Montag, 3. Mai 2021

Die kulinarische Weltreise – Australien: Impossible Pie!

Eine Gemeinsamkeit von Let's Dance und Kitchen Impossible ist, dass ich hier Profis bei der Arbeit zuschauen kann, die ihr Handwerk, bzw. Fußwerk, bis zur Perfektion beherrschen. Nicht nur das glitzy shiny Endprodukt, sondern auch das Leiden auf dem Weg dorthin findet Platz. Tanz und Kochkunst sind die Künste, bei denen jeder meint mitreden zu können, der weiß was eine Samba Roll ist oder schonmal ein Risotto gerührt hat und bei denen zugleich der Abstand zwischen selbst ambitionierteren Amateuren und echten Profis gewaltig ist. Es ist kein einträgliches Leben, Sternekoch zu sein, genausowenig wie man als Tanzweltmeister im Chachacha finanziell ausgesorgt hätte. Es gehört unbelehrbarer Irrsinn, Perfektionismus, Leidensbereitschaft dazu, so etwas beruflich zu machen. Das sind Dinge, mit denen ich mich - von Irrsinn abgesehen - wenig auskenne. 

Impossible Quiche mit Cheddar, Speck und Zwiebel.

Von den Dingen, die mir während der Corona-Pandemie auf Dauer am meisten fehlen (Singen, Tanzen, Schwimmen), bietet mir Let's Dance zumindest die Möglichkeit, einmal pro Woche meine Spiegelneuronen anzuheizen und im Kopf eine komplizierte Quickstep-Folge aufzuführen. Mit Kitchen Impossible ist das so ähnlich, nur dass ich die eine oder andere Sache in der Küche praktisch nachvollziehen kan und mich deshalb weniger Pandemie-leidend fühlen muss, andererseits kann ich die Exotik und das Aufspüren ländertypischer Küche kompensieren, indem ich an der Kulinarischen Weltreise teilnehme.

Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in Australien - die besten Rezepte und Gerichte

Die Kulinarische Weltreise ist im Mai in Australien stationiert. Mit Australien verbinde ich den Sehnsuchtsort anderer. Von S., der besten aller ex-Kolleginnen, die es dort hinzog, um dem Berliner Irrsinn zu entfliehen und die nach einem Jahr Sabbatical mit dem Wort "awesome" auf den Lippen zum Irrsinn zurückkehrte. Von M., die nach ihrem Psychologiestudium zu einem Forschungsaufenthalt dorthin aufbrach, voller Neugier und Enthusiasmus Ende der 90er, und die vor wenigen Wochen viel zu jung verstorben ist.

Impossible Pie mit Rhabarber und Mandelblättchen.

Auf der Suche nach meiner eigenen australischen Sehnsucht stieß ich auf Impossible Pie. Ein Rezept, das irgendwann in den 70ern auf die Rückseite amerikanischer Mehltüten gedruckt wurde, sich dann im englischsprachigen Raum verbreitete, tausendfach variiert wurde und in Australien bis heute sehr beliebt ist.

Sweet Impossible Pie.
 

Die klassische Impossible Pie besteht aus einem recht flüssigen Teig mit hohem Ei- und Fettanteil, wenig Mehl und Kokosraspeln. Die Pie wird langsam gebacken und es bilden sich dabei drei Schichten: das Mehl sinkt auf den Boden der Form und bildet einen dünnen Teigboden aus, darüber entsteht eine Cremeschicht, die an Pastel de Natas oder Custard Pie erinnert, oben verwandeln sich die Kokosraspeln in eine knusprige Kruste. 

Impossible Pie mit Ananas.
 

Die Australier mögen es fruchtig und mischen gerne ein Dosenobstprodukt namens "Crushed Pineapple" (hierzulande nicht erhältlich), Zitronensaft oder Passionsfruchtmark in den Teig. Das passt recht gut zu der Kokoskruste. Anderes Obst geht auch. Extreme Varianten packen noch eine Lage Blätter- oder Mürbeteig drunter und haben dann einen echten Kuchen. Dazu geht Schlagsahne oder Eiscreme. Mein Favorit ist die Variante mit Rhabarber und Mandelblättchen.

