Freitag, 27. März 2020

donnerstag 26. märz 2020

mit dem liebsten um kurz nach fünf aufgestanden. gefrühstückt, zeitung und internet gelesen, eine vertrauenswürdige buchhandlung in ludwigsburg recherchiert, die vor ort ausliefert und dort zwei bücher als geschenke bestellt und bei unserem antiquariat einen auftrag für ein krimi-paket für meine schwiegermutter aufgegeben.

anschließend wohnung sortiert, yoga-programm absolviert und dann unter die dusche. danach war es dann überraschenderweise schon halb zehn. da ich mich um halb elf mit der frau vom sanitätshaus in der physiopraxis am walther-schreiber-platz verabredet hatte, machte ich mich sofort zu fuß auf den weg nach steglitz.

ein herrlicher tag, kalt, aber nicht mehr eisig, strahlender sonnenschein, immer mehr blühende bäume und sträucher an der straße. es ist nichts los, kaum fußgänger, wenig autos. auch vor den geöffneten lebensmittelläden ist es ruhig. in einigen der kleinen geschlossenen läden wir renoviert und umgeräumt. vermutlich nutzen die inhaber die zeit so produktiv es geht.

nach gut 40 minuten fußweg bin ich da. ich schrubbe brav nach dem ankommen die hände und warte auf die sanitätsfrau. die neuen bandagen sitzen super, so dass ich schon bald wieder entlassen bin. fußweg zurück.

zuhause angekommen, es ist noch nichtmal zwölf, befällt mich großer hunger. ich bin längere fußwege offensichtlich nicht mehr gewöhnt oder es ist das frühe aufstehen und frühe frühstück. spontanes mittagessen aus gut durchgetrockneten wildschweinknackern und einer scheibe brot mit quark und banane. danach sehe ich aus neugier die ersten zehn minuten von "unorthodox" auf netflix und lege dabei wäsche zusammen. ich bin begeistert, einige der schauspieler aus "shtisl" wiederzuerkennen. das wird gut, ich freue mich auf die serie.

ein paket kommt an: ein happy-po. hm. brauchen wir das? neugierig bin ich schon.

ich richte noch etwas nüsse und apfelschnitze und gehe an den schreibtisch. um eins dann video-mittagspause mit h. das ist sehr schön und wir verquatschen uns etwas. danach dringender schreibtischbedarf! um vier die nächste videokonferenz mit m. das geht sehr fix und wäre vermutlich auch gut am telefon gegangen, aber ich will ja mit zoom üben. mehr schreibtisch.

irgendwann nach 5 kommt der liebste zurück, ich kann aber gerade nicht unterbrechen. als ich fertig bin, richte ich das abendessen: rinderbrühe von gestern mit champignons, brokkoli und gelberüben zu einer suppe veredelt, dazu frisch frittierte krabbenchips, die ich beim aufräumen im schrank fand und salat aus mixed greens mit gurke und radieschen. anschließend die übliche orange für zwei.

zurück an den schreibtisch. ich schaue matt walker: sleep is your superpower an und sketchnote dabei. danach noch eine tasse tee und wir schauen nochmal ein stück kitchen impossible an. einschlafen irgendwann gegen 22 uhr. letzter stand auf zeit online: 44.000.

Donnerstag, 26. März 2020

mittwoch 25. märz 2020

zusammen mit dem liebsten stehe ich auf, wir frühstücken roggenbrot, schinken käse, kaffee. viertel nach sechs bricht der liebste auf zur arbeit. ich trinke noch eine tasse kaffee, und setze im crocky eine rinderbrühe mit gemüse an.

dann lese ich eine erste runde internet und lade meine eltern für den nachmittag zu einer videokonferenz ein. das yoga-programm ist heute sehr ruhig und ich komme problemlos mit. um neun bin ich zurück am schreibtisch. zwischendurch telefonat zur gestaltung der wikipedia-wellness-flyer.

