben Reibe in die Schüssel reiben, wieder leicht andrücken und mit Mayo bedecken. Genauso mit dem Käse verfahren, anschließend das Weiße der hartgekochten Eier ebenfalls in die Schüssel reiben, mit etwas mehr Mayo bedecken, zuletzt das hartgekochte Eigelb über den Salat reiben. Den Salat abdecken und kühl stellen (hält 3-4 Tage).

Vor dem Servieren mit etwas Dill garnieren.

Beim Servieren lösen sich die Schichten zwar etwas auf, bleiben aber noch gut sichtbar, je besser der Salat nach jeder Schicht festgedrückt wird, desto schöner lässt er sich anschließend "anschneiden".

Die übrigen Mitreisenden haben diese Rezepte aus Russland mitgebracht:

Conny von food for the soul mit Soljanka mit Fleisch nach Russischem Rezept Cornelia von SilverTravellers mit Soljanka - mehr als eine Restesuppe Marion von LSLB-Magazin mit Kalte Suppe - Russische Okroschka mit Kaviar Sylvia von Brotwein mit Boeuf Stroganoff - Rezept für russischen Klassiker Edyta von mein-dolcevita mit Russischer Schichtsalat Schuba ohne Hering Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Oreschki mit Dulce de leche Susanne von magentratzerl mit Schschti Tina von Küchenmomente mit Watruschki - Russisches Quarkgebäck Wilma von Pane-Bistecca mit Russisches Pilz Kaviar Cornelia von SilverTravellers mit Schaschlik im Ofen mit köstlicher Soße Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Syrniki - russische Quarkküchlein aus selbst gemachtem Tworog Anja von GoOnTravel.de mit Pelmeni Rezept – Russische Teigtaschen zum Nachkochen poupou von poupous geheimes laboratorium mit Mimosa Salat Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Hack-Schnitzel mit Pilz-Käse-Füllung Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Russischer Salat Vinaigrette Wilma von Pane-Bistecca mit Russisches Auberginen und Tomaten Kaviar Gabi von Slowcooker.de mit Pilz- und Hack-Pierogi Sebastian von Brittas Kochbuch mit борщ/Borschtsch (Gastbeitrag v. Sebastian Reichelt) Britta von Brittas Kochbuch mit бефстроганов/Bœuf Stroganoff Susanne von magentratzerl mit Buchweizenrisotto mit Pilzen Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Kalach Moskovsky - Moskauer Kalatsch Wilma von Pane-Bistecca mit Russische Pelmeni Tina von Küchenmomente mit Russische Kirschtorte Monastirskaya Izba Susanne von magentratzerl mit Borodinski-Brot Volker von volkermampft mit Russische Piroschki mit Weißkohl und Hackfleisch oder vegetarischer Füllung Dirk von low-n-slow mit Barsch-Soljanka Simone von zimtkringel mit Kwas Sonja von fluffig & hart mit Salat Olivier Michael von SalzigSüssLecker mit Oladji Susanne von magentratzerl mit Kartoffelküchlein mit Sauerkraut und Dill-Sauerrahm Sonja von fluffig & hart mit Kulitsch Susi von Turbohausfrau mit Salat Olivier

Samstag, 6. März 2021

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Freitag, 5. März 2021

Wir schlafen aus. Irgendwann nach sieben stehe ich auf und kehre dann mit zwei Bechern frischem Kaffee zurück ins Bett. Der Liebste beginnt mit Essensplanung für das Wochenende. Schließlich ziehen wir in die Küche um, damit der Liebste seinen auf dem Küchentisch angesammelten Handapparat an Kochbüchern konsultieren kann. Wir trinken mehr Kaffee. Ich lese in der Sonntagszeitung von letzter Woche über Kochboxen und schreibe dann einen Einkaufszettel. 

Nach einer Runde Yoga (Dedicate, day 18) ziehe ich mich "richtig" an und gehe los. Draußen ist es trotz der Sonne kalt. In der Apotheke hole ich die zweite Ration Regierungsmasken ab, dann weiter zu Rossmann, denn ich brauche einen grünen Stift. Unterwegs vereinbare ich spontan einen Online-Friseurtermin für in zwei Wochen. Absagen kann ich immernoch, aber langsam werden selbst mir die Haare zu lang. Der Friseur hat einen QR-Code ans Fenster geklebt, über den ich den Termin buche. 

