Samstag, 14. Oktober 2017

Riehen, Fondation Beyeler: Paul Klee. Die abstrakte Dimension. 1. Oktober 2017 – 21. Januar 2018

* einen besuch wert

im detail:
**einführung: die ausstellung ist chronologisch angeordnet, nach eine einführenden text folgen weitere kapiteleinführungen zu den einzelnen ausgestellten phasen.
**benutzerführung:der eingang zur ausstellung ist merkwürdig verdeckt und führt entlang einer schräggestellten wand in den ersten saal auf der nordseite des museums. erfreulicherweise hält sich die fondation auch nach 20 jahren noch daran, kostenlose saalzettel auszugeben, auf denen der besucher weiterführende informationen zu einzelnen werken nachlesen kann, ohne einen audioguide bemühen zu müssen. audioguides gibt es natürlich außerdem auch noch. anders als saalzettel, die man sogar nachträglich noch ausdrucken kann, kann man die audioguides aber später nicht mitnehmen. die ausstellung folgt recht streng dem chronologischen aufbau, lediglich ein kabinett mit vermutlich lichtempfindlichen graphiken und aquarellen weicht davon etwas ab.
**aufstellung/hängung: die werke hängen an starkfarbig getönten wänden in dunkelgrau und weinrot. besonders das grau harmoniert ganz hervorragend mit einigen der farbfeld-gemälde, bei denen sich hellere, strahlendere farben aus einem dunkleren hintergrund hervorschieben. andererseits bekommen die werke dadurch einen etwas dekorativen touch, der ihnen vielleicht nicht ganz gerecht wird.
**umfang: die ausstellung umfasst rund 100 werke aus dem zeitraum 1913 bis 1938 und lässt sich in 1,5-2 stunden in ruhe betrachten.
**inhalte: die ausstellung bietet gewissermassen die vorgeschichte zu den späten abstrakten werden klees, die sich in der sammlung der fondation befinden. der weg in die abstraktion und die auseinandersetzung klees mit trends und moden, den werken von zeitgenossen, wird deutlich. genauso aber auch die besondere klee-sicht auf die dinge, die ungeheure energie und der schaffensdrang klees, sein oft systematisches vorgehen, das sich abarbeiten an bestimmten ideen und konzepten, zugleich aber auch sein humor. man kann hier viele ungewöhnliche oder ungewohnte klees entdecken, entwicklungen nachverfolgen. dadurch wird das einzelne werk teilweise weniger originell, dafür erschließt sich der sinn oft besser.
**hintergründe: klee bildet, neben picasso oder giacometti, einen schwerpunkt der sammlung der fondation beyeler. diese ausstellung widmet sich den hintergründen dieses teils der sammlung.
**architektur:die museumsarchitektur mit dem spiel zwischen draußen und drinnen, offen und abgeschlossen, bewährt sich mal wieder sehr.
**extras: anlässlich der ausstellung sind einige werke als kunstdrucke im originalformat (auch bereits gerahmt) erhältlich. es ist verblüffend, wie wenig ausdrucksstark manche dieser drucke im vergleich zum original wirken, anderes, wie der prämierte apfel, funktioniert wunderbar.
**website: https://www.fondationbeyeler.ch/klee/
**fazit: sehr schöne und umfangreiche ausstellung, vermutlich lohnen sich mehrere kürzere besuche mehr als ein langer.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Humlebaek, Louisiana Museum of Modern Art: Rineke Dijkstra. The one and the many.

wenn man sowieso in der nähe ist
im detail:
**einführung: kurze texttafeln inforieren über hintergründe und motive der gezeigten porträtserien

**benutzerführung: hier ist eher free flow durch und innerhalb der räue angesagt, allerdings erschließen sich einige der photoserien erst durch ihre chronologie

**aufstellung/hängung: white cube mit großformatigen c-prints auf weißem hintergrund in schlichten holzrahmen montiert

**umfang: man kann hier in einer stunde durchschlendern, wenn man sich alle videoarbeiten in ruhe ansieht, wird man eher zwei stunden benötigen