Impossible Quiche.

Daneben gibt es aber auch einen salzigen Evolutionsstrang im Stammbaum der Impossible Pie, genannt Savoury Impossible Pie oder auch Impossible Quiche. Statt Zucker kommen hier in der Basisversion Zwiebeln, Speckwürfel und Käse in den Teig, Varianten fügen Pilze, Spargel, Tomaten, Spinat dazu.

Ich habe in Vorbereitung auf diesen Blogpost diverse Spielarten ausprobiert. Genial ist, wie unfassbar einfach das Rezept ist und wie leicht es sich variieren lässt. Aber es ist nicht leicht zu sagen, was genau die perfekte Version ist. Deshalb hier einfach zwei Grundrezepte, die sich an diesem, diesem und diesem orientieren:

klassische Zutaten für Impossible Pie.

Sweet Impossible Pie

Zutaten

- 1/2 Tasse Mehl 405
- 3/4 Tasse Zucker
- 1/2 Tasse Kokosraspel oder -flocken
- 1 Tasse Vollmilch (falls kein Obst verwendet wird: 2 Tassen)
- 125g geschmolzene Butter
- 4 Eier
- Tl Rübensirup (kann man auch gut weglassen)
- Obst: z.B. 1 Tasse kleingeschnittene Dosenananas, oder Mark von 4 Passionsfrüchten oder 3 Stangen Rhabarber
- 1/2 Tasse gehobelte Mandeln zum Bestreuen (muss nicht sein)

Zubereitung 

Backofen auf 180 Grad Ober/Unterhitze vorheiten. Alle Zutaten mit dem Schneebesen (oder Handrühergerät) zügig verrühren und in eine gebutterte Auflaufform oder dicht geschlossene Backform geben (meine Springform war nicht dicht genug für den flüssigen Teig). Ggf. mit Mandeln bestreuen. 1 Stunde backen, etwas abkühlen lassen und warm oder abgekühlt servieren.

Vor dem Backen sieht die Pie eher unansehnlich aus.

Savoury Impossible Pie 

Zutaten

- 1/2 Tasse Mehl 405
- 2 Tassen Vollmilch
- 125g geschmolzene Butter
- 4 Eier
- 1 Tasse geriebener Käse
- 1/2 Tasse Schinken oder Speckwürfel
- 1 kleine Zwiebel
- statt Schinken und Zwiebel eigenen sich auch Pilze, Tomate, Spargel, Spinat, Kräuter, Mais, das Gemüse in jedem Fall in der Pfanne anbraten/dünsten...
- evtl. 1/2 Tasse gehobelte Mandeln zum Bestreuen

Zubereitung 

Backofen auf 180 Grad Ober/Unterhitze vorheiten. Speck und Zwiebel leicht andünsten, mit dem Mehl mischen und dann zusammen mit alle anderen Zutaten mit dem Schneebesen (oder Handrührgerät) zügig verrühren und in eine gebutterte Auflaufform oder dicht schließende Backform geben. Ggf. mit Mandeln bestreuen. 1 Stunde backen, etwas abkühlen lassen und warm oder abgekühlt servieren. (Wenn Pilze oder gröbere Gemüsestücke dabei sind, entweder vor dem Teig in die Form geben oder zuletzt untermischen).

Savoury Impossible Pie mit Pilzen und Petersilie.

Die anderen Reisenden haben in Australien diese Rezepte gefunden:

Britta von Backmaedchen 1967 mit Kokoswürfel/Lamingtons Michael von SalzigSüssLecker mit Lamingtons Sonja von fluffig & hart mit Chicken parmigiana Sonja von fluffig & hart mit Fairy Bread mit Flat White Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Lamingtons

Samstag, 10. April 2021

Die kulinarische Weltreise — Schweiz: Zuger Kirschtorte

Die Kaffeeeinladungen meiner Großmutter folgten einem festen Schema, mit dem sie sicherstellte, dass von allem genug da war. Dabei folgte sie der Formel: pro Person drei Stücke Kuchen und dann noch ein ganzer Kuchen extra. Das bedeutete zum Beispiel, dass für eine Kaffeegesellschaft von vier Personen, wie wir es meistens waren, 12 Stücke Kuchen = 1 ganzer Kuchen und dann noch ein weiterer Kuchen benötigt wurden. Das war in der Regel ein Obstkuchen, der aus einem mit Dosenobst und Bananen belegten Biskuitboden bestand und als weiteren Kuchen gab es Nusszopf. 

