Sonntag, 6. September 2020

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Samstag 5. September 2020

Es ist wieder der fünfte eines Monats und bloggende Menschen versammeln sich im Blog von Frau Brüllen.

Irgendwann nach vier klingelt der Wecker des Liebsten. Er steht auf und ich bin auch überraschend wach. Ich schalte das Radio ein. Da läuft noch der letzte Teil der Sendung die früher "Liederbestenliste" und jetzt "Radionacht - Lied & Chanson" heißt. Die Moderatorin liest die Website von Element of Crime vor, die dieses Jahr nur ein einziges Konzert - in Neuhardenberg - geben werden und auf der Website darüber sinnieren, wie sich das irgendwann aus dem Rückblick anfühlen wird. Ich dämmere immer wieder halb weg und höre nur Fetzen. "Wenn Berlin eine Uhr wäre, wäre Neuhardenberg halb drei". Ich versuche, die Berlin-Uhr zu visualisieren und die nordöstliche Richtung damit in Übereinklang zu bringen, dass ich seit Wochen im Oranienburger Generalanzeiger über das diesjährige Programm in Neuhardenberg lese. Ich dachte deshalb das liegt eher so auf halb zwölf. Egal. Als ich wieder aufwache läuft ein Chanson mit Popette Betancor, das ist irgendwas ganz bekanntes, aber mit deutschem Text, ich komme nicht richtig mit. Dann sowas ähnliches aber auf italienisch. Klingt lustigerweise wie Francesco Wilking, kann ja aber eigentlich nicht sein, der singt ja auf deutsch. 

Ich gehe ins Bad und weiter in die Küche, wo mich der Liebste empfängt: "Jetzt hast du gerade einen Lörracher im Radio verpasst!" "Francesco? Ach, echt?". Der Liebste kennt sogar das dazugehörige Album: "Patate in Wunderland". Der Liebste bricht auf zur Arbeit, ich gehe zurück ins Bett und schlafe nochmal bis kurz vor acht. Angenehmerweise kein Muskelkater. Ich ziehe Sportsachen an. Dann erstmal gemütliches Frühstück mit dem üblichen Roggenvollkornbrot, Rotwurst, Salami, Ziegenkäse, Honig und Sauerkirschmarmelade, dazu Kaffee mit Haferliebe-Hafermilch, die der Liebste extra für mich gekauft hat. Nebenbei lese ich im Kochbuch und beschließe spontan, die Reste der Beetroot&Bramley-Soup einzufrieren und stattdessen heue eine fake Bouillabaisse zu kochen. Der Liebste ruft kurz an und ist auch dafür. Mit der letzten Tasse Kaffee lese ich mich durch die verschiedenen Tagebuchblogs und werde dabei an meine Griechenlandschulreise in der 11. Klasse und an die Bitterorangen auf den Athener Verkehrsinseln erinnert. Schön war das. Eigentlich die beste von allen Schulreisen überhaupt.

Kurz vor zehn ziehe ich ins Wohnzimmer um und logge mich in die Meditation von I. via Zoom ein. Ich schweife oft ab, genieße es aber sehr. Da ich eh schon auf der Matte sitze, mache ich gleich mit Yoga weiter, Day 2 von "Revolution - 31 Days of yoga". Ich bleibe noch am Rechner für ein paar Lektionen Duolingo und schicke meiner Mutter das Rezept für die Beetroot&Bramley-Soup, weil ich vermute, dass es ihr auch gefallen könnte. Ich entschließe mich, doch kein Schnittmuster zum Ausdrucken im Copyshop zu kaufen, sondern den Schnitt von meinem weißen Leinenshirt abzumachen. Nach dem Duschen breche ich auf zu Lidl und besorge die Zutaten für die Fischsuppe. Ich treffe schon wieder J. Sie war gestern abend im Pinelli und ist sehr angetan. Wir stehen noch eine ganze Weile im Lidl im Weg und quatschen, bis sich eine Frau aufregt. Sie hat im Grunde ja recht. Ich gehe weiter an die Kasse und hole auf dem Heimweg bei Istanbul noch frische Feigen, Safran und Petersilie.

