Samstag, 14. August 2021

Schullektüren

Herr Rau fragt nach Schullektüren. Und die Antworten sind vorhersehbarer als ich es gedacht hätte. Entweder lebt der Kanon doch noch im Geheimen Lektüreuniversum, oder die Bloggerszene, in der ich so herumlese ist noch homogener als ich immer dachte, inklusive klarem Hang zum Altsprachlichen. Spannend ist es trotzdem und ich hoffe sehr, noch den ein oder anderen Beitrag von Leuten aus dem Osten zu lesen.

An was ich mich so erinnere (Ba-Wü, Abi 95):

Unterstufe

Theodor Storm: Pole Poppenspäler (das war meine erste Schullektüre überhaupt, ich las es mit Neugier und Interesse und war dann recht enttäuscht: das Buch war langweilig und entsprach gar nicht dem, was ich kindlich naiv vom Gymnasium erwartet hatte, nämlich deutlich grandiosere Bücher als die, die ich bis dahin gewissermaßen "privat" gelesen hatte, dazu kam die Zerlegung des Textes im Unterricht, die ich befremdlich fand und die auch danach alle anderen Lektüren im Deutschunterricht zuverlässig belastete).

Hans Peter Richter: Damals war es Friedrich (mochte ich nicht, ich hatte zu dieser Zeit schon mehrere Meter "dtv pocket", "Geschichte erzählt" etc. verschlungen und fühlte mich hinreichend über das Dritte Reich und alles was damit zusammenhing (jedenfalls aus Sicht einer Sechstklässlerin) informiert, den Tonfall habe ich als belehrend und verstaubt in Erinnerung)

Judith Kerr: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (wenn ich mich nicht irre, haben wir das im Religionsunterricht gelesen, ich mochte es nicht, weiß aber nicht mehr warum).

E.T.A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi (erinnere mich an nicht viel, irgendwas mit einer Halskette?)

Ich musste ein Buch vorstellen und entschied mich für "Die Wolke" von Gudrun Pausewang, war dann aber selbst so davon ergriffen, dass ich meinen Mitschülern vermutlich nicht viel sinnvolles darüber erzählen konnte. Immerhin wollten danach einige das Buch leihen, vielleicht war es doch nicht so schlecht.

In den Fremdsprachen lasen wir meiner Erinnerung nach in der Unterstufe nur die Texte, die in den Lehrbüchern in Auszügen und einfacher Form abgedruckt waren.

Mittelstufe

Deutsch:
zahllose Kurzgeschichten
Dürrenmatt: Der Richter und sein Henker (Spannend und intelligent, ich las daraufhin weiteren Dürrenmatt privat)
Dürrenmatt: Die Physiker
Frisch: Biedermann und die Brandstifter (Unerträglich penetrant und öde in meiner Erinnerung)
Schiller: Wilhelm Tell
Schiller: Maria Stuart
Goethe: Götz von Berlichingen
Goethe: Iphigenie auf Tauris
Goethe: Faust I
Christa Wolf: Kassandra (Ich hatte kurz davor Marion Zimmer Bradleys Feuer von Troja gelesen und fühlte mich "im Stoff", wurde dann enttäuscht, weil es letztlich um etwas ganz anderes ging, was damals kurz nach der Wende dann selbst schon ins Historische abglitt)
Betty Mahmoody: Nicht ohne meine Tochter (Dramen mochte ich generell nicht - mir fehlte irgendwie das Beschreibende, Reflektierende. Unser Lehrer Dr. Laufer war aber so mutig, mit uns einen aktuellen Bestseller zu lesen. Das zog wohl Kritik und Unverständnis im Kollegium nach sich - wir fanden es klasse, auch wenn wir dann am Ende zugeben mussten, dass das Buch eher Schund war, aber immerhin hatten wir das dann selbst und mit Methode herausgefunden. Mit etwas Nachdenken: wir hätten viel öfter mal ein Buch nach Strich und Faden besprechen und dann zum Schluss kommen sollen, dass es nichts taugt. Ein Hauptnachteil der Lektürezerlegung im Unterricht war wohl, dass das Ergebnis (wichtiges gutes Werk) stets schon fest stand, und es für uns nichts eigenes herauszufinden gab.)

Englisch:
John Steinbeck: Of Mice and Men (Mir fällt auf, wie oft das in den Lektüreberichten der Blogger auftaucht. Ich habe keine Erinnerung an den Inhalt und das Buch ist mir auch sonst in meinem weiteren Leben nicht untergekommen - warum wird gerade dieses Werk landauf landab in den Schulen gelesen???)
Shakespeare: Macbeth

Latein:
Cäsar: De bello gallico
Cicero: De oratore
Ovid: Metamorphoses
Einhard: Vita caroli magni
Teppich von Bayeux
Sallust: De coniuratione Catilinae
Vergil: Aeneis
Auszüge aus der Legenda Aurea

Im Nachhinein überrascht mich, dass wir doch auch einiges an Mittellatein gelesen haben. Und es verwundert mich, dass die Textüberlieferung nie ein Thema war. Als hätte man Cäsars persönliches Exemplar aus der Bibliothek geholt und unter den Kopierer gelegt. Historisch eingeordnet wurde das schon. Trotzdem finde ich es im Nachhinein etwas eigenartig, welche Inhalte uns da eigentlich so zugemutet wurden. Geschadet hat es denke ich nicht, aber vielleicht hätte man mehr draus machen können?

Oberstufe:

Deutsch:
Frisch: Homo Faber (mochte ich gar nicht, war irgendwie alles absehbar und zu langatmig)
Frisch: Stiller (mochte ich gern, und las daraufhin privat die Tagebücher, die waren sehr inspirierend)
Lessing: Nathan der Weise (Die einzige Lektüre, die ich erst in der Klausur gelesen habe. Ich war dann sehr überrascht, dass es in der Ringparabel tatsächlich um einen echten Ring ging. Ich hatte das bis dahin als literaturwissenschaftlichen Fachbegriff verstanden, sowas wie eine Passacaglia oder ein Kanon in der Musik. Der frische Leseeindruck war aber nicht verkehrt, meiner Erinnerung nach bekam ich dafür 13 Punkte.)
Kleist: Der zerbrochene Krug
Kleist: Michael Kohlhaas
Kleist: Das Erdbeben von Chili
Kleist: Über das Marionettentheater
Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken (Kleist fand ich großartig und hat mich nachhaltig beschäftigt)
Joseph Roth: Hiob 
Joseph Roth: Radetzkymarsch (Der zerbrochene Krug und Hiob waren Abiturthemen. Hiob fand ich recht seltsam und wenig interessant, ich las mich dann aber nach und nach durch das restliche Werk und war begeistert.)
Georg Büchner: Woyzeck
Georg Büchner: Lenz
Georg Büchner: Leonce und Lena (Ich mochte die irgendwie verschobene Sprache, auf mich wirkte das alles seltsam unfertig, offen und damit einladend.)