Zuger Kirschtorte

Wären wir zu fünft gewesen, hätte es nach der Kaffe-Kuchen-Formel drei Kuchen geben müssen: 15 Stücke Kuchen = 1 ganzer und ein angefangener Kuchen und dann noch ein zusätzlicher Kuchen = 3 Kuchen. Damit hätte man nach Rechnung meiner Großmutter sogar bis zu acht Personen angemessen bewirten können, die neunte Person hätte Kuchen Nr.4 nötig gemacht und so weiter.

Zutaten

Im Sommer, wenn sie Geburtstag hatte, wurde die Kaffeetafel um weitere Verwandte erweitert, so dass wir tatsächlich gelegentlich zu acht waren. Es wurden also drei Kuchen gebraucht Dabei trat dann eine weitere Regel in Kraft: ein Kuchen konnte durch eine großzügige Anzahl einzelner Gebäckstücke ersetzt werden. Dies waren regelmäßig Schillerlocken und mit Schokoladenfondant überzogene Gebäckkugeln mit Cremefüllung, deren aktuelle politisch korrekte Bezeichnung mir leider nicht bekannt ist - Schokokuss trifft es imho nicht. 

Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in der Schweiz - die besten Rezepte und Gerichte

Die Geburtstagsvariante des Obstkuchens war meist mit Himbeeren belegt und war von meiner Mutter hergestellt worden. Außerdem gab es eine Zucker-Kirschtorte. Diese Torte war ein Mysterium. Einerseits war sie so dick mit Puderzucker bestäubt, dass es mir sehr einleuchtend erschien, dass die Torte Zuckertorte hieß. Rätselhaft blieb aber, warum alle von Kirschtorte sprachen obwohl der bleiche Biskuit und die helle Creme so offensichtlich nie mit Kirschen in Berührung gekommen waren. Ich mochte die Torte nicht. Sie hatte einen komischen alkoholischen Beigeschmack, der mir nicht zusagte.

Japonaisboden mit Buttercreme bestreichen
 

Die Kaffeegeburtstage endeten, bevor sich mir der Geschmack ernsthaft erschließen konnte.

Biskuit mit Kirschwasser tränken und mit Buttercreme bestreichen.
 

Für diese Reise habe ich sie zum ersten Mal selbst gebacken. Sie schmeckt ein bisschen nach Großmuttergeburtstag, aber zugleich ist es eine wirklich feine, leichte Torte, die sich auch hervorragend als Dessert eignet. Sie besteht aus Biskuit, der sich wie ein Schwamm mit Kirschwasser vollsaugen darf, eingerahmt von Buttercreme und Japonais-Böden (Baisermasse mit Haselnüssen).


Mit dem zweiten Japonaisboden bedecken.

Im Kanton Zug ist die Kirschtorte ein Erzeugnis mit geschützter geographischer Herkunft. Sie verhindert heute zuverlässig die Umwandlung der Streuobstwiesen im Kanton Zug in Bauland. Um ihre Verbreitung bemüht sich die Zuger Kirschtorten-Gesellschaft, deren Website derartig retro (es dreht sich, es blinkt, es macht Geräusche), ist, dass es entweder schon wieder hip ist, oder es war einfach ein Missverständnis mit dem Programmierer ("wir hätten gerne eine altmodische Website, die zu unserer Torte passt").

Mit Buttercreme überziehen.
 
Für mein Rezept habe ich mich an Betty Bossi und Swissmilk orientiert.

Mit Puderzucker bestäuben.