mittags mache ich mir salat: die mixed greens aus der marktschwärmerei, dazu gurke, radieschen, kürbiskerne, feta und ein bisschen sardelle, danach ein paar getrockente aprikosen und datteln.
inzwischen sind erdbeeren und sanddornmark aufgetaut und mit dem zucker durchgezogen, ich verwandele sie in 5 gläser marmelade. die riecht sehr sehr gut und ich muss mich sehr beherrschen nicht zu probieren. aber in zwei wochen ist karfreitag, so lange werde ich ja wohl noch durchhalten.

ich lege mich für eine dreiviertel stunde aufs bett und schaue den teil von kitchen impossible, den ich gestern verschlafen habe. danach zurück an den schreibtisch.

kurz vor vier rufe ich meine eltern an. schnell können wir uns gegenseitig in der zoom-app sehen, nach einigem hin- und her und neustarten auch hören. dann telefonieren wir gemütlich. es ist doch mal was anderes, sich dabei auch zu sehen und meine mutter hat extra blumen aus dem garten geholt.

danach weiter schreibtisch bis der liebste kurz vor sechs zurückkommt. crocky hat mittlerweile die brühe fertiggestellt, ich verwandele einen teil der brühe mit frischen lauchringen, ramen und dem gekochten fleisch in eine feine suppe. dazu nochmal eine handvoll der mixed greens für jeden, anschließend teilen wir uns wie üblich noch eine orange.

ich gehe nochmal zurück an den schreibtisch, höre erst den drosten-podcast und schaue dann noch einen TED-talk, diesmal Erin McKean: The joy of lexicography. ein lustiger bildhafter talk zu dem mir viele visualisierungen einfallen, auch wenn ich mal wieder nicht so genau weiß, was mir der vortrag eigentlich sagen will, aber ich habe jetzt immerhin diverse bilder im kopf, was die funktionen eines wörterbuches angeht.

danach mache ich mich kurz nach acht bettfertig. wir schauen nochmal etwas kitchen impossible und ich schlafe bald darüber ein. zeit online meldet abends über 37.000 infizierte.

Mittwoch, 25. März 2020

dienstag 24. märz 2020

der liebste steht wieder früh auf und geht um viertel vor  6 aus dem haus. ich stelle den wecker auf 7, schlafe aber nicht mehr wirklich ein und stehe dann auch auf. frühstück: müsli mit geriebenem apfel und kaffee. dazu sonntagszeitung. danach erstmal unter die dusche, dann internetlesen und anschließend yoga-programm tag 24.

gegen 10 gehe ich an den schreibtisch. meine kissenkonstruktion nervt mich und ich nähe kurzentschlossen das keilkissen an das polster, vielleicht sitze ich so bequemer und das keilkissen rutscht nicht mehr dauernd weg. anrufe von zwei arztpraxen. termine werden abgesagt. falls ich was brauche, soll ich im neuen quartal die krankenkassenkarte per post schicken, dann würden sie mir die karte samt rezept zurückschicken.

kurz nach 11 kommt der liebste zurück. er will sofort zu unserem quarantäne-einkauf aufbrechen, solange es noch was gibt. ich sage meine telefontermine ab und wir fahren zu kaufland. wir haben zwei listen, einmal vorrat für eine angenommene quarantäne von 14 tagen mit haltbarem frischgemüse und haltbaren lebensmitteln aus dem trockensortiment sowie fisch und fleisch zum einfrieren, sowie eine liste für den laufenden verbrauch. wir bekommen eigentlich alles außer eier zumindest in irgendeiner brauchbaren variante. das dauert trotzdem überraschend lange und am ende haben wir einen sehr vollen einkaufswagen, der sich nur noch schwer lenken lässt. die mengen sind ok, wir dürfen alles mitnehmen, nicht zu viele sachen von einer sorte.

wir fahren weiter zum baumarkt, denn ich möchte zwei boxen um den notvorrat aufzubewahren (einmal ungeziefersicher für mehl & co und einmal luftdurchlässig aber taubensicher für den balkon). am baumarkt stehen ca 20 leute außen vor dem eingang in der schlange. es dürfen nicht mehr als 150 personen gleichzeitig im markt sein. angesichts der TK-produkte in unserem kofferraum fahren wir lieber weiter.