Ich soll meine Haarlänge angeben. Ich schwanke zwischen "bis zur Schulter" und "bis zur Brust" - bis in zwei Wochen vermutlich letzteres. Grüne Stifte gibt es nicht einzeln und ich kann mich nur schwer zwischen den diversen Packungen mit bunten Stiften entscheiden. Gewinner sind am Ende je eine Packung klassische Fineliner und dicke Buntstifte. Die Apotheke in der Kaiser-Wilhelm-Passage kündigt an, ab Montag Schnelltests anzubieten. Ich überlege kurz, ob die Passage wohl bald in "Richard-von-Weizsäcker-Passage" umbenannt werden wird, und falls ja, ob sie dann die blecherne Pickelhaube über dem Eingang abschrauben werden. Ich ziehe weiter zur Biocompany und kaufe dort den ganzen Rest, dann weiter zu Fuß nach Hause. 

Vor dem Museum sind die Osterglocken und Forsythien schon kurz vor dem Aufblühen. Wieder zuhause trinke ich nochmal eine Tasse Kaffee mit dem Liebsten und setze mich dann an den Schreibtisch. Der Liebste bricht kurz drauf zur Arbeit auf. Irgendwann nach vier mache ich Pause und rufe meinen Vater an. Wir füllen gemeinsam ein Antragsformular für eine Registriernummer aus und beraten uns dann weiter in Sachen Picknickrucksack. 

Freunde meiner Eltern sind inzwischen geimpft, nachdem sie, weil die Terminvergabenummer in L. dauerbesetzt war, einfach mal in F. nach einem Termin gefragt haben. Man muss wohl im eigenen Bundesland, aber nicht am Wohnort geimpft werden. Interessant. Auch meine Cousine und meines Vaters Ärzte sind inzwischen geimpft. Ich kenne dagegen niemand persönlich, der geimpft ist, offensichtlich sehr andere Bubble, aber trotzdem beruhigend, dass die Impfungen gefühlt näherrücken. 

Ich gehe zurück an den Schreibtisch und mache dort auch noch weiter als der Liebste kurz vor neun nach Hause kommt. Ich werde aber heute nicht mehr fertig und breche dann irgendwann gegen halb zehn doch ab. Wir essen den Rest des Mimosensalates, dazu Endiviensalat, packen dann die restlichen Lebensmittel ein und brechen auf. 

Als wir kurz nach elf im Garten ankommen zeigt das Auto -3° Außentemperatur. Das Gras knirscht, der Himmel ist tiefdunkel und sternklar. Ich werfe die Heizungen an und packe die Lebensmittel aus, während der Liebste das Wasser anstellt. Wir ziehen die eiskalten Schlafanzüge an und schlüpfen unter dicke Decken, da ist es dann schnell recht gemütlich warm. Ich schlafe kurz nach der Nationalhymne im DLF ein. 

Viele weitere Tagebuchblogeinträge finden sich bei Frau Brüllen.

Auf zeit.de jetzt 2,498 Mio Fälle insgesamt, davon  57.000 in den letzten sieben Tagen. 4,915 Mio Geimpfte.

Samstag, 13. Februar 2021

Zum Wiederfinden: Rezepte für Dänisches Roggenkörnerbrot

Mengen Testbrot:

2 Tassen Roggenkörner, 0,5 Tasse Leinsamenschrot, Einweichwasser, 2x gewechselt, insg. 24 Stunden

4 Tassen Roggenvollkornmehl, 1 Tasse Sauerteigstarter, 2 Tassen dunkles Bier, 0,5 Tasse Joghurt, 1 Tl Rübensirup, 2 Tl Salz, Koriander, 3h ohne Roggenkörner, dann 2h mit Roggenkörnern ->Kastenform: über Nacht im Kühlschrank

aus dem Kühlschrank in den kalten Ofen, 1h bei 100°, dann hochschalten auf 175°, nochmal 2h

Geschmack und Konsistenz sind gut, mehr Salz wäre gut, Roggenkörner in der Kruste sind relativ hart, nächstes Mal weniger Roggenkörner im Verhältnis zum Mehl, evtl. stattdessen Haferflocken.

Roggenkörnerbrotteig nach der Nacht im Kühlschrank.

Roggenkörnerbrot nach dem Backen.

Anschnitt Roggenkörnerbrot.


Mittwoch, 10. Februar 2021

Kulinarische Weltreise: An kalten Tagen – Comfort Food International: Hannchen-Jensen-Torte (Trümmertorte) mit Eierlikörsahne aus Nordfriesland!

Hannchen-Jensen-Torte (Trümmertorte) mit Eierlikörsahne


Kristine Marie Jensen war die einflussreichste dänische Kochbuchautorin des 19. Jahrhunderts, deren Rezepte auch heute noch sprichwörtlich für die traditionelle und authentische dänische Küche stehen. Vielleicht war sie die Großtante oder Urgroßtante von Hannchen Jensen.