Zuhause mache ich mir einen Salat mit Tomaten, türkischem Weißkäse und zwei Rühreiern und empfange den Liebsten mit frischem Kaffee. Wir legen uns zu einer kurzen Siesta hin, der Liebste schläft sofort ein und ich lese "Daughter of Radium", das in Oranienburg spielt. Kurz nach halb vier stehe ich auf und verwandele das Leinenshirt in einen Zeitungspapierschnitt. Dabei fällt mir auf, dass ich für dieses Modell Bündchenstoff brauche. Der Stoffladen schließt um vier. Ich google etwas herum und lade schließlich eine gute Anleitung für einen V-Ausschnitt mit Jerseyeinfassung herunter. Stoff kann ich auch nächste Woche noch kaufen. Es bleibt noch Zeit und ich schneide noch eine Bluse nach meinem anderen Schnitt zu, aus einem weißen Baumwollstoff mit aufgedrucktem Paisleymuster in grün und blau. 

Ich räume die ganzen Nähutensilien wieder weg und mache mich an die Bouillabaisse. Ich hätte bessere Tomaten kaufen sollen, die Lidl-Dosentomaten wirken irgendwie lahm. Als endlich der aufgetaute Fisch und die Garnelen dazukommen, bekommt die Suppe aber doch Geschmack. Für ein Schnellrezept ist es ziemlich gut. Wir essen. Als Nachtisch gibt es nochmal Joghurt von glücklichen Kühen und dazu Zwetschgenkompott. Der Liebste geht nochmal an den Rechner um weiter an seinem HPI-Kurs über die Geschichte des Internets teilzunehmen. Ich gehe mit Tee ins Wohnzimmer und fange die Jacke für K. an, für die ich noch vor Corona Wolle gekauft und seither abgelagert habe. Diesmal komme ich deutlich besser mit der Anleitung klar und verstricke mich nur ein bisschen, weil ich die Blockstreifen zu schmal ansetze. Das fällt aber bei einer Kinderjacke vermutlich nicht ins Gewicht und ich wechsele dann einfach als ich es merke zur richtigen Streifenbreite. Daneben schaue ich mit halbem Auge "The Great Gardening Challenge". Gegen elf bin ich dann doch müde und ziehe ins Bett um, der Liebste schläft schon.

Auf Zeit.de jetzt 250.000 Infizierte insgesamt, davon 8.200 in den letzten sieben Tagen.

Die anderen Tagebuchblogbeiträge befinden sich hier.

Mittwoch, 2. September 2020

Kurzes Kleid

 

 

An diesem Kleid habe ich drei Jahre gestrickt - dazwischen diverse Kindersachen zum Verschenken. Es ist das erste Mal seit irgendwann Anfang der Neunziger, dass ich etwas für mich selbst gestrickt habe. Die Anleitung stammt aus der Landlust Juli/August 2017.

Im Nachhinein finde ich die Anleitung etwas uninspiriert und altmodisch - die ganzen Nähte hätten sich mit einem Top-Down-Modell definitiv vermeiden lassen! Andererseits ist das Kleid beim Stricken schon wie eine warme Decke auf meinen Beinen gelegen - da wäre die doppelte Menge vermutlich unerträglich. 

Andere selbstgemachte Mode findet sich auf Me Made Mittwoch.

Mittwoch, 5. August 2020

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? - 5. August 2020

Es ist mal wieder der 5. des Monats...

Während der Liebste aufsteht, werde ich halb wach, schlafe aber nochmal ein als er geht. Mein Wecker klingelt um viertel vor Sieben, ich bleibe liegen bis nach der Presseschau im Deutschlandfunk und stehe dann auf und gehe ins Bad. Irgendwie bin ich langsam und verbringe 45 Minuten im Bad und mit dem Kaffeekannencheck. Ich ziehe mich an (schwarze Hose, schwarz-weiß-blockgestreiftes Kurzarmshirt) und frühstücke (mein übliches selbstgebackenes Roggenvollkornbrot, dazu Tomatenleberwurst, Käse und Hagebuttenmarmelade - auch selbstgemacht, und Kaffee mit Hafermilch). Für die Mittagspause richte ich einen Kohlrabi, ein Stück Gurke und eine Gelberübe und fülle die Sigg-Flasche mit Brennesseltee. Ich lese noch ein wenig in Zeitung und Internet und breche gegen viertel vor Neun auf.