Latein:
Cato: aber was? 
Seneca: Dialoge, Briefe (hat mich sehr angesprochen und mag ich auch heute noch sehr)
Cicero: De re publica?
Tacitus: ?
(Cicero und Seneca waren Abiturthemen, und gefühlt haben wir zwei Jahre nichts anderes gelesen, aber vermutlich stimmt das nicht)

Griechisch:
Homer: Odyssee
Platon: Apologie des Sokrates (leider habe ich Griechisch aus Verblendung nach der 11. Klasse abgewählt) 

Nachtrag: 
 
Irgenwo kam das Thema Klassensätze an Schullektüren auf. Das war zu meiner Zeit in Baden-Württemberg auch nicht ungewöhnlich. Reclamhefte wurden jeweils neu angeschafft und mussten von uns auch bezahlt werden. Es gab irgendeine Preisobergrenze, bis zu der Schulbücher selbst gekauft werden mussten, drüber gab es dann die Leihexemplare aus der Schulbibliothek. Andere Blogger*innen berichten, sie hätten die Schulbibliothek leer gelesen - unsere Schulbibliothek bestand in erster Linie aus Klassensätzen von Schulbüchern. Da lieh man nicht individuell aus, sondern bekam zu Beginn des Jahres die Bücher und gab sie am Jahresende wieder ab. 
 
Deutschlektüren gab es natürlich auch unterjährig. Den Atlas durfte man die ganze Schulzeit behalten und sollte erst nach dem Abitur abgeben - ich hab meinen als Zeitdokument frech unterschlagen - immerhin war da noch die DDR drin gewesen, das wollte ich mir bewahren. Für die Deutschlektüren konnte ich mich aus dem Fundus meines Vaters und seines Bruders bedienen - die ganzen Klassiker waren da in Reclam-Ausgaben aus den 50er und 60er Jahren vorhanden, bereits bestens aufbereitet mit Unterstreichungen und Randbemerkungen, sehr praktisch!

Die kulinarische Weltreise ‒ Dänemark: Stjerneskud!

Stjerneskud ist das dänische Wort für Sternschnuppe.

"Die Anrichtung ist optisch einwandfrei" schrieb der Däne meines Vertrauens, und verlinkte mir das Rezept von Mahtava, dem Blog einer an Nordweh leidenden Münchnerin. Ich betrachtete das Foto, das eine Art Krabbensalat zu zeigen schien, mit diversem Grünzeugs drin, in der Mitte etwas angehäufelt, nach außen hin in zarte Dilläste und Späne von grünem Spargel auslaufend, mit einem ganz leicht angedeuteten Wirbel im Uhrzeigersinn.

Stjerneskud lässt sich gut für mehrere Personen parallel anrichten.

"Auch das Rezept trifft den Nagel auf den Kopf" schrieb der Däne weiter. Ich las das Rezept für "Dänisches Schollen-Krabben-Brot" und betrachtete nochmal das Bild. Wo war das Brot? Vielleicht die leicht gebräunte Kruste am unteren rechten Rand des Bildmittelgrundes? Jedoch: das Rezept verlangt Roggenbrot.

Frische Krabben vom Wochenmarkt in Heide (Holstein)

"Das grobe Roggenbrot könnte in der Brodstätte oder bei Albatross erworben werden." schrieb der Däne. Ich sinniere über meine Versuchsreihe zu dänischem Rugbröd vor einigen Monaten und höre mich ein wenig in das Thema ein:




Stjerneskud - Sternschnuppe - Perseiden - Sternenhimmel



"Ein leichtes Sommergericht" nennt der Däne das "Stjerneskud", eine der bekanntesten Varianten des dänischen "Smörrebröd", das mit "Butterbrot" nicht passend übersetzt und besser mit "unter vielen nahrhaften Leckereien vergrabenes Brot" umschrieben wäre.

Was nach dem Pulen übrigbleibt.

Zurück zur "Anrichtung": die ist in der Tat erst dann einwandfrei, wenn man auch auf den zweiten Blick definitiv kein Brot mehr entdeckt. Im Fall der Sternschnuppe ist das nach dem empfohlenen Rezept ein Roggenbrot, viele andere ergoogelbare Rezeptvarianten benutzen Weißbrot, ich hab dann einfach beides nebeneinander gelegt, und beide Brotscheiben einwandfrei unter Scholle, Krabben, Salat und Remoulade verborgen. 

Radieschen, Gurke, Tomaten, gelbe Bete, Zitrone, Spargel

Obwohl zur Sternschnuppenzeit im August empfohlen, gehören in das Rezept Späne von frischem (grünem) Spargel. Ich habe mir für den Geschmack mit Spargelspitzen aus dem Glas beholfen und für etwas Gemüsecrunch Späne von einer gelben Bete benutzt. 

Gemüse und Zitrone aufschneiden.

"Es empfiehlt sich auch die dänische Remoulade bei Rewe als extra Beilage." schreibt der Däne weiter - ich habe daraufhin die zitronige Mayonnaise, die das vorgeschlagene Rezept vorsieht, weggelassen und durch die dänische Remoulade ersetzt. (Vielleicht ist das Werbung, falls ja: Disclaimer: unbezahlt, alle Zutaten selbst gekauft, ich bekomme nichts für den Link).

Schollenfilets aus Büsum vom Heider Markt, frisch as can be.

Meine Zutaten (für 3 Personen):

6 Schollenfilets
750g ungeschälte Krabben
1 kl. Glas Lachskaviar
1 kl. Glas Spargelspitzen
3 Scheiben Weißbrot
3 Scheiben Roggenbrot
1 Flasche dänische Remoulade
6 Blätter Kopfsalat
2 kl. gelbe Beten
1 Minigurke
6 Radieschen
1 Handvoll Minitomaten
1 Bund Dill
1 Zitrone
etwas Mehl
Butter und Öl


Die Schollenfilets werden vor dem Braten leicht mit Mehl bestäubt.


Zubereitung

Krabben pulen und beiseite stellen.

Gemüse, Dill und Salat waschen, Radieschen und Gurke in dünne Scheiben schneiden, Tomaten halbieren, Bete mit dem Kartoffelschäler in Späne hobeln, Zitrone in Schnitze schneiden, alles bereit stellen. 

Nordisches Weißbrot und dunkles Körnerbrot eignen sich gleichermaßen gut.

Die Brotscheiben toasten, etwas abkühlen lassen und dünn mit Butter bestreichen, dann die Brotscheiben auf Tellern positionieren, mit Salat belegen, großzügig mit Remoulade bestreichen, mit Dill und dem Gemüse belegen, nochmal etwas Remoulade darauf geben.

Gemüse und Salat sind richtig, wenn das Brot langsam verschwindet.