Zutaten für Hannchen-Jensen-Torte

Aus Sicht meiner Schwiegermutter, die in Dithmarschen lebt, beginnt nördlich des Eidersperrwerks das Ausland: Nordfriesland. Nordfriesland ist die Heimat der Hannchen-Jensen-Torte, in Dithmarschen gerne auch etwas unprätentiöser als Trümmertorte bezeichnet.


Hannchen Jensen war eine Pensionswirtin in dem kleinen Ort Lindholm in der Nähe von Niebüll an der Nordsee, nahe der dänischen Grenze. Sie bewirtete ihre Feriengäste, die in den 1970er Jahren aus ganz Deutschland anreisten, nicht nur mit Frühstück sondern auch mit klassischem Friesentee, dazu gab es eine luftig-sahnige selbst gebackene Torte. Die Feriengäste nahmen das Rezept mit und trugen es in ihre heimischen Kaffeekränzchen.

Eine Zeitzeugin:


Die klassische Hannchen-Jensen-Torte wird mit Mandarin-Orangen aus der Dose (Mandarin-Orangen führen ohnehin kein Leben außerhalb von Dosen, aber das ist ein anderes Thema) und Sahne gefüllt. Eine andere klassische Füllung besteht aus Stachelbeerkompott und Sahne, inzwischen gibt es aber alle erdenklichen Füllungen mit frischen Beeren, gedünsteten Birnen, Apfelmus oder Sahne mit Kakao. (Mehr zur Geschichte der Hannchen-Jensen-Torte im Blog Spoonfuls of Germany).

Meine Schwiegermutter betrachtet, neben Milchreis mit Kirschen, die Trümmertorte mit Eierlikörsahne als ihren ultimativen Comfort Food, weshalb ich dieses Variante hier vorstellen möchte.

Die Trümmertorte besteht aus zwei Böden die aus einem einfachen Rührteig und einer darauf gestrichenen Baisermasse mit gehobelten Mandeln bestehen. Rührteig und Baisermasse werden gemeinsam in einer Springform gebacken. Im Umluftherd lassen sich beide Böden parallel backen. Abgesehen davon, dass man zwei Springformen braucht, macht die Herstellung der Torte deshalb ausgesprochen wenig Arbeit und lässt sich auch sehr spontan an einem Samstagnachmittag zwischen einem Einkaufstrip in Heide und einem Spaziergang im Katinger Watt in den Ofen schieben.

Ein einfacher Rührteig.

Baisermasse.

Zuerst den Rührteig in zwei Springformen streichen.

Baisermasse auf den Rührteig streichen.

Die Baisermasse mit Mandelblättchen bestreuen.

Im Ofen gehen beide Massen schön auf  - die Baisermasse wird leicht hügelig, die Mandeln schön gebräunt. Wenn beide Böden gut ausgekühlt sind, wird die Torte zusammengesetzt: die Eierlikörsahne wird auf dem einen Boden verteilt, der andere anschließend oben drauf gesetzt. 

Der untere der beiden Böden.

Mit Eierlikörsahne bestreichen.

Die Torte darf ein klein wenig durchziehen, eine halbe Stunde reicht vollkommen aus, dann kann sie angeschnitten werden. Die Torte kann notfalls einen Tag aufbewahrt werden, falls unerwartet doch etwas übrig bleibt (kommt selten vor), allerdings sollte sie nicht zu kühl stehen, da das dem Baiser nicht bekommt (dem Rührteig genau genommen auch nicht). Bei meinem Rezept orientiere ich mich neben dem oben verlinkten Hannchen-Jensen-Originalrezept an dem Rezept von herzelieb.de.

Die fertige Trümmertorte oder Hannchen-Jensen-Torte.



Meine Zutaten:

Rührteig:

  • 125 g weiche Butter
  • 90 g Zucker
  • abgeriebene Schale einer halben Bio-Zitrone
  • 1 Prise Salz
  • etwas Vanillezucker
  • 4 Eigelb
  • 50 ml  Milch
  • 180 g Mehl Typ 550
  • 1/2 Päckchen Backpulver
Baisermasse:

  • 4 Eiweiß
  • 180g Zucker (am besten Puderzucker)
  • 100 g Mandelblättchen
Füllung:

  • 0,5l Sahne
  • 1 Päckchen Instantgelatine oder Sahnesteif
  • 0,2l Eierlikör
Zubereitung:

Backofen auf 160° Umluft vorheizen. Zwei möglichst gleich große Springformen einfetten.