Zutaten:

Biskuit:  

2 Eier
60g Zucker
1 Prise Salz
1 El heißes Wasser
50g Mehl
30g Speisestärke

Japonais:

2 Eiweiß
1 Prise Salz
2 El Zucker
2 El Puderzucker
1 El Speisestärke
60g gemahlene Haselnüsse

Buttercreme:

300g weiche Butter
180g Puderzucker
3 El Kirschwasser 

Zum Tränken:

100ml Kirschwasser
2 El Wasser
3 El Puderzucker

Garnitur:

Puderzucker, evtl. geröstete Mandelblättchen

Zubereitung

Zuerst den Biskuit vorbereiten: Eier mit Zucker, Salz und Wasser schaumig aufschlagen. Mehl und Stärke mischen und sorgfältig unterziehen. In eine gefettete und ggf. zusätzlich mit Backpapier ausgelegte Springform (24cm) füllen, glatt streichen und bei 180°C ca. 20 Minuten backen. Leicht auskühlen lassen, vorsichtig aus der Form lösen, auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen.

Anschließend die Japonais-Böden herstellen: Mithilfe der Springform 2 Kreise (je ca. 24 cm Ø) auf 2 Backpapiere zeichnen. Backpapiere wenden, auf je ein Backblech legen. Eiweiß mit dem Salz steif schlagen, nach und nach den Zucker beigeben bis der Eischnee glänzt. Nüsse sorgfältig unterheben. Mit Gummischaber oder Palette vorsichtig auf die vorbereiteten Backpapiere streichen und die aufgezeichneten Kreise ganz ausfüllen. Ca. 1 Std. bei 100 Grad Umluft backen, dann auf je ein Gitter stürzen, Papiere sofort entfernen, auskühlen lassen, Vorsicht: zerbrechlich! Falls sich das Papier nicht leicht ablösen lässt: auf eine feuchte Tischplatte legen, nach kurzer Zeit lässt sich das Papier abziehen. 

Buttercreme zubereiten: weiche Butter, Puderzucker und Kirschwasser mit dem Schneebesen zu einer glatten Masse rühren. 

Torte zusammenbauen: Die Japonaisböden wenn nötig mit der Schere zurechtschneiden, einen Japonaisboden auf eine Platte legen, mit einem Viertel der Buttercreme bestreichen. Biskuit drauflegen, Kirschwassertränke darüberträufeln. Biskuit mit einem Viertel der Buttercreme bestreichen. Zweiten Japonaisboden auflegen, leicht andrücken. Die Torte mit der restlichen Buttercreme umhüllen, evtl. den Rand mit gerösteten Mandelblättchen bestreuten. Die Torte 2 Stunden kühlstellen. Vor dem Servieren die Decke dick mit Puderzucker bestreuen und mit einem geraden Messer ein Rautenmuster einkerben (nach jeder Rille das Messer mit Küchenpapier abwischen).

Anschneiden und genießen!

Die anderen Mitreisenden haben diese Rezepte mitgebracht:

Cornelia von SilverTravellers mit Zürcher Geschnetzeltes – ohne Fix schnell auf den Tisch Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Tösstaler Sunntigsbroote mit prötlete Härdöpfel Britta von Brittas Kochbuch mit Schweizer Rösti Barbara von Barbaras Spielwiese mit Rüeblicake (Schweizer Karotten-Mandel-Kastenkuchen) Wilma von Pane-Bistecca mit Soledurner Wysuppe Britta von Brittas Kochbuch mit Aargauer Rüeblitorte Sonja von fluffig & hart mit Aargauer Rüeblitorte Dirk von low-n-slow mit Grillierte Forelle mit Mandelbutter Conny von food for the soul mit Pane Ticinese - das Tessiner Brot Wilma von Pane-Bistecca mit Salzige Zigerchrapfen Tina von Küchenmomente mit Roggenbrot Walliser Art Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Schweizer Butterweggli Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit St. Galler Käsekugeln auf Löwenzahn-Rucola-Salat Britta von Backmaedchen 1967 mit Schweizer Apfel-Wähe mit Joghurtguss Wilma von Pane-Bistecca mit Gemuese Suelzli

Dienstag, 6. April 2021

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Ostermontag, 5. April 2021

Es ist wieder Tagebuchblogtag bei Frau Brüllen. Der Liebste weckt mich gegen halb sieben. Ich bin relativ wach. Ich mache mich mit kurzem Umweg durch das Bad auf den Weg in die Küche. Der Liebste hat die Fortsetzung des Osterfrühstücks aufgebaut. Die Zopfhasen sind immernoch saftig und sehr fein, dazu gibt es Hagebuttenmarmelade, Nudossi, Käse, Schinken, Salami und Ostereier.