Die Schollenfilets mehlieren und in heißem Öl mit etwas Butter auf jeder Seite 1-2 Min. braten. 


Die Schollen zuerst auf der Hautseite anbraten, dann umdrehen.

Die gebratenen Schollen auf die Teller geben, großzügig mit den Krabben bestreuen und je 2 Tl. Kaviar über die Schollen geben, salzen und mit den Zitronenschnitzen servieren.


Die Rezepte der anderen Mitreisenden der kulinarischen Weltreise folgen hier:




Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in Dänemark - die besten Rezepte und Gerichte Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Skagenslapper – Brötchen mit Sonnenblumenkernen und Mohn Ulrike von Küchenlatein mit Brunsviger med vaniljecreme – Brunsviger mit Vanillecreme Ulrike von Küchenlatein mit Meyers mørke rugbrød – Meyers dunkles Roggenbrot Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Dänisches Apfel-Schichtdessert – Gammeldags æblekage Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Dänisches Sauerteig-Roggenbrot – Rugbrød Tina von Küchenmomente mit Dänischer Traumkuchen - Drømmekage Britta von Brittas Kochbuch mit Hot Dog-Brötchen Britta von Brittas Kochbuch mit Sylteder Agurker Salat - eingelegter Gurkensalat Michael von SalzigSüssLecker mit Stjerneskud-Smørrebrød Susanne von magentratzerl mit Tebirkes Sonja von fluffig & hart mit Dänisches Mohnbrot Britta von Brittas Kochbuch mit Dansk Remoulade Susi von Turbohausfrau mit Rysteribs Ulrike von Küchenlatein mit Blomkålssalat med rugbrød – Blumenkohlsalat mit Roggenbrot Britta von Brittas Kochbuch mit Hot Dog Britta von Brittas Kochbuch mit Rød Grød met Fløde - Rote Grütze mit Sahne Ulrike von Küchenlatein mit Krebinetter med flødestuvet spidskål og kartoffler - Panierte Hacksteaks mit gestovtem Spitzkohl und Kartoffeln Sonja von fluffig & hart mit Citronfromage - Dänische Zitronencreme Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Schokobrötchen aus Hefeteig Barbara von Barbaras Spielwiese mit Citronmåne (Dänischer Zitronenmondkuchen)

Dienstag, 6. Juli 2021

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? 5. Juli 2021

Es ist wieder der 5. und Tagebuchbloggertag bei Frau Brüllen.

Ich wache mit dem Wecker um 4:30 auf, schlafe aber nochmal ein. Als der Liebste sich verabschiedet werde ich langsam wach, schalte das Radio ein und döse dann noch weiter bis kurz vor acht. Ich gehe ins Bad, ziehe mich an (Jeans, blau-rot-weiß gemustertes Shirt) und frühstücke (Müsli mit Milch und Joghurt, der Liebste hat Kaffee vorbereitet, ein Zettel "frisch" hängt dran, damit ich das auch merke), dabei lese ich noch ein bisschen im New York Magazine, das sich fragt ob Kündigung als Selbstfürsorge mehr als eine neue Mode ist? Ein Anruf beim Finanzamt ergibt, dass unser Steuerbescheid vermutlich in der Post verloren gegangen ist, ich setze ein Schreiben auf, um einen neuen Bescheid anzufordern. Danach setze ich Waschmaschine und Geschirrspüler in Gang, schreibe einen Einkaufzettel für dm, schrubbe noch die Gartenschuhe und beginne dann mit dem Selbststudium, das heute auf dem Programm steht.

Gegen 11:45 steige ich aufs Rad und fahre durch den Regen nach Wilmersdorf zur Trattoria Milano. I. ist schon da. Nachdem ich in die trockene Strickjacke gewechselt habe, sitzen wir dort sehr gemütlich. Ich bin sehr positiv überrascht von der Trattoria (Maiale ai porcini als Mittagstisch, dazu angesichts der Kälte einen Milchkaffee und Bruschetta und Espresso aufs Haus). Um 13 Uhr muss I. zurück sein, deshalb brechen wir pünktlich auf. Der Regen ist vorbei, ich radle weiter zur Schuhpflege des Westens, die hat aber gerade Betriebsferien, also weiter nach Hause. Ich schaue nochmal in die Selbststudienunterlagen bis es um 14 Uhr mit Vorlesung weitergeht. Nach der Vorlesung breche ich auf zu dm und gebe nebenan das Paket mit den Hosen auf. Unterwegs fällt mir ein, dass ich wegen des Fensterscheibenabziehers besser zu Rossmann gehe. Auf Höhe von TK Maxx fällt mir ein, dass der Liebste ein neues Kopfkissen braucht. Ich entscheide mich für ein Kopfkissen mit Seidenfüllung, es fühlt sich angenehm an und steckt in einer Tagetasche aus Baumwolle, die sich vielleicht als Wäschesack weiterverwenden lässt. Im Vorbeigehen finde ich noch ein paar Retroturnschuhe aus hellbraunem Filz. 

Bei Rossmann kaufe ich den ganzen Rest ein und bin mit XXL-Toilettenpapier und Kopfkissen dann ordentlich bepackt. Es ist inzwischen sehr schwül und ich pausiere auf halbem Weg und packe die Jacke in den Rucksack. Zuhause brauche ich erstmal dringend neuen Kaffee, der Liebste ist auch schon da und wir trinken gemeinsam eine Tasse, und bewundern gegenseitig unsere Einkäufe (der Liebste hat Plaintains gekauft, die im Asialaden unter "Backbananen" firmieren), bevor ich nochmal an den Rechner gehe. 

Gegen 19 Uhr fange ich an Salat zu richten und schicke den Liebsten nochmal zu Lidl, denn wir haben kein Brot, kein Müsli, keine Milch, außerdem möchte ich gerne Crack Chicken probieren - denn ich kann mich nicht erinnern, dass wir das schonmal gemacht haben und warum es misslungen war. Währenddessen klingelt Z., der möchte, dass wir ihm helfen ein Formular für seine Krankenkasse auszufüllen. Danach quatschen wir noch ziemlich lange und es ist viertel nach neun, als wir schließlich den Salat essen (grüner strapplig-wuscheliger Salat von der Ackerbande, mit Tahini-Zitronen-Dressing, Fenchel, Frühlingszwiebel, Thunfisch, Mozzarella und ein paar Minitomaten). Danach fallen wir ins Bett, ich höre noch eine Weile dem Radio zu und schlafe irgendwann vor elf Uhr.