bei einem mexikanischen steetfoodstand in tempelhof, von dem der liebste mir schon seit wochen vorschwärmt und der das alles vermutlich nicht überleben wird, holen wir burritos und quesadillas zum mitnehmen. gegen 14 uhr sind wir zuhause.

wir tragen die frischen sachen nach oben, verräumen und fallen über das mexikanische essen her. extrem lecker, aber danach bin ich für zwei stunden im burrito-koma. wir legen uns etwas hin und schauen let's dance zuende. irgendwie anrührend, wie sich die teilnehmer mühe geben, ein bisschen fröhliche stimmung in die wohnungen zu bringen.

zurück am schreibtisch höre ich den neusten drostenpodcast, während ich post fertig mache. mein heutiger ted-talk ist von sam rodriguez: what we'll learn about the brain in the next century. nette zukunftsvision, der ich gut folgen kann, die sketchnotes sind entsprechend auch deutlich aussagekräftiger als gestern...

kurz nach halb sieben steige ich aufs rad und fahre zur marktschwärmerei, während der liebste hause das brot im backofen bewacht. diesmal warten alle draussen, immer nur ein kunde darf rein, bis auf das gemüse ist schon alles fertig in nummerierten papiertüten verpackt. ich freue mich sehr, j. in der schlange zu treffen. wir machen distant socialising auf dem bürgersteig und fahren nach der ausgabe noch zusammen mit dem rad zum volkspark und unterhalten uns über dies und das und beobachten mäusejagende wohnungskarzen auf ausgang.

kurz nach acht bin ich wieder zuhause. der liebste hat mittlerweile den ganzen restlichen einkauf  nach oben getragen und auf dem küchentisch aufgebaut. ich bin kurz genervt, weil ich jetzt erstmal lieber in ruhe gekocht und gegessen hätte. wir packen aber schnell alles in zwei klappkisten, eine sichere ich zusätzlich mit einer ikea-tasche für den balkon. dann kocht der liebste brokkoli, schwarzwurzeln und japanische nudeln mit sojasauce. zum nachtisch teilen wir uns wieder eine orange.

ich portioniere noch hackfleisch zum einfrieren und nehme eine packung erdbeeren und eine dose mit sanddornmark aus dem gefrierfach, das kann dann über nacht für marmelade auftauen.

wir streamen noch ein wenig kitchen impossible und schlafen dann gegen 23 uhr. letzter stand auf zeit-online sind 33.000 infizierte.

Dienstag, 24. März 2020

montag 23. märz 2020

der liebste musste heute schon um 6:30 bei der arbeit antreten. ich konnte mich nicht aufraffen um 5 mit ihm zu frühstücken und habe dann mit diversen unterbrechungen eher schlecht bis um kurz nach 8 weitergeschlafen. katzenwäsche, müsli mit geriebenem apfel, sonntagszeitung. müde.

nach neun raffe ich mich auf zum yoga, heute ist tag 23 dran. zum ersten mal habe ich schwierigkeiten mitzukommen, hänge immer noch in einer position und das video ist schon drei sachen weiter. mit mut zur lücke hangele ich mich irgendwie durch. danach fühle ich mich etwas frischer und wacher. ausführliches internetlesen. wäsche waschen, ab- und aufhängen.

gegen 11 starte ich mein putzprogramm: alles saugen, bisschen aufräumen, oberflächen und armaturen in küche und bad. nach 12 kommt der liebste nach hause. er legt sich ein bischen hin, während ich das putzprogramm beende. dann richte ich salat zum mittageessen: eichblattsalat mit bulgarischem weißkäse, schwarzen oliven und kürbiskernen, danach teilen wir uns die letzte orange. nach dem essen legt der liebste sich wieder hin und schläft einige stunden.

währenddessen telefoniere ich mit meinen eltern, die ihre alte wii-konsole und den hometrainer wiederbelebt haben und jetzt fleissig indoor-sporteln. sehr löblich.