Kurz nach sieben bricht der Liebste auf zur letzten Feiertagsschicht. Ich bleibe noch in der Küche, trinke weiter Kaffee, höre Radio und lese den Wirtschaftsteil der Sonntagszeitung, anschließend in diversen Blogs, der Liebste hat über Forellen in der Schweiz geschrieben, mit einem etwas verstörenden Filmbeitrag aus dem SRF-Archiv von 1964. Wir telefonieren kurz dazu. 

Ich wässere die Orchideen und ziehe dann noch einmal für ein Stündchen zurück ins Bett, lese dort weiter. Mir ist nach einem faulen Tag. Schließlich stehe ich doch wieder auf und bereite das Wohnzimmer yogatauglich vor. Breath day 2 endet mit der Freiheitsglocke. Ich setzte nochmal Kaffee auf und lege mich dann gemütlich in die Badewanne, lasse mich dabei von dem Synapsen-Podcast zu den Kinderseelen in der Pandemie unterhalten. Wie schön, einmal einen Pädagogen zu hören, der kompetent von Studiendesigns, Signifikanz und dem Aufwand wissenschaftlicher Forschung spricht. 

Danach ziehe ich mich an und mache es mir mit dem restlichen Kaffee im Sessel gemütlich. Ich notiere kurz das Zopfhasenrezept samt Abwandlung zum Wiederfinden und widme mich dann dem Strickzeug und Netflix. Gegen viertel vor sechs kehrt der Liebste zurück und sesselt mit, bis um sechs unser Besuch klingelt.

Mit Winterjacke und warmen Handschuhen spazieren wir zum Cherusker-Park - ich kann alle überzeugen, dass wir den Balancier-Parkours ausprobieren - dann weiter durch die Crellestraße zum Alten Matthäi-Kirchhof. Wir wundern und bewundern die Gräber. Eine Kofferinstallation von Gerald Matzner ist frisch aufgestellt. Im kalten Wind noch eben durch die Kolonnaden am Kleistpark und durch Akazien- und Belzigerstraße zurück.

Wir sind froh, uns dann bei heißem Tee aufzuwärmen, während der Reis kocht und das persische Lamm aufwärmt. Zu viert sitzen wir auf Abstand am ausgezogenen Tisch und genießen den Besuch - tatsächlich waren E. und D. auch die letzten Besucher gewesen, seit ihrem Besuch im November waren nur wir selbst und Frau Z. in der Wohnung gewesen. Als Nachtisch teilen wir uns den Rest der Zuger Kirschtorte. Kurz nach zehn brechen die beiden auf, wir sind, auch durch den Kaffee zum Nachtisch und die ganze Anregung, die echter Besuch nach so langer Zeit bedeutet, überraschend wach und sehen noch ein bisschen fern, bis wir dann kurz vor Mitternacht ins Bett sinken.

Auf zeit.de jetzt 2,9 Mio Infizierte insgesamt, davon 108.000 in den letzten sieben Tagen, 10,54 Mio Geimpfte.

Die anderen Tagebuchblogger sind hier verlinkt.