Sonntag, 4. Juli 2021

Parfümfrei (unbezahlte Werbung)

Mal ein Update:

Als Anfang der 90er Jahre meine Duftstoffallergien (konkret Zedernöl, Eichenmoos absolue) diagnostiziert wurde, war es ziemlich aufwändig, den allgegenwärtigen Duftstoffen in Kosmetika, Wasch- und Putzmitteln zu entgehen. Dass ich genau wusste, wogegen ich allergisch bin, half nicht weiter, denn auf den meisten Verpackungen stand da (und steht auch heute noch) einfach "Parfüm" oder "Fragrance", oder, mein persönliches Highlight "natürliche Duftstoffe" - ob da Zedern oder Eichenmoos beteiligt sind, kann ich dann jeweils nur raten.

26 Duftstoffe sind derartig allergieauslösend, dass sie heute explizit auf einer Produktverpackung genannt werden müssen, sobald die Konzentration mehr als 0,01% bei abzuspülenden Kosmetika oder mehr als 0,001% bei Kosmetika, die auf der Haut bleiben, beträgt. Die schlimmsten Übeltäter unter diesen 26 (genannt hochpotente Allergene) sind Evernia Prunastri Extract (Eichenmoosextrakt), Evernia Furfuracea Extract (Baummoosextrakt), Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyde (Lyral), Isoeugenol (Ylang-Ylang, Muskatnussöl). Mit meiner Eichenmoosallergie habe ich also eine der deklarationspflichtigen Substanzen erwischt. 

Die weiteren potenten Allergene sind Cinnamal (Zimtaldehyd), Cinnamyl Alcohol (Zimtalkohol), Citral (Zitronenöl, Lemongras), Farnesol, Hydroxycitronellal, weniger potent aber immernoch einzeln deklarationspflichtig sind Alpha-Isomethyl Ionone, Amyl Cinnamal, Amylcinnamyl Alcohol, Anise Alcohol, Benzyl Alcohol, Benzyl Benzoate, Benzyl Cinnamate, Benzyl Salicylate, Butylphenyl Methylpropional, Citronellol, Coumarin, Eugenol, Geraniol, Hexyl Cinnamal, Limonene, Linalool, Methyl 2-Octynoate.

Auch ohne Chemiker*in zu sein, lässt sich erahnen, dass die meisten dieser Allergene natürlichen Ursprungs sind und z.B. aus Moos, Muskat, Zimt, Zitrone, Zitronengras, Anis und Gewürznelken gewonnen werden, bzw. in diesen Pflanzen vorkommen.

Pflanzliche Duftstoffe, z.B. aus Salbei oder Rosenblüten sind nicht unbedingt weniger allergen als synthetische.

Deshalb helfen mir gerade solche Angaben wie "nur natürliche ätherische Öle" oder "natürliches Parfüm" oder "pflanzlicher Duft" genau gar nicht weiter - gerade dahinter verbergen sich wie gesehen die potentesten Allergene. Allerdings hilft mir auch die Deklarationspflicht nur bedingt, denn oft wirken schon geringere Konzentrationen schon reizend oder die Allergien betreffen andere als die 26 Hauptübeltäter, so dass letztlich nur die Option bleibt, parfümfreie Produkte zu nutzen. Leider ist auch "parfümfrei" nicht immer wirklich "frei", wie Untersuchungen des DAAB (Deutscher Allergie- und Asthmabund, siehe https://www.daab.de/ für weitere Informationen) gezeigt haben.

Als Allergikerin bin ich deshalb automatisch zur konservativen Konsumentin geworden. Was verträglich ist und den gewünschten Zweck (beispielsweise saubere Wäsche) erfüllt, wird wieder gekauft. Das geht oft jahrelang gut, bis Produkte ausgelistet oder vom Markt genommen werden oder die Zusammensetzung durch den Hersteller verändert wird. Ich muss dazu sagen, dass ich keine besonders empfindliche oder trockene Haut habe. Ich vertrage halt keine Duftstoffe, aber sonst ist alles gut und ich möchte deshalb kein mildes Waschmittel, sondern eines was eine ordentliche Waschleistung bringt, dabei aber eben nicht nach Regenwald oder Bergfrühling duftet.

Anfangs gab es keine große Auswahl, nur wenige Nischenprodukte im Standardsortiment der Drogerien sowie Ökoprodukte im Naturwarenhandel, der damals selbst noch sehr in der Nische war. Inzwischen ist die Palette relativ breit, gerade im Sortiment für Babykosmetik ist eine große Auswahl entstanden, die langsam auch in "ältere" Konsumentengruppen hineinwächst.

Für alle, denen es vielleicht ähnlich geht, deshalb hier eine aktuelle Zusammenstellung der Produkte die ich nutze (alle selbst gekauft und bezahlt):

  • Waschmittel: Persil sensitive megaperls
  • Feinwaschmittel: denk mit Fein- und Wollwaschlotion ultra sensitive
  • Duschgel: verwende inzwischen eher Seife, aber sonst geht Alverde ultra sensitive Duschcreme oder Hipp Waschgel sensitiv
  • Seife: Speick Arztseife sensitive oder Marseiller Seife ohne Zusätze
  • Handseife: Handsan parfümfrei
  • Deo: wechselnd entweder Nivea pure & sensitive oder Speick pure deo stick
  • Gesichtscreme: lange habe ich die OLAZ Gesichtscreme sensitive verwendet, die war preisgünstig und gut, gibt es jetzt aber nur noch in Restbeständen zu kaufen, alternativ habe ich die Eigenmarken von dm und Rossmann ausprobiert (Alterra sensitiv Pflegecreme und Alverde ultra sensitiv Pflegecreme), beide sind mir aber letztlich zu fettig. Die ideale nicht zu teure parfümfreie Gesichtscreme suche ich noch. Schlimmstenfalls muss ich zur dramatically different moisturizing lotion von Clinique zurückkehren, die war meine erste Creme, die ich vertragen habe, aber leider nicht ganz billig...
  • Creme für Hände, Füße, Körper: Neutrogena Deep Moisture sensitiv
  • Sonnenschutz: Sundance Med ultra sensitiv


Montag, 21. Juni 2021

Die kulinarische Weltreise – Griechenland: Apfelkuchen mit Olivenöl und Walnüssen!

"Everyone needs a place to lay their weary head. For travelers visiting Athens, Filoxenia Hotel is an excellent choice for rest and rejuvenation. Well-known for its budget friendly environment and proximity to great restaurants and attractions, Filoxenia Hotel makes it easy to enjoy the best of Athens." sagt Tripadvisor. Und genau so war es: wir waren zu jung, um uns am grausligen Zustand des Hotels ernsthaft zu stören, wir brauchten täglich dringend "rest and rejuvenation" und to "enjoy the best of Athens" war der Grund, weshalb wir gekommen waren. Essen gehörte irgendwie nicht dazu. Wir kamen mehr oder weniger mit Flüssignahrung aus.

Der Kuchen schmeckt wunderbar nussig und saftig.