dann schreibtisch. u.a. bastle ich mein erstes zoom-meeting für dienstag und schaue einen ted talk:
Kay M. Tye: What investigating neural pathways can reveal about mental health dabei versuche ich, sketchnotes anzufertigen. ich bin nicht zufrieden mit dem ergebnis, auch wenn ich denke, dass ich ohne sketchnotes noch weniger verstanden hätte und jetzt - fast einen tag später während ich das schreibe - erinnere ich mich doch noch an einiges aus dem talk. immerhin. ich glaube das problem war ein bisschen, dass mir die beschriebenen experimente schon bekannt waren und ich irgendwie mehr erkenntnis erwartet hatte.

die ersten graphik-entwürfe für den wikipedia-wellness-flyer sind da. erstmal bin ich begeistert, mit etwas abstand glaube ich aber, da steckt noch arbeit drin.

um 6 findet dann unser erstes meditationstreffen via zoom statt. mit immerhin 16 personen. ich bin begeistert wie gut das funktioniert. es ist wirklich wunderschön. und irgendwie rührt es mich an, alle mal so in ihren wohnungen zu sehen, jedenfalls ausschnitten davon. 

danach wärme ich die aufgetaute selleriesuppe auf, dazu gibt es aufgebackene mit fisch gefüllte peperoni, die ich mal bei lidl aus einem spanien-sonderangebot gekauft hatte, danach noch für jeden eine scheibe serranoschinken, etwas käse und zwei getrocknete aprikosen. fast ein menü.

vor dem einschlafen kurzes streaming von 20 min der neusten folge von let's dance. rtl hat sich die kritik von anja rützel offensichtlich zu herzen genommen und macht jetzt ganz vorbildliches volksbildungs-tv: die eröffnungs-sequenz ist kein gruppenauftritt der profis, sondern drei klassische paartänze des profi-ehepaars lusin. (ehrlich gesagt gefällt mir das auch viel besser als die sonst üblichen show-tänze, es ist ein hinreissender, klassischer und zugleich sehr gekonnter auftritt, sind ja auch profis, aber einfach mal schön zu sehen). die anderen teilnehmer sind auf abstand gesetzt in den sonst völlig leeren zuschauerrängen. die moderatoren sind ebenfalls konsequent auf distanz, die jury - auch brav abstandhaltend - leitet einen kleinen mitmachtanz an. es gibt keine umarmungen, keine küsschen.

wir schlafen gegen 10. zeit-online meldet zu diesem zeitpunkt über 28.000 infizierte.

Montag, 23. März 2020

Wissenschaft unterstützen: Robert-Koch-Institut sucht Teilnehmer für GrippeWeb

GippeWeb ist ein Projekt des Robert-Koch-Institut zur Erforschung der Influenza. Ich habe mich dort vor vielen Jahren angemeldet und fülle regelmäßig Fragebögen aus.

Das RKI schreibt dazu:

"GrippeWeb ging im März 2011 online und ist das erste Web-Portal, das in Deutschland die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen beobachtet und dazu Informationen aus der Bevölkerung selbst verwendet. Mit Hilfe dieser Daten werden die Informationen der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) , mit der GrippeWeb eng zusammen arbeitet, ergänzt, denn die AGI überwacht die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen auf der Ebene der primärärztlichen Versorgung. GrippeWeb dagegen erfasst, welcher Anteil der Gesamtbevölkerung Woche für Woche an einer akuten Atemwegsinfektion erkrankt ist und welcher Anteil mit solch einer Erkrankung eine ärztliche Praxis aufgesucht hat. " 

Die Daten werden anonym erfasst und verarbeitet. Die Daten zu Atemwegserkrankungen aus der Bevölkerung sind auch für die Beurteilung der Corona-Situation wichtig.
Das RKI sucht weitere Teilnehmer:
 
"Momentan suchen wir besonders Teilnehmer im Altersbereich von 14 bis 35 Jahren. Eine Erhöhung der Teilnehmerzahlen hilft uns, die Aussagekraft der Daten weiter zu verbessern. Eine Registrierung bei GrippeWeb ist weiterhin einfach unter https://grippeweb.rki.de/Register.aspx möglich."
 
