Mittwoch, 10. Februar 2021

Kulinarische Weltreise: An kalten Tagen – Comfort Food International: Hannchen-Jensen-Torte (Trümmertorte) mit Eierlikörsahne aus Nordfriesland!

Hannchen-Jensen-Torte (Trümmertorte) mit Eierlikörsahne


Kristine Marie Jensen war die einflussreichste dänische Kochbuchautorin des 19. Jahrhunderts, deren Rezepte auch heute noch sprichwörtlich für die traditionelle und authentische dänische Küche stehen. Vielleicht war sie die Großtante oder Urgroßtante von Hannchen Jensen.

Zutaten für Hannchen-Jensen-Torte

Aus Sicht meiner Schwiegermutter, die in Dithmarschen lebt, beginnt nördlich des Eidersperrwerks das Ausland: Nordfriesland. Nordfriesland ist die Heimat der Hannchen-Jensen-Torte, in Dithmarschen gerne auch etwas unprätentiöser als Trümmertorte bezeichnet.


Hannchen Jensen war eine Pensionswirtin in dem kleinen Ort Lindholm in der Nähe von Niebüll an der Nordsee, nahe der dänischen Grenze. Sie bewirtete ihre Feriengäste, die in den 1970er Jahren aus ganz Deutschland anreisten, nicht nur mit Frühstück sondern auch mit klassischem Friesentee, dazu gab es eine luftig-sahnige selbst gebackene Torte. Die Feriengäste nahmen das Rezept mit und trugen es in ihre heimischen Kaffeekränzchen.

Eine Zeitzeugin:


Die klassische Hannchen-Jensen-Torte wird mit Mandarin-Orangen aus der Dose (Mandarin-Orangen führen ohnehin kein Leben außerhalb von Dosen, aber das ist ein anderes Thema) und Sahne gefüllt. Eine andere klassische Füllung besteht aus Stachelbeerkompott und Sahne, inzwischen gibt es aber alle erdenklichen Füllungen mit frischen Beeren, gedünsteten Birnen, Apfelmus oder Sahne mit Kakao. (Mehr zur Geschichte der Hannchen-Jensen-Torte im Blog Spoonfuls of Germany).

Meine Schwiegermutter betrachtet, neben Milchreis mit Kirschen, die Trümmertorte mit Eierlikörsahne als ihren ultimativen Comfort Food, weshalb ich dieses Variante hier vorstellen möchte.

Die Trümmertorte besteht aus zwei Böden die aus einem einfachen Rührteig und einer darauf gestrichenen Baisermasse mit gehobelten Mandeln bestehen. Rührteig und Baisermasse werden gemeinsam in einer Springform gebacken. Im Umluftherd lassen sich beide Böden parallel backen. Abgesehen davon, dass man zwei Springformen braucht, macht die Herstellung der Torte deshalb ausgesprochen wenig Arbeit und lässt sich auch sehr spontan an einem Samstagnachmittag zwischen einem Einkaufstrip in Heide und einem Spaziergang im Katinger Watt in den Ofen schieben.

Ein einfacher Rührteig.

Baisermasse.

Zuerst den Rührteig in zwei Springformen streichen.

Baisermasse auf den Rührteig streichen.

Die Baisermasse mit Mandelblättchen bestreuen.

Im Ofen gehen beide Massen schön auf  - die Baisermasse wird leicht hügelig, die Mandeln schön gebräunt. Wenn beide Böden gut ausgekühlt sind, wird die Torte zusammengesetzt: die Eierlikörsahne wird auf dem einen Boden verteilt, der andere anschließend oben drauf gesetzt. 

Der untere der beiden Böden.

Mit Eierlikörsahne bestreichen.

Die Torte darf ein klein wenig durchziehen, eine halbe Stunde reicht vollkommen aus, dann kann sie angeschnitten werden. Die Torte kann notfalls einen Tag aufbewahrt werden, falls unerwartet doch etwas übrig bleibt (kommt selten vor), allerdings sollte sie nicht zu kühl stehen, da das dem Baiser nicht bekommt (dem Rührteig genau genommen auch nicht). Bei meinem Rezept orientiere ich mich neben dem oben verlinkten Hannchen-Jensen-Originalrezept an dem Rezept von herzelieb.de.