Als ich dann einige Jahre später für ein Jahr in York studierte, machte ich die klassische deutsche Expat-Erfahrung und vermisste richtiges Brot aus Sauerteig sowie Kaffee und Kuchen. Das Studentenwohnheim war nicht mit Backutensilien ausgestattet und so backte ich den einfachsten Kuchen für solche Fälle, der auch in einem englischen roasting tin für Truthähne gebacken werden kann: Hefezopf. Meine Mitbewohner erkannten darin allerdings keinen Kuchen.

 

Vor dem Backen sieht der Teig überraschend schokoladig aus.

"Auf die Frage, „Was ist Kuchen eigentlich?“ antworteten die Deutschen hier in meiner Umgebung spontan „etwas Süßes“, “Lecker“, „Genußmittel“, „ein süßes Gebäck“, „süß“, „Torte ohne Sahne“ „Arbeit und Genuß“, „ein Gebäckteil“, „süßes Gebäck in einer Form gebacken“ usw. Die Frage kann als eine sprachliche, handwerklich-fachliche und kulturelle verstanden werden, sie hat ziemlich komplexe Dimensionen. –Was das Wort Kuchen bezeichnet, ist nicht ganz genau zu definieren. Das zeigt zum Beispiel die Überlegung, die auf den ersten Blick klar aussieht: Kuchen ist anders als Brot. Aber selbst die Grenze zwischen Kuchen und Brot als Gebäck schwankt tatsächlich von Ort zu Ort, von Mensch zu Mensch, von Zeit zu Zeit, wenn man genauer beobachtet. Es gibt auch Produkte in der Grauzone, wie Hefezopf." lerne ich aus der Dissertation der japanischen Ethnologin Satsuki Sakuragi: "Zur sozialen Praxis und symbolischen Bedeutung des selbstgebackenen Kuchens".

 

Zutaten für den griechischen Apfelkuchen.

Wenn der Hefezopf in der Grauzone zwischen Kuchen und Brot wohnt, dann besiedelt der griechische Apfelkuchen, den ich mir von Tina von foodundco.de abgeschaut und geringfügig abgewandelt habe, die Grauzone zwischen Kuchen und Auflauf.

Der griechische Apfelkuchen ist eher rustikal, die Äpfel müssen nicht geschält werden.

Das ist ein Rezept, in dem die einzelnen Zutaten verschwinden. Der Kuchen schmeckt weder nach Olivenöl, noch nach Orangen oder Zimt, schon gar nicht weihnachtlich. Nussig und saftig beschreibt es für mich am besten. Ein wunderbarer Nachtisch, vielleicht zusammen mit einer Kugel Eis. Klassisch zur Kaffeestunde, oder als prima haltbarer Proviant aus der Lunchbox.

Meine Zutaten: 

200 ml Olivenöl extra vergine
Saft einer Orange
2 Eier
2 cl Raki, Ouzo oder Calvados
200 g Zucker
2 TL Backpulver
1,5 TL Zimt
200 g Vollkornweizenmehl
75 g grob gehackte Walnüsse
etwas Butter für die Form
2 EL Zucker, gemischt mit 1/2 TL Zimt
3 große Äpfel
1 EL Rosinen oder Korinthen

Zubereitung: 

Backofen auf 180° Ober/Unterhitze vorheizen. Eine Auflaufform oder Backform mit Backpapier auslegen, das Backpapier großzügig mit Butter einstreichen. Die Zimt-Zucker-Mischung auf das Papier streuen. 

Das Kerngehäuse der Äpfel ausstechen und die Äpfel in ca 1 cm breite Scheiben schneiden. Die Form mit den Äpfeln auslegen und die Äpfel etwas andrücken. Die Lücken zwischen den Äpfeln mit einem Teil der Walnüsse und den Rosinen ausfüllen.

Dann zunächst alle flüssigen Zutaten gut verrühren und anschließend die übrigen Zutaten flott einarbeiten und die Masse über die Äpfel in die Form gießen.

45-60 Min. backen. Die Backzeit ist abhängig von der Backform (hohe Form aus Keramik dauert länger als flache Form aus Metall. Den Kuchen nach dem Backen für einige Minuten in der Form stehen lassen, dann auf eine Platte stürzen und das Papier vorsichtig abziehen. Der Kuchen schmeckt besonders gut am nächsten Tag, dazu passt Sahne oder Vanilleeis.


Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in Griechenland - die besten Rezepte und Gerichte 

Die anderen Mitreisenden haben diese Rezepte gefunden: Britta von Brittas Kochbuch mit Ein Reisebericht Britta von Brittas Kochbuch mit χωριάτικη σαλάτα – Griechischer Bauernsalat Sonja von fluffig & hart mit griechisches Stifado mit Lamm Sonja von fluffig & hart mit Giouvetsi – griechische Lammkeule mit Kritharaki Britta von Brittas Kochbuch mit σουβλάκι - Souvlaki Sylvia von Brotwein mit Souvlaki - Griechische Fleischspieße vom Grill Sylvia von Brotwein mit Sesamkringel Rezept - knusprige Sesamringe Sylvia von Brotwein mit Gemüsespieße zum Grillen Ulrike von Küchenlatein mit Weiße Bohnensuppe – Lefkí fasoláda Ulrike von Küchenlatein mit Karottenkuchen mit Walnüssen – Kéik karótu Wilma von Pane-Bistecca mit Spanakopita - griechische Spinat Paeckchen Wilma von Pane-Bistecca mit Paidakia - griechische Lamm Kotletten Anja von GoOnTravel.de mit Kourabiedes (Butterplätzchen mit Mandeln) aus Griechenland Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Octopus-Stifado (Χταπóδι Στιφáδο) und Patates riganates Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Sesamkringel Simone von zimtkringel mit Paximadi - kretischer Zwieback Ulrike von Küchenlatein mit Auberginen-Stifado Wilma von Pane-Bistecca mit Ellinikos Lemoni Patatas - griechische Zitronen Kartoffeln Susanne von magentratzerl mit Gefüllte Paprika mit zitronigen Kritharaki und Zaziki Britta von Brittas Kochbuch mit παστίτσιο – Pastitsio Wilma von Pane-Bistecca mit Moderner griechischer Salat Ulrike von küchenlatein mit Gyros mit Metaxa-Sauce Susanne von magentratzerl mit Lammragout mit Zucchini, Artischocken und Zitronensauce Simone von zimtkringel mit Dakos Jens von Der Reiskoch mit Rindfleisch-Giouvetsi aus Griechenland Barbara von Barbaras Spielwiese mit Auberginenhappen mit Tomaten und Feta Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Hähnchen mit Trahanas Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Spanakopita - griechischer Spinatkuchen Britta von Backmaedchen 1967 mit Horiatiko Psomi griechisches Landbrot

Samstag, 15. Mai 2021

Cheesecake Tartelettes nach Zucker, Zimt und Liebe

Spontan beschloss ich heute, dass wir Kuchen brauchen und ließ mich von meiner Blogroll inspirieren. Jeanny von Zucker Zimt und Liebe hatte Erdbeer-Cheesecake-Tartes im Angebot. Ein prima einfaches Rezept. Ich habe es für mich ein bisschen abgewandelt und tatsächlich denke ich, dass ich es bald auch nochmal in einer salzigen Version ausprobieren werde, denn das wäre auch ein schönes Gebäck zum Apéro (ohne Zucker im Frischkäse und ohne Erdbeeren, sondern vielleicht mit kleinen Tomaten, Kräutern, Krabben oder Lachs).