Die Eier trennen. Das Eiweiß sehr steif schlagen, dann nach und nach den Zucker unterrühren, bis die Masse schön glänzt und keine Zuckerkristalle mehr sichtbar sind. Beiseitestellen.

Die Butter mit Zucker, Vanillezucker, Zitronenabrieb und Salz schaumig schlagen, nach und nach Eigelb und Milch unterrühren, anschließend Mehl und Backpulver untermischen. Den Teig je zur Hälfte in die Springformen füllen und glattstreichen. 

Die Baisermasse ebenfalls je zur Hälfte in beide Springformen auf den Rührteig geben und glattstreichen. Die Mandelblättchen auf dem Baiser verteilen.

30 Min. backen und dann auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Einen der beiden Böden auf eine Tortenplatte legen. Die Sahne sehr steif schlagen und dabei die Instantgelatine oder das Sahnesteif nach Anleitung auf der Packung mit einarbeiten. Den Eierlikör unter die Sahne heben. Die Eierlikörsahne auf den Tortenboden geben und dann den zweiten Tortenboden auf die Eierlikörsahne legen. 30 Min. durchziehen lassen und servieren.

Die anderen Reiseberichte der Kulinarischen Weltreise auf Expedition in kalte Gefilde auf der Suche nach Comfort Food:
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Samstag, 6. Februar 2021

Die Mathematik des Strickens


Heiligengeschichtsschreibung setzt meistens dann ein, wenn ein*e Heilige*r so lange tot ist, dass sich keiner mehr so ganz genau erinnert, Spekulationen blühen und das gemeinsame Verständnis über das was war, schriftlich fixiert werden muss. Forschung setzt ein, wenn Dinge dem Alltag soweit entrückt sind, dass sie als Forschungsobjekte neu in den Blick genommen werden können.

Hätte ich meine Großmutter gefragt, ob sie einem gedruckten Strickmuster, einer Strickanleitung, ansehen könnte, wie elastisch das gestrickte Ergebnis ausfallen wird, hätte sie vermutlich kurz die Stirn gerunzelt, mich verwundert angeschaut und sowas gesagt wie "Ja, natürlich? Das kann man sich ganz einfach klarmachen, wenn man sich das einmal genau durchliest". Meine Großmutter konnte eine Strickanleitung wie ein Musiker Notation lesen oder wie ein Coder seinen Code - mit einer inneren Vorstellung dessen, was die schriftlich codierte Anleitung bedeutet, und was sich wie auswirken wird, wenn man das umsetzt. 

Sie konnte auch erkennen, ob in einer Anleitung Fehler gemacht wurden ("das geht an der Stelle nicht auf, wenn man das so macht") und sie war in der Lage, die Fehler in der Anleitung zu korrigieren, ihren eigenen Code zu verfassen, oder eine Anleitung so abzuwandeln, dass aus einem Männerpullover ein Puppenkleid wurde und die Anmutung z.B. eines norwegischen Folklore-Entwurfs trotzdem gewahrt blieb.

Eine Ähnliche Vorstellung hatte sie auch von der dreidimensionalen Gestaltung von Stoff auf Basis eines Burda-Schnittmusters oder wenn es sein musste einer vagen Schemazeichnung. Kam sie dazu, während ich etwas bastelte oder handarbeitete, war eine häufige Reaktion, dass sie etwas sagte wie: "Schau mal, da gibt es einen Kniff, wenn du den Besatz vor dem Annähen schmal umbügelst und am Ende etwas einhältst, dann beutelt es sich hinterher nicht, sondern wird schön glatt" oder ein vergleichbarer Ratschlag, aus dem sich ergab, dass sie nicht nur aus meinen rudimentären Bastelkomponenten bereits herausgelesen hatte, was das Ganze sein sollte, sondern sie hatte die Sache auch technisch durchdrungen und wusste, welche Verbindungen heikel waren, wo es an Stabilität fehlen würde und, vor allem, wie sich zahleiche offensichtliche Probleme des Projektes durch ebenso offensichtliche "Kniffe" von vornherein vermeiden ließen.

Glücklicherweise hat meine Großmutter dieses Praxiswissen in angewandter Mathematik ihren Töchtern weitergegeben, so wie sie es vermutlich selbst von ihrer Mutter oder eher in der Schule einmal gelernt hatte. Auch in der Enkelgeneration ist es mindestens partiell noch angekommen - auch wenn ich den Eindruck habe, dass diese Art von Wissen, die für viele Frauen einmal recht selbstverständlich war, heute exotisch geworden ist und man es keinesfalls voraussetzen sollte. Natürlich gibt es die Bastelmamas, die Stricknerds und die Nachhaltigkeitshipster. Aber eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit Werkzeugen wie Häkelnadeln, Schneiderkreide oder Knopflochfüßchen scheint mir nicht mehr so allgemein verbreitet. Damit ist auch eine Menge technisch-physikalisches und mathematisches Alltagswissen verloren gegangen.