Die fertige Trümmertorte oder Hannchen-Jensen-Torte.



Meine Zutaten:

Rührteig:

  • 125 g weiche Butter
  • 90 g Zucker
  • abgeriebene Schale einer halben Bio-Zitrone
  • 1 Prise Salz
  • etwas Vanillezucker
  • 4 Eigelb
  • 50 ml  Milch
  • 180 g Mehl Typ 550
  • 1/2 Päckchen Backpulver
Baisermasse:

  • 4 Eiweiß
  • 180g Zucker (am besten Puderzucker)
  • 100 g Mandelblättchen
Füllung:

  • 0,5l Sahne
  • 1 Päckchen Instantgelatine oder Sahnesteif
  • 0,2l Eierlikör
Zubereitung:

Backofen auf 160° Umluft vorheizen. Zwei möglichst gleich große Springformen einfetten.

Die Eier trennen. Das Eiweiß sehr steif schlagen, dann nach und nach den Zucker unterrühren, bis die Masse schön glänzt und keine Zuckerkristalle mehr sichtbar sind. Beiseitestellen.

Die Butter mit Zucker, Vanillezucker, Zitronenabrieb und Salz schaumig schlagen, nach und nach Eigelb und Milch unterrühren, anschließend Mehl und Backpulver untermischen. Den Teig je zur Hälfte in die Springformen füllen und glattstreichen. 

Die Baisermasse ebenfalls je zur Hälfte in beide Springformen auf den Rührteig geben und glattstreichen. Die Mandelblättchen auf dem Baiser verteilen.

30 Min. backen und dann auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Einen der beiden Böden auf eine Tortenplatte legen. Die Sahne sehr steif schlagen und dabei die Instantgelatine oder das Sahnesteif nach Anleitung auf der Packung mit einarbeiten. Den Eierlikör unter die Sahne heben. Die Eierlikörsahne auf den Tortenboden geben und dann den zweiten Tortenboden auf die Eierlikörsahne legen. 30 Min. durchziehen lassen und servieren.

Die anderen Reiseberichte der Kulinarischen Weltreise auf Expedition in kalte Gefilde auf der Suche nach Comfort Food:

Kommentare:

Kuechentraum und Purzelbaum hat gesagt…

Mhhh, Baiser und Eierlikörsahne. Das klingt nach einer Traumkombination.

Edyta hat gesagt…

Mhhhh...wie lecker die Torte aussieht! Es ist für mich das beste Comfort Food!
Liebe Grüße
Edyta

poupou hat gesagt…

Stimmt, der beste Comfort Food funktioniert schon beim Lesen oder wenn man nur ein Foto anschaut...

LG,
poupou

Petra aka Cascabel hat gesagt…

Mmmmh, die Trümmertorte liebe ich seit meiner Kindheit! Eierlikörsahne ist eine tolle Idee :-) Bei meiner Mutter hieß sie Kratertorte. Hier in der Gegend wird sie mit Heidelbeeren gemacht und heißt dann Bayerwladtorte - so hat sie sich meine Tochter als Hochzeitstorte gewünscht.

poupou hat gesagt…

Kratertorte ist auch ein sehr treffender Name! Mit Heidelbeeren kann ich mir auch gut vorstellen. Wir hatten auch eine Trümmertorte nach unserer standesamtlichen Trauung - ich erinnere mich allerdings nicht mehr, was für Früchte da drin waren, vermutlich Erdbeeren oder Rhabarber?

LG
poupou

Tina von Küchenmomente hat gesagt…

Oh ja, die gabs bei meiner Oma früher ab und zu mal (die kam aus Ostfriesland). Ich hatte diese Torte komplett "vergessen". Danke für die kleine Zeitreise! Deine Torte sieht übrigens oberlecker aus und wandert definitiv auf die Nachbackliste.

Liebe Grüße
Tina