Cheesecake-Tartelettes mit frischen Erdbeeren.

 
Zutaten (für 15 Stück):

1Päckchen Frischkäse, ca. 1 Stunde vorher aus dem Kühlschrank nehmen
1 Rolle Blätterteig
1 Ei
3 El Zucker
halbe Tonkabohne
2 El Mandelblättchen
eine Handvoll frische Erdbeeren
etwas Puderzucker

Zubereitung 

Den Blätterteig ausrollen, in 15 Quadrate schneiden, je einen ca 1 cm breiten Rand einritzen, auf ein Blech (mit Backpapier). Das Ei verquirlen und die Teigränder einpinseln. Das restliche Ei mit dem Zucker mischen, Tonkabohne dazu reiben, mit dem Frischkäse verrühren. Frischkäse auf dem Teig verteilen (innerhalb des Randes), mit Mandelblättchen bestreuen. Im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad 25 Min. backen. Während die Tartelettes backen, die Erbeeren waschen, kleinschneiden mit etwas Puderzucker bestäuben.

Nach dem Backen die Tartelettes etwas abkühlen lassen und dann mit den frischen Erdbeeren anrichten.

Süße Cheesecake-Tartelettes noch ohne Früchte.




Montag, 3. Mai 2021

Die kulinarische Weltreise – Australien: Impossible Pie!

Eine Gemeinsamkeit von Let's Dance und Kitchen Impossible ist, dass ich hier Profis bei der Arbeit zuschauen kann, die ihr Handwerk, bzw. Fußwerk, bis zur Perfektion beherrschen. Nicht nur das glitzy shiny Endprodukt, sondern auch das Leiden auf dem Weg dorthin findet Platz. Tanz und Kochkunst sind die Künste, bei denen jeder meint mitreden zu können, der weiß was eine Samba Roll ist oder schonmal ein Risotto gerührt hat und bei denen zugleich der Abstand zwischen selbst ambitionierteren Amateuren und echten Profis gewaltig ist. Es ist kein einträgliches Leben, Sternekoch zu sein, genausowenig wie man als Tanzweltmeister im Chachacha finanziell ausgesorgt hätte. Es gehört unbelehrbarer Irrsinn, Perfektionismus, Leidensbereitschaft dazu, so etwas beruflich zu machen. Das sind Dinge, mit denen ich mich - von Irrsinn abgesehen - wenig auskenne. 

Impossible Quiche mit Cheddar, Speck und Zwiebel.

Von den Dingen, die mir während der Corona-Pandemie auf Dauer am meisten fehlen (Singen, Tanzen, Schwimmen), bietet mir Let's Dance zumindest die Möglichkeit, einmal pro Woche meine Spiegelneuronen anzuheizen und im Kopf eine komplizierte Quickstep-Folge aufzuführen. Mit Kitchen Impossible ist das so ähnlich, nur dass ich die eine oder andere Sache in der Küche praktisch nachvollziehen kan und mich deshalb weniger Pandemie-leidend fühlen muss, andererseits kann ich die Exotik und das Aufspüren ländertypischer Küche kompensieren, indem ich an der Kulinarischen Weltreise teilnehme.

Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in Australien - die besten Rezepte und Gerichte

Die Kulinarische Weltreise ist im Mai in Australien stationiert. Mit Australien verbinde ich den Sehnsuchtsort anderer. Von S., der besten aller ex-Kolleginnen, die es dort hinzog, um dem Berliner Irrsinn zu entfliehen und die nach einem Jahr Sabbatical mit dem Wort "awesome" auf den Lippen zum Irrsinn zurückkehrte. Von M., die nach ihrem Psychologiestudium zu einem Forschungsaufenthalt dorthin aufbrach, voller Neugier und Enthusiasmus Ende der 90er, und die vor wenigen Wochen viel zu jung verstorben ist.

Impossible Pie mit Rhabarber und Mandelblättchen.

Auf der Suche nach meiner eigenen australischen Sehnsucht stieß ich auf Impossible Pie. Ein Rezept, das irgendwann in den 70ern auf die Rückseite amerikanischer Mehltüten gedruckt wurde, sich dann im englischsprachigen Raum verbreitete, tausendfach variiert wurde und in Australien bis heute sehr beliebt ist.

Sweet Impossible Pie.
 

Die klassische Impossible Pie besteht aus einem recht flüssigen Teig mit hohem Ei- und Fettanteil, wenig Mehl und Kokosraspeln. Die Pie wird langsam gebacken und es bilden sich dabei drei Schichten: das Mehl sinkt auf den Boden der Form und bildet einen dünnen Teigboden aus, darüber entsteht eine Cremeschicht, die an Pastel de Natas oder Custard Pie erinnert, oben verwandeln sich die Kokosraspeln in eine knusprige Kruste. 

Impossible Pie mit Ananas.
 

Die Australier mögen es fruchtig und mischen gerne ein Dosenobstprodukt namens "Crushed Pineapple" (hierzulande nicht erhältlich), Zitronensaft oder Passionsfruchtmark in den Teig. Das passt recht gut zu der Kokoskruste. Anderes Obst geht auch. Extreme Varianten packen noch eine Lage Blätter- oder Mürbeteig drunter und haben dann einen echten Kuchen. Dazu geht Schlagsahne oder Eiscreme. Mein Favorit ist die Variante mit Rhabarber und Mandelblättchen.

Impossible Quiche.

Daneben gibt es aber auch einen salzigen Evolutionsstrang im Stammbaum der Impossible Pie, genannt Savoury Impossible Pie oder auch Impossible Quiche. Statt Zucker kommen hier in der Basisversion Zwiebeln, Speckwürfel und Käse in den Teig, Varianten fügen Pilze, Spargel, Tomaten, Spinat dazu.

Ich habe in Vorbereitung auf diesen Blogpost diverse Spielarten ausprobiert. Genial ist, wie unfassbar einfach das Rezept ist und wie leicht es sich variieren lässt. Aber es ist nicht leicht zu sagen, was genau die perfekte Version ist. Deshalb hier einfach zwei Grundrezepte, die sich an diesem, diesem und diesem orientieren:

klassische Zutaten für Impossible Pie.