**inhalte: gezeigt werden mehrere porträtserien, wie z.b. die strandserie mit jugendlichen und kindern, die in verschiedenen ländern in badekleidung am strand photographiert wurden, oder die parkserie, die menschen im berliner tiergarten und in anderen grünanlagen zeigt, die serie mit kindern auf sessseln oder sofas, eine reihe, die einen jungen franzosen bei eintritt in die fremdenlegion begleitet, oder die almeria-serie, die ein flüchtlingskind über 20 jahre immer wieder portraitiert. gemeinsam ist allen portraits eine gewisse dekontextualisierung, die hintergründe sind einheitlich, karg, zeitlos, neutral - umso mehr treten die abgebildeten personen in den vordergrund, die zugleich distanziert und entrückt, aber auch verletzlich und offen wirken. ich freue mich, als ich bemerke, dass eines der photos taryn simon zeigt. die wenigen abbildungen, die, wie die kinder auf dem sofa, den personen attribute und hintergründe mitgeben, wirken dagegen, trotz allen kunstvollen bildaufbaus wie bessere familienphotos. das die portraitierten vielleicht weniger zufällig ausgewählt sind, als es zunächst den anschein hat, zeigt sich nicht nur im portrait von taryn simon, sondern auch daran, dass überraschend viele der abgebildeten thurn und taxis heißen. ich vermute, die stehen gewöhnlich nicht unerwartet in größerer zahl in irgendwelchen parks herum.
besonders eindrücklich sind aber die videoarbeiten: ein beunruhigend langes video zeigt ein kleines mädchen in russland während einer ballettstunde, die lehrerin ist nicht zu sehen, aber zu hören. die kamera beobachtet stoisch wie das kind zuerst fröhlich tanzt, dann immer müder wird und schließlich seine gute laune verliert und dabei auch seine körpersprache verändert, während die unsichtbare stimme der lehrerin noch eine wiederholung fordert und noch eine und noch eine. eine andere arbeit zeigt junge clubbesucher in england, die vor einer weißen wand freigestellt, zu elektrosound tanzen. auch hier hält sich die kamera beobachtend zurück, der zuschauer erlebt fasziniert, wie die tänzer nach und nach die vorführsituation vergessen und in der musik versinken, völlig bei sich und zugleich die musik sind. die beeindruckendste arbeit zeigt auf drei bildschirmen eine gruppe englischer schulkinder, die picassos weinende frau betrachten und kommentieren. was wie eine schulstunde beginnt ("I can see lots of different shapes and colours." "There are lots of triangles in different colours") bricht mehr und mehr aus irgendwelchen schemata aus und zieht den betrachter in den strudel der blühenden phantasie der kinder ("I think her husband has come home from a war and now she is crying because she is happy")

**hintergründe: es handelt sich um die erste überblicksausstellung in skandinavien

**architektur: die ausstellung befindet sich im souterrain des louisiana museums in humlebaek.

**extras: keine

**website: https://www.louisiana.dk/udstilling/rineke-dijkstra
**fazit: sehr beeindruckende künstlerin, von der ich gerne mehr sehen möchte. besonders die videoarbeiten kommen mir auch zwei wochen später noch immer wieder in den sinn.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

was machst du eigentlich den ganzen tag? oktober 2017

5:00 ich wache auf, weil der wecker klingelt. der liebste steht auf. ich dämmere nochmal weg, bekomme halbwach mit, wie er den wecker neu stellt und das telefon auf meinen nachttisch legt und geht. um 6:30 klingelt der wecker dann für mich. ich schalte das radio ein und schlafe im rhythmus der snooze-funktion des weckers weiter, bis mich der liebste gegen 7:00 telefonisch weckt. anschließend höre ich nachrichten und die presseschau im deutschlandfunk und stehe dann um 7:15 auf. ich koche kaffee, trage den wäscheständer aus der badewanne in den flur und gehe ins bad. beim abtrocknen merke ich, dass mein handtuch noch von gestern nass ist. ich beschließe spontan, die heizung anzuwerfen. ich überlege kurz, noch einen brotteig anzusetzen, lasse das dann weil ich ja vor der arbeit noch zum arzt muss, woran mich der zettel auf dem küchentisch mit dem text "orkan, balkon, arzt" erinnert.