Montag, 5. April 2021

Zum Wiederfinden: Zopfhasen

Osterhasen aus Zopfteig nach einem Rezept von Swissmilk leicht abgewandelt:

500g Weizenmehl 550
0,5 Tl Salz
2 El Zucker
7g Hefe
1 Tl Sauerteigstarter (Roggenvollkorn)
300ml Milch, lauwarm
50g Butter, flüssig, abgekühlt
1 Eigelb, verquirlt, zum Bepinseln, Rosinen für die Augen

Alle Zutaten gründlich zu einem geschmeidigen Teig verkneten. 90 Min bei Raumtemperatur gehen lassen, jeweils nach 30 Minuten dehnen und falten. Schüssel verschließen und Teig über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Morgen den Teig in sechs gleiche Teile teilen, aus jedem Teil einen Hasen formen, auf ein Blech setzen und mit verquirltem Eigelb einpinseln, Rosinenaugen einsetzen. 

Die Hasen auf dem Blech 60 Min gehen lassen, währenddessen den Backofen auf 220 Grad vorheizen, Hasen 12-15 Minuten backen, auf einem Gitter auskühlen lassen.

Weitere Zopfrezepte.

Sonntag, 21. März 2021

Zum Wiederfinden: Hasselback-Sellerie mit Tahini Chicken

 

Hasselback-Sellerie mit Tahini-Chicken

Das war mal ein leckeres Essen, inspiriert durch zwei Blogger.

Hasselback-Sellerie nach https://chili-und-ciabatta.de/2021/03/hasselback-sellerie-mit-misoglasur-und-zwiebel-radieschen-salat/ und Tahini-Chicken nach https://www.theguardian.com/food/2020/nov/14/tahini-chicken-and-sausage-with-fritters-easy-midweek-dinner-recipes-brussel-sprout-galette-cavolo-nero-polenta-soup - darauf war ich bei der Vorspeisenplatte aufmerksam geworden.

Mit etwas Planung lassen sich Sellerie, Frühlingszwiebeln und Huhn parallel im Backofen zubereiten. Außerdem ergaben die Küchenabfälle noch eine gute Brühe.

Sellerie:

1 große Sellerieknolle schälen, in zwei Hälften teilen, mithilfe von zwei Holzlöffeln einschneiden (mit einem großen Messer, Abstand ca 1 cm). Mit 2 El Olivenöl bepinseln, salzen, bei 200 Grad im Backofen 2,5 h garen (Blech mit Backpapier), immer wieder bepinseln, am Schluss mit Miso glasieren (2 El Misopaste, etwas Zitronensaft, etwas Paprikapulver).

Tahini-Chicken:

2 Knoblauchzehen, 1 Tl. Kreuzkümmel gemörsert und geröstet, 60g Tahini, 1 El Olivenöl, Saft einer halben Zitrone zu einer Marinade verrühren. 2 Hühnerbeine ausbeinen, Fleisch in zwei Teile schneiden, salzen pfeffern, mit der Marinade mischen, 2 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Anschließend bei 200 Grad für 30 Min im Ofen garen (Auflaufform mit Backpapier), dann 10 Min abkühlen lassen.

Frühlingszwiebeln

Frühlingszwiebeln in 3 cm Stücke schneiden, zusammen mit 4 Knoblauchzehen und Olivenöl 20 Min bei 200 Grad im Ofen garen (Blech mit Backpapier)

Tahini-Sauce

Saft einer Zitrone mit 30g Tahini und etwas Wasser verrühren.

Zum Anrichten Hühnerfleisch in Stücke schneiden, abwechselnd mit Frühlingszwiebeln und glatter Petersilie schichten, Tahini-Sauce darüber geben.

































Zum Wiederfinden: Roggenbrot mit Körnern und Haferflocken

 

Roggenvollkornbrot mit Roggenkörnern und Haferflocken

 

Ein neuer Versuch danophiles Roggenbrot zu backen.

1 Tasse Roggensauerteigstarter

1 kg Roggenvollkornmehl (abz. 0,5 Tasse für Auffrischen der Sauerteigkultur), Hälfte gleich, andere Hälfte nach 10 Stunden

4 Tassen Wasser

1 Tl Backmalz

3 Tl Salz

2 Tl Rapsöl

0,5 Tasse große Haferflocken

0,5 Tasse Roggenkörner, am Vortag mit kochendem Wasser überbrüht

Backen nach 20 Stunden bei 190 Grad für 2 Stunden im gusseisernen Topf mit Deckel (Topf nicht vorgeheizt, letzte 2 Stunden Gehzeit im Topf).