Sweet Impossible Pie

Zutaten

- 1/2 Tasse Mehl 405
- 3/4 Tasse Zucker
- 1/2 Tasse Kokosraspel oder -flocken
- 1 Tasse Vollmilch (falls kein Obst verwendet wird: 2 Tassen)
- 125g geschmolzene Butter
- 4 Eier
- Tl Rübensirup (kann man auch gut weglassen)
- Obst: z.B. 1 Tasse kleingeschnittene Dosenananas, oder Mark von 4 Passionsfrüchten oder 3 Stangen Rhabarber
- 1/2 Tasse gehobelte Mandeln zum Bestreuen (muss nicht sein)

Zubereitung 

Backofen auf 180 Grad Ober/Unterhitze vorheiten. Alle Zutaten mit dem Schneebesen (oder Handrühergerät) zügig verrühren und in eine gebutterte Auflaufform oder dicht geschlossene Backform geben (meine Springform war nicht dicht genug für den flüssigen Teig). Ggf. mit Mandeln bestreuen. 1 Stunde backen, etwas abkühlen lassen und warm oder abgekühlt servieren.

Vor dem Backen sieht die Pie eher unansehnlich aus.

Savoury Impossible Pie 

Zutaten

- 1/2 Tasse Mehl 405
- 2 Tassen Vollmilch
- 125g geschmolzene Butter
- 4 Eier
- 1 Tasse geriebener Käse
- 1/2 Tasse Schinken oder Speckwürfel
- 1 kleine Zwiebel
- statt Schinken und Zwiebel eigenen sich auch Pilze, Tomate, Spargel, Spinat, Kräuter, Mais, das Gemüse in jedem Fall in der Pfanne anbraten/dünsten...
- evtl. 1/2 Tasse gehobelte Mandeln zum Bestreuen

Zubereitung 

Backofen auf 180 Grad Ober/Unterhitze vorheiten. Speck und Zwiebel leicht andünsten, mit dem Mehl mischen und dann zusammen mit alle anderen Zutaten mit dem Schneebesen (oder Handrührgerät) zügig verrühren und in eine gebutterte Auflaufform oder dicht schließende Backform geben. Ggf. mit Mandeln bestreuen. 1 Stunde backen, etwas abkühlen lassen und warm oder abgekühlt servieren. (Wenn Pilze oder gröbere Gemüsestücke dabei sind, entweder vor dem Teig in die Form geben oder zuletzt untermischen).

Savoury Impossible Pie mit Pilzen und Petersilie.

Die anderen Reisenden haben in Australien diese Rezepte gefunden: 

Britta von Backmaedchen 1967 mit Kokoswürfel/Lamingtons Michael von SalzigSüssLecker mit Lamingtons Sonja von fluffig & hart mit Chicken parmigiana Sonja von fluffig & hart mit Fairy Bread mit Flat White Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Lamingtons poupou von poupous geheimes laboratorium mit Impossible Pie Gabi von Slowcooker.de mit Mini-Pavlovas mit Erdbeeren Tina von Küchenmomente mit ANZAC-Kekse aus Australien Simone von zimtkringel mit Australian Meat Pie Anna fuer Wilma von Pane-Bistecca mit Anna's ANZAC Biscuits! Britta von Brittas Kochbuch mit Banana Macadamia Cookies Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Wattleseed Cheesecake mit Lemon Myrtle-Macadamia-Boden Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Lemon Myrtle Dampers

Samstag, 10. April 2021

Die kulinarische Weltreise — Schweiz: Zuger Kirschtorte

Die Kaffeeeinladungen meiner Großmutter folgten einem festen Schema, mit dem sie sicherstellte, dass von allem genug da war. Dabei folgte sie der Formel: pro Person drei Stücke Kuchen und dann noch ein ganzer Kuchen extra. Das bedeutete zum Beispiel, dass für eine Kaffeegesellschaft von vier Personen, wie wir es meistens waren, 12 Stücke Kuchen = 1 ganzer Kuchen und dann noch ein weiterer Kuchen benötigt wurden. Das war in der Regel ein Obstkuchen, der aus einem mit Dosenobst und Bananen belegten Biskuitboden bestand und als weiteren Kuchen gab es Nusszopf. 

Zuger Kirschtorte

Wären wir zu fünft gewesen, hätte es nach der Kaffe-Kuchen-Formel drei Kuchen geben müssen: 15 Stücke Kuchen = 1 ganzer und ein angefangener Kuchen und dann noch ein zusätzlicher Kuchen = 3 Kuchen. Damit hätte man nach Rechnung meiner Großmutter sogar bis zu acht Personen angemessen bewirten können, die neunte Person hätte Kuchen Nr.4 nötig gemacht und so weiter.

Zutaten

Im Sommer, wenn sie Geburtstag hatte, wurde die Kaffeetafel um weitere Verwandte erweitert, so dass wir tatsächlich gelegentlich zu acht waren. Es wurden also drei Kuchen gebraucht Dabei trat dann eine weitere Regel in Kraft: ein Kuchen konnte durch eine großzügige Anzahl einzelner Gebäckstücke ersetzt werden. Dies waren regelmäßig Schillerlocken und mit Schokoladenfondant überzogene Gebäckkugeln mit Cremefüllung, deren aktuelle politisch korrekte Bezeichnung mir leider nicht bekannt ist - Schokokuss trifft es imho nicht. 

Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in der Schweiz - die besten Rezepte und Gerichte

Die Geburtstagsvariante des Obstkuchens war meist mit Himbeeren belegt und war von meiner Mutter hergestellt worden. Außerdem gab es eine Zucker-Kirschtorte. Diese Torte war ein Mysterium. Einerseits war sie so dick mit Puderzucker bestäubt, dass es mir sehr einleuchtend erschien, dass die Torte Zuckertorte hieß. Rätselhaft blieb aber, warum alle von Kirschtorte sprachen obwohl der bleiche Biskuit und die helle Creme so offensichtlich nie mit Kirschen in Berührung gekommen waren. Ich mochte die Torte nicht. Sie hatte einen komischen alkoholischen Beigeschmack, der mir nicht zusagte.

Japonaisboden mit Buttercreme bestreichen
 

Die Kaffeegeburtstage endeten, bevor sich mir der Geschmack ernsthaft erschließen konnte.

Biskuit mit Kirschwasser tränken und mit Buttercreme bestreichen.
 

Für diese Reise habe ich sie zum ersten Mal selbst gebacken. Sie schmeckt ein bisschen nach Großmuttergeburtstag, aber zugleich ist es eine wirklich feine, leichte Torte, die sich auch hervorragend als Dessert eignet. Sie besteht aus Biskuit, der sich wie ein Schwamm mit Kirschwasser vollsaugen darf, eingerahmt von Buttercreme und Japonais-Böden (Baisermasse mit Haselnüssen).


Mit dem zweiten Japonaisboden bedecken.