ich ziehe ein büro-outfit aus schwarzem kurzem rock und weinrotem rollkragenpullover an und frühstücke gegen 7:40 mit kaffee, brot, salami und erdbeermarmelade. um 8:05 ziehe ich meine schwarze fleecejacke über und schnappe mir den blauen kleinen regenschirm - meine regenjacke hängt leider im büro und draußen gießt es. ich gehe über die straße zur bushaltestelle, fahre eine station mit dem m48 und steige dann in den 187 um. um 8:25 komme ich beim arzt an und bin auch schon gleich dran. der arzt ist begeistert von der verheilten narbe. ich kann meine rückseite ohne spiegel nicht sehen, glaube ihm aber, dass alles toll verheilt. wir vereinbaren einen neuen termin für dezember. ich lasse mir einen zettel ausdrucken, der meinen arztbesuch für den arbeitgeber bestätigt und steige kurz drauf wieder in den 187 zum innsbrucker platz, von dort weiter mit dem m48 zum potsdamer platz, wo ich gegen 9:30 im büro einchecke.

ich gebe die arztbescheinigung ab, der zuständige kollege ist gerade dabei, sein büro umzuräumen, nimt mir aber trotz chaos die bescheinigung ab.

ich hole mir einen kaffee, tausche mich noch kurz mit den kollegen über die veranstaltung ab vorabend aus und mache mich an die arbeit. ich bin müde, müde, müde. trotzdem halte ich um 10:30 eine abteilungsbesprechung ab und wir gehen alle länder durch. danach versuche ich parallel, die aufgestauten emails der letzten tage abzuarbeiten und umfangreiche reportingunterlagen zu einem knappen bericht einzudampfen. ich verabrede mich mit einem kollegen zum mittagessen beim büffet-asiaten. der kollege wird von einem kunden am telefon festgelabert, so dass wir erst um 13:30 losgehen. der kollege hat weder schirm noch kapuze und wird unterwegs ziemlich nass. die müdigkeit macht sich in appetit bemerkbar und ich stapele  brokkoli, kimchi, kürbis, tofu, frittierten fisch, hühnchen und eine sommerrolle auf einen kleinen teller, dazu erdnusssauce und ein minikuchen als dessert, das ich wie immer dem kollegen schenke (es ist im preis inbegriffen, also wäre es ja schade, das stehenzulassen und der kollege futtert das locker weg).

wegen des regens gehen wir zurück einen umständlichen weg direkt von den potsdamer-platz-arkaden über den s-bahn-bahnsteig, als wir rauskommen regnet es aber gar nicht mehr. gegen 14:15 bin ich zurück bei der arbeit. ich werkele weiter. gegen 15:30 kommt draußen starker wind auf. immer wieder unterbreche ich meine arbeit und schaue die straße hinunter, wo sich die kleinen straßenbäume biegen und ein kleiner baustellenzaun ein eigenleben entwickelt und sich quer über die straße schiebt. blätter und kleine äste fliegen an meine fenster im vierten stock vorbei. im internet lese ich, dass s-bahn, regionalbahn und fernbahn den betrieb eingestellt haben.