Sonntag, 7. März 2021

Kulinarische Weltreise: Russland – Mimosa Salat!

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Mimosenblüten

Schichtsalat war ein Geheimtipp, den sich die Kolleginnen der Stasiunterlagenbehörde in den frühen 2000ern weiterreichten. Schinkenwürfel, Dosenmais und weitere Zutaten wurden abwechselnd mit Mayonnaise in eine Tupperbox geschichtet und verwandelten sich dann über Nacht im Kühlschrank in einen Salat, der im Garten zu Gegrilltem gereicht wurde. Mir war der Schichtsalat suspekt, denn ich mochte Mayonnaise nicht wirklich gern, das Mundgefühl zu schmierig, der Geschmack ging oft leicht ins Bittere und danach lag es mir schwer im Magen. Ich nahm das Rezept deshalb freundlich entgegen, probierte es aber nie aus und inzwischen finde ich es auch gar nicht mehr.

Blogger Aktion "Die kulinarische Weltreise" von @volkermampft hält in Russland - die besten Rezepte und Gerichte

Einer der Gründe, weshalb ich Spargel als Kind nicht mochte, war der Geschmack der Mayonnaise, die es regelmäßig dazu gab. Positive Mayonnaise-Erinnerungen verbinde ich dagegen mit einem Gericht namens "Russische Eier", das aus verschiedenen Salaten bestand, die mit halben gekochten Eiern dekoriert und mit einer sanften und süßlichen Mayo überzogen waren. Sonst ging ich Mayonnaise lieber weiter aus dem Weg. Das war auch problemlos möglich, denn ich hatte sonst wenig Kontakt zu russischer Küche, die, wie ich mir sagen ließ, ohne Mayo nicht denkbar ist, sogar Hefeteig wird dort mit Mayo zubereitet. Mayonnaise ist das russische Olivenöl oder so.

Der Mimosa Salat ist ein russischer Schichtsalat
 
Im mayonnaiseunverdächtigen Italien ist es dagegen Brauch, den Frauen am 8. März, zur festa della donna, ein Sträußchen Mimosen zu überreichen. Mimosenbäume (ursprünglich australische Silber-Akazien) blühen in mildem Klima im Februar und verkünden mit leuchtend gelben Blütendolden das Ende des Winters. Das lässt sich um diese Jahreszeit im südlichen England beobachten, an der russischen Schwarzmeerküste oder auch beispielsweise in Cannes an der Cote d'azur. In Jahren mit spätem Fastnachtstermin kollidiert die italienische Mimosenmanie leider mit der Basler Fasnacht, bei der traditionell Mimosensträuße von den Wagen in die Menge geworfen werden. 
 
Waggis 2013 2
Waggis bei der Basler Fastnacht mit Mimösli
 
Sollte es deshalb in Italien zu einem Engpass echter Mimosen kommen, steht die "Torta Mimosa" bereit: fluffige Bisquitböden werden mit sahniger Creme und Früchten gefüllt, mit Sahne überzogen und mit dem zerbröseltem Inneren des mittleren Bisquitbodens bestreut. Optisch entsteht der Eindruck von Mimosenblüten.


Auch in Russland ist in der Mimosenkrise für Ersatz gesorgt, noch dazu einer, der mit Mayo funktioniert: In einer Glasschüssel werden Fisch, gekochtes Gemüse, Käse und Eier abwechselnd mit Mayonnaise eingeschichtet und zuletzt mit geriebenem gekochtem Eigelb bestreut. 

 

Die Kartoffeln direkt in den Salat reiben.

Jede Schicht dünn mit Mayo bedecken.

Vorletzte Schicht: geriebenes Eiweiß.

Zusammen mit etwas Dill entsteht der Eindruck von Mimosen. Für mein Rezept habe ich mich an Olga orientiert.

Mimosensalat täuscht mit Eigelb und Dill Mimosenblüten vor.