Die Physikerin Elisabetta Matsumoto erforscht das Stricken anhand der Knotentheorie. Ein lesenswerter Spektrum-Artikel über die Mathematik des Strickens schildert ihre Forschungsergebnisse.

Freitag, 5. Februar 2021

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Freitag, 5. Februar 2021

 Es ist wieder der 5.

Ich wache kurz nach sieben auf, bin relativ wach und stehe gegen halb acht auf. Ich bin froh, dass ich den Verband am Bein jetzt erstmal los bin. Die übliche Badroutine, inklusive Haarewaschen, und ich gönne mir heute noch eine Avocadohaarkur, weil die Haare in letzter Zeit so elektrisiert und strohig sind. Gegen acht frühstücke ich (Wunderbröd, Marmelade, Käse, Kaffee, Oatley deluxe), der Liebste trinkt Kaffee dazu. Mir fällt auf, dass das Wunderbröd nicht mehr weit reicht und ich setze spontan noch ein Roggenvollkornbrot an (Sandor-Katz-Methode: Sauerteigkultur, Roggenvollkornmehl, Wasser, Leinsamenschrot, Backmalz, Salz, Koriander).

Kurz vor neun ziehe ich in die Kammer weiter, fahre den Rechner hoch, installiere mich für die erste Vorlesung. Nach der Vorlesung ziehe ich mit dem Skript zur Selbststudienphase auf den Wohnzimmersessel um und mache mir dazu eine Vivaldi-CD mit Andrew Manze an. Viertel vor zwölf folgt die zweiter Vorlesung, danach: Wochenende. Ich sammele die Knochen aus dem inzwischen abgekühlten Oxtail Stew. Der Liebste bricht zur Arbeit auf, ich richte für mich Salat aus Postelein mit Birne und Käse, alles drei aus der Marktschwärmerei. Danach noch ein paar vorletzte Weihnachtsplätzchen. Ich lese etwas in einer alten Zeitung und ziehe dann wieder in die Kammer. Ich bastle weiter am Cajsa-Warg-Artikel. Um drei telefoniere ich mit einem Blogger und erzähle ihm was zum Urheberrecht. Das ist ein bisschen wie neue Wikipedianer treffen: irgendwie kennt man den anderen vom Lesen aber eigentlich eben doch nicht.

Danach komme ich aber dank des Schwedischen Biographischen Lexikons endlich gut mit dem Artikel voran. Leider ist inzwischen mein Session-Cookie gelöscht und ich speichere den Großteil als IP. Egal. Irgendwann verschiebe ich den fertigen Artikel in den ANR und trage ihn bei #100wikidays ein. Draußen schneit es heftig. Ich frage bei A und J an, ob sie mein Päckchen bekommen haben.

Angesichts der angekündigten weiteren Minusgrade hole ich nun doch die Geranienkästen ins Haus. Die umliegenden Hausdächer sind weiß, aktuell -2 Grad. J. ruft an, das Päckchen ist angekommen, der Inhalt scheint auch gut angekommen zu sein, in jeder Hinsicht. Wir erzählen uns ein bisschen, was hier und dort gerade so ist. Ich hänge den neuen Fotokalender auf. Dann bereite ich eine kleine Wäschesession im Wohnzimmer vor, merke aber, dass ich erstmal etwas essen muss: Rest vom Wunderbröd mit Butter. Dabei fällt mir der Brotteig wieder ein - ich heize den Backofen an und fülle den Teig in den Topf um. Dann Wunderbröd-Zvieri, eigentlich eher Zsechsi und dabei lese ich Frau Brüllens Blog und beschließe spontan jetzt sofort zu bloggen. Das ist hiermit erledigt! Weiteres Programm heute: Wäsche falten und dabei fernsehen, Tee trinken, gegen neun Oxtail Stew aufwärmen, vielleicht noch etwas Weißkohl als Beilage dünsten, essen. Dann vielleicht noch eine Folge Shaun the Sheep und eine Folge Suburra streamen und auf morgen ausschlafen freuen.

Auf zeit.de jetzt 2.273.000 Infizierte insgesamt, davon 71.000 in den letzten sieben Tag, 2.153.000 Geimpfte.

Die anderen Tagebuchblogbeiträge finden sich im Blog von Frau Brüllen.