angesichts von schlafdefizit und überstunden verlasse ich um 17:00 das büro. die straßen sind verstopft, es dauert bis ich in einen bus einsteigen kann. kaum eingestiegen, sagen mir andere fahrgäste, dass auch der busverkehr eingestellt wird und wir demnächst aussteigen müssen. ich setze mch trotzdem erstmal hin, schließlich bin ich gerade erst eingestiegen. ich habe glück und der bus setzt sich doch in bewegung. langsam kriechen wir auf der überfüllten straße voran. ich rufe den liebsten an, er besucht eine freundin und beteuert, dass das auto nicht unter einem baum parkt. also alles safe. an der potsdamer brücke hat der sturm die baustelle verwüstet, die gegenrichtung ist durch die polizei gesperrt worden. während wir weiter im stau stehen, brüllt ein entgegenkommender busfahrer unserem busfahrer zu, er soll die leute an der nächsten u-bahn rauswerfen, der busverkehr sei eingestellt. kurz drauf kündigt der busfahrer an, dass die fahrt an der u-bahn kürfürstenstraße enden wird. die u-bahnen fahren immerhin noch. wenige meter weiter eine neue durchsage: wir fahren nur noch bis zur nächsten bushaltestelle, dann ist schluss. einige fahrgäste werden jetzt unverschämt. im bus gemurmel, irgendwann sind alle raus und wir bewegen uns wie ein ameisenhaufen auf der flucht auf der potsdamer straße richtung süden. ich knöpfe meine kapuze ab, damit sie vom wind nicht weggerissen wird. trotz des sturms ist es nicht besonders kalt und es regnet nicht.

an der bülowstraße liegt ein kapitaler ahornbaum quer auf der straße. oben sehe ich überfüllte züge, gehe also lieber zu fuß weiter und versuche mich ausserhalb des umfallradius der straßenbäume zu halten. am kleistpark haben sechs doppeldecker angelegt. die busfahrer sitzen in den leeren bussen und schauen auf ihre smartphones. in schöneberg schlüpfe ich schnell zu dm um mein verlorenes duschgel zu ersetzen. der müdigkeitsappetit bricht wieder durch und ich kaufe außerdem noch getrocknete aprikosen und honigmarzipan mit schokoladenüberzug. kurz nach dem kaiser-wilhelm-platz fällt mir ein, dass morgen w. zum flöten zu mir kommt, ich biege also noch schnell zu lidl ein und kaufe nüsse, weintrauben und schokoküsse, außerdem ein paar pflaumen und avocados. auf dem schöneberger dorfanger liegen große abgerissene äste. gegen 18:40 komme ich schließlich zuhause an. ich höre den ab ab und ziehe mich um, da kommt auch schon der liebste nach hause. ich setze tee auf, während der liebste anfängt, rübenmus zu kochen. ich zeige ihm ein youtube-video aus der rineke-dijkstra-ausstellung, die ich kürzlich gesehen habe und das mich sehr beeindruckt hat. dem liebsten gefällt es auch.

ich stelle die entwürfe für plakate und eintrittskarten für das chorkonzert fertig. als ich gerade alles an die druckerei mailen will, ruft meine mutter an um zu hören wie es uns mit dem orkan geht. ich bestätige, dass es uns gut geht und schreibe nebenbei die druckereimail weiter, der liebste stellt gleichzeitig das essen auf den tisch. ich beende telefonat und email und wir essen.

nebenbei blättern wir in einem verlagskatalog des ulmer verlages. mich überfällt spontane genervtheit und ich mache dem liebsten vorhaltungen. es tut mir schnell leid, zugleich ist es mir aber doch sehr ernst. ich weiß nicht, ob er wirklich versteht, was ich meine.

ich reiße die fenster in der kammer zum lüften auf und trage rechner und bügelbrett ins wohnzimmer. während ich die wäsche zusammenlege, schaue ich "gardeners world" mit monty don auf youtube. gegen 22 uhr bin ich mit der wäsche durch und setze mich hin, um dies hier aufzuschreiben. nebenbei läuft die tonspur der gartensendung weiter.

(inspiriert von frau brüllen.)

Sonntag, 24. September 2017

Humlebaek, Louisiana Museum of Modern Art: The Cleaner. Marina Abramovic.