 

Sonntag, 22. März 2020

22. märz 2020 - distant socialising

nachts um kurz nach vier wache ich auf und bin ziemlich wach. der liebste schaltet das radio ein. eine sendung mit orgelmusik. die musik ist gut zu hören, der sprecher zwischendurch klingt als spräche er durch eine wolldecke, kaum zu verstehen. ich schlafe irgendwann nach fünf wieder ein. gegen halb neun bringt der liebste kaffee ans bett. er hat den ofen angeheizt. gegen halb zehn gehe ich duschen, danach frühstücken wir und hören den gottesdienst im deutschlandfunk. übertragung aus einer kleinen baptistenkirche in bremen. predigt bedford-strohm. ob was wohl dauerhaft so geplant war? keine besucher vor ort, nur ein kleiner chor und orgel.

nach dem frühstück gartenrunde mit kaffee. alles wächst, es ist eine freude. aber kalt. und windig. ich versuche p. zu erreichen, da unser stricknachmittag ja ausfällt, sie nimmt aber nicht ab. stattdessen spreche ich mit m. dort scheint alles soweit ok, bzw. die dinge die nicht ok sind, sind solche, bei denen ich auch nicht helfen kann, weil ich z.b. auch keine autos reparieren kann.

ich lese weiter in alten zeitungen und versuche nochmal, den rechner dazu zu bringen, emails abzurufen. funktioniert nicht. o2 teilt mir mit, dass mein datentarif zu 80% verbraucht ist. ich muss mich dringend von den ständigen corona-updates losreissen, es bringt ja eh nichts.

wir spazieren den feierabendweg entlang, an den gewächshäusern vorbei, bis zum see und wieder zurück. es ist eiskalt, aber sonnige, wunderbar klare luft. überall blühen schlehen und forsythien. wir begegnen spazierenden familien und radfahrern. insgesamt ist es sehr ruhig. einmal sehen wir ein flugzeug, vermutlich fracht, denn passagiermaschinen fliegen so gut wie keine mehr.

zurück im haus hole ich den staubsauger aus dem schuppen und sauge den ganzen winterdreck und die ganzen spinnenweben ein. das ist noch kein frühjahrsputz aber das ganze haus sieht sofort doppelt so groß und viel heller aus. der liebste heizt derweil den grill an.

um 5 bin ich mit m. zum telefonieren verabredet. schön, dass wir uns mal wieder in ruhe auf den neusten stand bringen können. er sagt mir den schönen satz, dass es eigentlich nicht social distancing sondern besser distant socialising heißen sollte - denn wir sollen ja nicht alle kontakte abbrechen, aber diese lieber auf distanz unterhalten. ich telefoniere mit einer tasse tee in der anderen hand und flaniere dabei in den letzten sonnenstrahlen im garten auf und ab.

als der liebste anfängt, mit dem küchenmesser in das grillgemüse zu stechen, beende ich das telefonat und wir essen. danach teilen wir die letzte orange. wir waschen die glasflaschen aus und sterilisieren sie im heißen backofen, damit wir auf dem rückweg nochmal neue milch holen können.

bei einer letzten tasse tee, schreibe ich den 14-tage-quarantäne-notvorrat auf, den wir in den nächsten tagen besorgen wollen.  gegen sieben packen wir zusammen, der liebste stellt das wasser ab, denn es hat nur noch +1° und soll nachts bis -5° abkühlen. wir fahren zur milchtankstelle, zapfen drei liter milch und fahren zurück nach berlin. dort quiekt der kohlenmonoxid-messer in der küche, weil die batterien leer sind. der liebste stellt das quieken ab, leider haben wir die passenden batterien nicht da.

wir bestellen gemüse und olivenöl  in der marktschwärmerei, dann reboote ich meinen rechner und habe glück: thunderbird funktioniert wieder. ich schreibe diese zeilen und das war's für heute - da der liebste morgen schon um 6:30 antreten muss, gehen wir früh schlafen. zeit online meldet gut 24.000 infizierte.