Meine Zutaten:

2 Matjesheringe (alternativ benutzen viele Rezepte auch Lachs oder Thunfisch aus der Dose)
1 halbe Zwiebel
1 El Weißweinessig
2 Karotten
1 Kartoffel
80g Kashkaval
(oder einen anderen milden Käse)
5 Eier
200g Mayonnaise
etwas Dill

Zubereitung

Die Eier hart kochen und abkühlen lassen, Karotten und Kartoffeln ungeschält ebenfalls knapp garen und abkühlen lassen.

Den Fisch sehr klein würfeln und in eine Glasschüssel geben, mit einer Gabel festdrücken. Die Zwiebel hacken und über den Fisch geben, dann den Essig darüber verteilen. Die Kartoffel schälen und mit einer Reibe direkt über den Fisch reiben. Etwas festdrücken und dünn mit Mayo bestreichen. Dann die Karotten schälen und mit derselben Reibe in die Schüssel reiben, wieder leicht andrücken und mit Mayo bedecken. Genauso mit dem Käse verfahren, anschließend das Weiße der hartgekochten Eier ebenfalls in die Schüssel reiben, mit etwas mehr Mayo bedecken, zuletzt das hartgekochte Eigelb über den Salat reiben. Den Salat abdecken und kühl stellen (hält 3-4 Tage).

Vor dem Servieren mit etwas Dill garnieren.

Beim Servieren lösen sich die Schichten zwar etwas auf, bleiben aber noch gut sichtbar, je besser der Salat nach jeder Schicht festgedrückt wird, desto schöner lässt er sich anschließend "anschneiden".

Die übrigen Mitreisenden haben diese Rezepte aus Russland mitgebracht:

Conny von food for the soul mit Soljanka mit Fleisch nach Russischem Rezept Cornelia von SilverTravellers mit Soljanka - mehr als eine Restesuppe Marion von LSLB-Magazin mit Kalte Suppe - Russische Okroschka mit Kaviar Sylvia von Brotwein mit Boeuf Stroganoff - Rezept für russischen Klassiker Edyta von mein-dolcevita mit Russischer Schichtsalat Schuba ohne Hering Kathrina von Küchentraum & Purzelbaum mit Oreschki mit Dulce de leche Susanne von magentratzerl mit Schschti Tina von Küchenmomente mit Watruschki - Russisches Quarkgebäck Wilma von Pane-Bistecca mit Russisches Pilz Kaviar Cornelia von SilverTravellers mit Schaschlik im Ofen mit köstlicher Soße Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Syrniki - russische Quarkküchlein aus selbst gemachtem Tworog Anja von GoOnTravel.de mit Pelmeni Rezept – Russische Teigtaschen zum Nachkochen poupou von poupous geheimes laboratorium mit Mimosa Salat Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Hack-Schnitzel mit Pilz-Käse-Füllung Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Russischer Salat Vinaigrette Wilma von Pane-Bistecca mit Russisches Auberginen und Tomaten Kaviar Gabi von Slowcooker.de mit Pilz- und Hack-Pierogi Sebastian von Brittas Kochbuch mit борщ/Borschtsch (Gastbeitrag v. Sebastian Reichelt) Britta von Brittas Kochbuch mit бефстроганов/Bœuf Stroganoff Susanne von magentratzerl mit Buchweizenrisotto mit Pilzen Petra aka Cascabel von Chili und Ciabatta mit Kalach Moskovsky - Moskauer Kalatsch Wilma von Pane-Bistecca mit Russische Pelmeni Tina von Küchenmomente mit Russische Kirschtorte Monastirskaya Izba Susanne von magentratzerl mit Borodinski-Brot Volker von volkermampft mit Russische Piroschki mit Weißkohl und Hackfleisch oder vegetarischer Füllung Dirk von low-n-slow mit Barsch-Soljanka Simone von zimtkringel mit Kwas Sonja von fluffig & hart mit Salat Olivier Michael von SalzigSüssLecker mit Oladji Susanne von magentratzerl mit Kartoffelküchlein mit Sauerkraut und Dill-Sauerrahm Sonja von fluffig & hart mit Kulitsch Susi von Turbohausfrau mit Salat Olivier