* einen besuch wert

im detail:
**einführung: der zugang zur ausstellung führt durch eine soundinstallation, in einem engen korridor beschallen je 4 lautsprecher von beiden seiten mit maschinengewehrsalven - dazwischen stille. die gewehrsalven sind schon von weiter her zu hören. als ich den korridor betrete ist gerade stille. ich überlege kurz, den korridor ein zweites mal zu betreten, um den "echten effekt" zu erleben. beschließe dann aber, dass die stille auch ein "echter effekt" ist. dieses spiel mit erwartungshaltungen, akut subjektivem, reflexhaftem empfinden und spontaner reaktion ist ein wesentlicher teil der performancekunst von marina abramovic, insofern ist die einführung sehr gelungen. kurze biographische abrisse leiten die drei teile der ausstellung ein.
**benutzerführung: der besucher wird durch die abfolge der räume sanft gelenkt, gelegentlich weisen pfeile den weg zum nächsten der drei kapitel. innerhalb der kapitel gibt es keine feste abfolge, die starken akustischen und optischen reize einzelner exponate entfalten jedoch teils eine deutliche sogwirkung, teils wirken sie mit drastischen bildern und geräuschen abstoßend oder jedenfalls bremsen sie den fluss, wie z.b. der enge durchgang, in dem zwei nackte menschen reglos stehen, zwischen denen der besucher seitwärts hindurchtreten muss, um in den nächsten raum zu treten.
**aufstellung/hängung: der erste, retrospektive, ausstellungsteil wird durch film- und fotodokumente in schwarz-weiß und nur wenige objekte geprägt. auffallend ist die großflächige inszenierung der bildschirme und projektionen, der man sich kaum entziehen kann. dagegen sind die verschriftlichten "anleitungen" der einzelnen performances von überraschender knappheit. im zweiten teil, der sich der spirituellen praxis und erfahrungswelt widmet, die abramovics arbeiten sowohl überhaupt ermöglichen als auch prägen und durchdringen, stehen raumgreifende objekte aus holz, stein und kristallen lose im hellen obergeschoss der ausstellungsräume verteilt. erst auf den zweiten blick erschließt sich die "benutzbarkeit" dieser objekte für die besucher, die hier, mithilfe einfacher anweisungen und in form und material interessanter gegenstände, eigene spirituelle übungen durchführen können. im dritten, abgedunkelten teil befindet sich eine art archäologische sammlung, die die retrospektive des ersten teils aufgreift, gefolgt von neueren werken, die, anders als die frühen werke weniger mit abramovic selbst als vertreterin einer universellen menschlichen erfahrung befasst sind, sondern sich ganz konkret dem balkan und dessen bild von der welt widmen.
**umfang: für die ausstellung sollte man mindestens 1,5 stunden einplanen, bei intensiver befassung mit den "benutzbaren objekten" auch deutlich länger.
**inhalte: die ausstellung ist eine kombination aus retrospektive und performancekunt zum mitmachen. sie zeichnet die anfänge von abramovics performancekunst in den 1970er jahren nach, die um die themen des menschseins, menschliches leiden, frau und mann und besonders die frau in der kunst kreisen. die ausstellung verhandelt dabei auch die frage, wie man performancekunst ausstellen kann und ob es legitim ist, performances zu wiederholen. hier kommen nicht die ausstellungskuratoren sondern die künstlerin selbst zu wort: marina abramovic versteht ihre performancekonzepte (wie auch die anderer künstler, z.b. beuys) als partituren, die mehrfach aufgeführt werden können. ihre kunst ist nicht das event sondern "das stück" und existiert unabhängig von einer aufführung. auch heute wirken viele dieser stücke verstörend, sorgen für ein flaues gefühl beim betrachter, der vielfach nicht wegsehen kann und zugleich nicht hinsehen mag. deutlich wird aber auch die kraft abramovics als performerin, ihre unerschrockene präsenz, auch schon in den ganz frühen werken.
im zweiten teil wird deutlich, woher abramovic jedenfalls einen teil dieser kraft schöpft: buddhistische praxis, vipassana-meditation, spirituelle übungen. abramovic selbst spricht von ihrer "abramovic-methode", die es ihr ermöglicht, z.b. stundenlang unbewegt auf einem stuhl im museum zu sitzen. mit einfachen mitteln versucht abramovic, die besucher daran teilnehmen zu lassen: mit bloßen füßen in riesige schuhe aus synthetischen kristallen steigen, die augen schließen, atmen, spüren. oder: sich mit stirn, brust und bauch gegen an einer wand angebrachte steine lehnen, atmen, spüren. oder: in einem abgetrennten bereich einer anderen person gegenübersitzen, dem anderen direkt in die augen schauen, atmen, spüren. diese letzte übung lasse ich aus - ich kenne die übung und weiß, das kann dauern. dafür reicht meine zeit heute leider nicht.
der letzte ausstellungsteil, in dem es um abramovics auseinandersetzung mit dem balkan geht, ist am wenigsten beeindruckend. andererseits zeigt es, dass abramovic sich auch nicht damit begnügt, die beeindruckenden und bewährten formate des präsent-seins oder der zur schau gestellten verletzlichkeit einfach publikumswirksam fortzusetzen. es wirkt, als hätte die künstlerin mittlerweile genug von sich selbst, und richtet nun den blick in eine andere richtung, zurück zu ihren wurzeln auf dem balkan, als finge sie an, sich selbst als weniger absolut sondern als teil einer umwelt, die sie geprägt hat, wahrzunehmen. das ist dann einerseits sympathisch und nachvollziehbar, den werken fehlt aber die kraft und eindringlichkeit der früheren stücke.
**hintergründe: die ausstellung wurde zuvor im moderna museet stockholm und wird 2018 auch in der bundeskunsthalle bonn gezeigt.
**architektur: die ausstellungsarchitektur ist schlicht und geradlinig, die besondere architektur des louisiana museum wird nicht aufgegriffen.
**extras: keine. die ausstellung reicht vollkommen aus.
**website: https://en.louisiana.dk/exhibition/marina-abramovi%C4%87
**fazit: sehr beeindruckend und anregend.