Im Kanton Zug ist die Kirschtorte ein Erzeugnis mit geschützter geographischer Herkunft. Sie verhindert heute zuverlässig die Umwandlung der Streuobstwiesen im Kanton Zug in Bauland. Um ihre Verbreitung bemüht sich die Zuger Kirschtorten-Gesellschaft, deren Website derartig retro (es dreht sich, es blinkt, es macht Geräusche), ist, dass es entweder schon wieder hip ist, oder es war einfach ein Missverständnis mit dem Programmierer ("wir hätten gerne eine altmodische Website, die zu unserer Torte passt").

Mit Buttercreme überziehen.
 
Für mein Rezept habe ich mich an Betty Bossi und Swissmilk orientiert.

Mit Puderzucker bestäuben.

Zutaten:

Biskuit:  

2 Eier
60g Zucker
1 Prise Salz
1 El heißes Wasser
50g Mehl
30g Speisestärke

Japonais:

2 Eiweiß
1 Prise Salz
2 El Zucker
2 El Puderzucker
1 El Speisestärke
60g gemahlene Haselnüsse

Buttercreme:

300g weiche Butter
180g Puderzucker
3 El Kirschwasser 

Zum Tränken:

100ml Kirschwasser
2 El Wasser
3 El Puderzucker

Garnitur:

Puderzucker, evtl. geröstete Mandelblättchen

Zubereitung

Zuerst den Biskuit vorbereiten: Eier mit Zucker, Salz und Wasser schaumig aufschlagen. Mehl und Stärke mischen und sorgfältig unterziehen. In eine gefettete und ggf. zusätzlich mit Backpapier ausgelegte Springform (24cm) füllen, glatt streichen und bei 180°C ca. 20 Minuten backen. Leicht auskühlen lassen, vorsichtig aus der Form lösen, auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen.

Anschließend die Japonais-Böden herstellen: Mithilfe der Springform 2 Kreise (je ca. 24 cm Ø) auf 2 Backpapiere zeichnen. Backpapiere wenden, auf je ein Backblech legen. Eiweiß mit dem Salz steif schlagen, nach und nach den Zucker beigeben bis der Eischnee glänzt. Nüsse sorgfältig unterheben. Mit Gummischaber oder Palette vorsichtig auf die vorbereiteten Backpapiere streichen und die aufgezeichneten Kreise ganz ausfüllen. Ca. 1 Std. bei 100 Grad Umluft backen, dann auf je ein Gitter stürzen, Papiere sofort entfernen, auskühlen lassen, Vorsicht: zerbrechlich! Falls sich das Papier nicht leicht ablösen lässt: auf eine feuchte Tischplatte legen, nach kurzer Zeit lässt sich das Papier abziehen. 

Buttercreme zubereiten: weiche Butter, Puderzucker und Kirschwasser mit dem Schneebesen zu einer glatten Masse rühren. 

Torte zusammenbauen: Die Japonaisböden wenn nötig mit der Schere zurechtschneiden, einen Japonaisboden auf eine Platte legen, mit einem Viertel der Buttercreme bestreichen. Biskuit drauflegen, Kirschwassertränke darüberträufeln. Biskuit mit einem Viertel der Buttercreme bestreichen. Zweiten Japonaisboden auflegen, leicht andrücken. Die Torte mit der restlichen Buttercreme umhüllen, evtl. den Rand mit gerösteten Mandelblättchen bestreuten. Die Torte 2 Stunden kühlstellen. Vor dem Servieren die Decke dick mit Puderzucker bestreuen und mit einem geraden Messer ein Rautenmuster einkerben (nach jeder Rille das Messer mit Küchenpapier abwischen).

Anschneiden und genießen!

Die anderen Mitreisenden haben diese Rezepte mitgebracht:

Cornelia von SilverTravellers mit Zürcher Geschnetzeltes – ohne Fix schnell auf den Tisch Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Tösstaler Sunntigsbroote mit prötlete Härdöpfel Britta von Brittas Kochbuch mit Schweizer Rösti Barbara von Barbaras Spielwiese mit Rüeblicake (Schweizer Karotten-Mandel-Kastenkuchen) Wilma von Pane-Bistecca mit Soledurner Wysuppe Britta von Brittas Kochbuch mit Aargauer Rüeblitorte Sonja von fluffig & hart mit Aargauer Rüeblitorte Dirk von low-n-slow mit Grillierte Forelle mit Mandelbutter Conny von food for the soul mit Pane Ticinese - das Tessiner Brot Wilma von Pane-Bistecca mit Salzige Zigerchrapfen Tina von Küchenmomente mit Roggenbrot Walliser Art Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Schweizer Butterweggli Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit St. Galler Käsekugeln auf Löwenzahn-Rucola-Salat Britta von Backmaedchen 1967 mit Schweizer Apfel-Wähe mit Joghurtguss Wilma von Pane-Bistecca mit Gemuese Suelzli poupou von poupous geheimes laboratorium mit Zuger Kirschtorte Susanne von magentratzerl mit Ghackets mit Baumnüssen und Kartoffelstock Tina von Küchenmomente mit Rhabarber-Quark-Wähe Britta von Brittas Kochbuch mit Älplermagronen Wilma von Pane-Bistecca mit Schweizer Ruchbrot Volker von Volkermampft mit Bürli - leckere Frühstücksbrötchen aus der Schweiz Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit la torta da üdrion - Tessiner Heidelbeertarte Wilma von Pane-Bistecca mit Chuegeli Pastetli Britta von Brittas Kochbuch mit Minestrone ticinese Britta von Brittas Kochbuch mit Zürcher Geschnetzeltes Simone von zimtkringel mit Zibelechueche und Zibelemärit Edyta von mein-dolcevita mit Badener Chräbeli Tom & Kathi von Mehr Genuss mit Trinser Birnenravioli Wilma von Pane-Bistecca mit St. Galler Handbuerli Wilma von Pane-Bistecca mit Birewegge - so typisch Schweizerisch Gabi von slowcooker.de mit Lauwarmer Quark-Rhabarberauflauf Sonja von fluffig & hart mit Churer Birnenpizokels Britta von Brittas Kochbuch mit Solothurner Brot Wilma von Pane-Bistecca mit Schpaeck und Bohne Michael von SalzigSüssLecker mit Schweizer Nusskipferli Susanne von magentratzerl mit Bündner Gerstensuppe Susi von Turbohausfrau mit Waadtländer Flammkuchen Sylvia von Brotwein mit Käsewähe - Rezept für Schweizer Käse Tarte Wilma von Pane-Bistecca mit Meitschibei Anja von GoOnTravel mit Basler Brunsli – Leckere Plätzchen aus der Schweiz Gabi von slowcooker.de mit Gruyere-Risotto mit Schmortomaten Frederike von Fliederbaum mit Engadiner Nusstorte (nach Evelin Wild)