21. märz 2020

wir schlafen aus bis gegen sieben. der liebste setzt kaffee auf und feuert den ofen an. mit kaffee und lesen bleiben wir noch bis gegen halb neun im warmen schlafzimmer. dann kurze katzenwäsche und frühstück: schinken, käse, butter, roggenvollkornbrot. ich überlege kurz ob wir das zuckerfasten nicht doch aufgeben sollen, einfach um weniger oft käse und  anderes einkaufen zu müssen - unsere marmeladenvorräte sind umfangreich, die marmelade hält ewig und wir können mehr marmelade kochen aus eingefrorenem obst.

wir entscheiden uns erstmal dagegen, beschließen aber, doch mal einen konkreten "was würden wir alles brauchen, falls wir spontan 14 tage in quarantäne müssten"-einkaufsplan zu schreiben, da es ja immer sein kann, dass z.b. einer der kollegen des liebsten (oder wir selbst) plötzlich positiv getestet wird und wir dann unerwartet in quarantäne müssten.

beim frühstück freuen wir uns, dass unser abo der lokalzeitung wieder angelaufen ist und wir uns über das dorfleben informieren können. als wir einigermaßen aufgewärmt sind, ist der obligatorische rundgang durch den garten mit dem kaffeebecher an der reihe. wir sind begeistert. der garten wird von jahr zu jahr besser.



veilchen blühen noch, schlüsselblumen sind aufgeblüht, immer mehr lungenkraut öffnet die blüten, die wiese ist voller taubnesseln, in den narzissentuffs öffnen sich einzelne blüten. die hortensien und einige der büsche treiben aus, die ersten blätter der himbeere sind zu sehen.




ich passe das postauto ab und werde mein päckchen an das rki los.

mittags gibt es salat (nüssle, avocado, vogelmiere, löwenzahn, gänseblümchenknospen, geröstete haselnüsse), danach teilen wir uns eine orange.



ich telefoniere erst mit meinem vater, dann mit meiner mutter, dann länger mit l. meine eltern halten weiter tapfer durch und machen das beste daraus (dazu gehören z.b. dampfnudeln im crockpot).

nachmittags dann der zoom-test mit i. und den anderen teilnehmern meines meditationskurses. das klappt alles überraschend gut. mein handy als hotspot funktioniert gut, nur emails lassen sich nicht mit thunderbird abrufen, warum auch immer. browser dagegen läuft gut und auch schnell.

danach bin ich erstmal leergeredet. wir machen einen spaziergang durch die siedlung und den plattenweg entlang bis zur landstraße und zurück. es ist herrlich, sonnig, aber sehr kalt und windig. auf dem weg sehen wir eine blaue scille am wegrand und viele von den kleinen gelben sternen, von denen meine mutter neulich erzählte, deren namen ich aber wieder vergessen habe. wir begegnen einem radfahrer, vier motorrädern und zwei autos. in der siedlung winken ein paar leute aus dem garten herüber.

danach tee und der liebste feuert den grill an. wir lesen die lokalzeitung, alte sonntagszeitungen, die hier noch herumliegen aus dem herbst und ich lese in der edward-snowden-autobiographie weiter, die mich wirklich begeistert - er schreibt einfach sehr gut und anschaulich und vieles erinnert mich an meine eigene kindheit/jugend und studentenzeit, in der computer und internet nach und nach aufkamen aber noch lange keine selbstverständlichkeit waren, bis hin zu den ersten schritten in onlinecommunities, die ich ähnlich erlebt habe wie er.

vom grill gibt es für jeden eine wasserbüffelbratwurst, halloumi, rote bete, gelberüben und pastinaken. alles sehr sehr fein. danach teilen wir uns eine weitere orange.

wir lesen weiter und gehen gegen zehn schlafen. der zeit-online ticker meldet zu dieser zeit etwas mehr als 21.000 infizierte in deutschland.