Dienstag, 5. September 2017

was machst du eigentlich den ganzen tag?

5:45 ich wache auf, das radio ist noch von gestern abend an. ich höre eine weile zu und schlafe wieder ein. 6:30 der wecker klingelt und der liebste steht auf. ich rolle noch bis 7:15 halb wach herum und stehe dann auch auf. nach dem wöchentlichen gang auf die waage füttere ich den gestern angesetzten brotteig mit gekochtem hafer und mehl, danach ins bad.

gegen 7:50 frühstück mit kaffee, frischen brötchen, salami, käse und aprikosenmarmelade, dazu ausnahmsweise schon die zeitung von heute, die der liebste auf dem rückweg vom bäcker mitgebracht hat. ich packe kürbis und romanescogemüse von gestern ein, dazu ein paar tomaten und einen kleinen paprika. gegen 8:30 breche ich auf richtung bushaltestelle und komme gegen 8:50 am potsdamer platz an.

8:58 checke ich ins büro ein, verstaue mein gemüse im kühlschrank, hole mir einen kaffe und mache ich ans werk, gehe dann zu 10:30 zu einer vortragsveranstaltung ins sony center, an die sich ein nettes mittagessen mit einem geschäftlichen kontakt in der brasserie um die ecke anschließt. gegen 14:30 zurück im büro, brauche ich weiteren kaffee, erstatte diversen kollegen bericht vom vormittag und mache mich wieder an mein werk.

um 19 uhr breche ich mit chef und zwei kollegen zu einem verbandssommerfest auf. nach drei gläsern sekt und einer langweiligen rede beschließe ich um 20:30 nach hause zu fahren. ich unterbreche die fahrt am kaiser-wilhelm-platz um ein dürüm zum mitnehmen zu erstehen und bin kurz nach 21 zuhause.

der liebste hat tee gekocht und leistet mir gesellschaft, während ich das dürüm esse. die neue putzfrau ist italienerin und spricht kein deutsch hat aber sehr schön gebügelt und die wohnung gesäubert. ich schiebe das brot in den ofen und räume die gebügelte wäsche ein, suche dann noten und flöten für morgen zusammen und gehe gegen 22 ins bett, in einer stunde wird der wecker klingeln, damit ich das brot rausnehme.

(inspiriert von frau brüllen.)