Draußen ist es schon jetzt deutlich wärmer als gestern, ich packe den lila Pullunder in die Fahrradtasche, radle nach Neukölln und bin viertel nach Neun an der Schule. Ich lese noch ein bisschen und gehe dann kurz vor halb ins Gebäude. T. ist auch schon da und will wissen, was sie gestern verpasst hat. Ich erzähle von den Gnocchi alla Romana. Weil T. traurig ist, dass sie das verpasst hat, spielt M. uns das Video nochmal vor. Ich könnte schwören, dass das diese Website und genau das Rezept war, finde aber hier keinen Videolink? Der Unterricht ist wieder einmal abwechslungsreich und vollgepackt, ich bin auch heute begeistert von der super Vorbereitung. Das Gerundio ist eigentlich sehr praktisch, aber mit Deutsch im Kopf dann doch nicht so leicht spontan einzubauen. Wir staunen über die Misere, in der sich der italienische Journalismus offensichtlich befindet, eine positive Ausnahme, und wie für uns gemacht, sind die Nachrichtenseite in einfacher Sprache und die italienische Nachrichtenzusammenfassung des WDR.

Ungefähr beim dritten Hören verstehen wir, dass Italien gerade darüber diskutiert, alle Schüler mit einer Art Bürostuhl auf Rollen mit einem kleinen Klapptischchen auszustatten, um die Abstandsregeln besser umzusetzen. Erstaunlich. Die armen Lehrer!

Die Mittagspause verbringe ich mit meinem costudianti im türkischen Cafe gegenüber. Auch heute wieder sehr nett und so preisgünstig, dass ich wieder zweimal nachfrage, ob sich die Verkäuferin nicht verrechnet hat (2,60 für einen Milchkaffee und ein Hefe-Spinat-Teilchen).

Nach Kursende telefoniere ich kurz mit dem Liebsten, er ist schon zuhause und hat auch schon eingekauft. Ich radle also auch direkt nach hause und stelle fest, dass ich den Weg inzwischen in einem höheren Gang nehme als Anfang der Woche. Zuhause angekommen verpacke ich die aufgetaute Rinderzunge in doppelten Tiefkühlbeuteln (note to self: wir brauchen mal neue große TK-Beutel aus dem Migros). und fülle den Pökelsud dazu. Das passt wie abgemessen und ich verfrachte alles zurück in den Kühlschrank. Dann lege ich mich mit einer Tasse Kaffee eine Runde zum Liebsten, der bereits mittagschläft, und lese in dem Kochbuch, das in der Post war. Klingt ganz gut. Viele pochierte Eier, darauf habe ich auch mal wieder Lust.

Nach der Sieste wässere ich die Küchenorchideen und räume den Wohnzimmertisch frei. Ich schneide die Bluse zu und bastele ein wenig Schrägband. Das geht leichter als gedacht, auch wenn der im Internet empfohlene Papp-Schrägbandformer nicht funktioniert. Die ersten Nähte laufen auch prima, leider weigert sich die Maschine dann, zick-zack zu nähen. Nach etwas Internetrecherche nehme ich Spule und Nadel raus, puste überall ein wenig rein und baue alles wieder ein - funktioniert. Dann geht es überraschend schnell, ich nähe die Teile zusammen, säume Ärmel und untere Kante. Die Smok-Gummis an der Schulter lassen sich nicht ganz so leicht einziehen, da muss ich morgen nochmal neu überlegen. Danach fehlt eigentlich nur noch die Einfassung am Ausschnitt. Währenddessen hat der Liebste Hummus, Ofengemüse und Salat hergestellt. Wir essen, danach gibt es  noch etwas Melone. Ich bügele noch einmal über die Bluse und gebe das Projekt dann für heute auf. Ich rufe L. an und schicke ihm als ich ihn nicht erreiche eine Sprachnachricht.

Ich ziehe mein Turnzeug an und gehe noch für ein paar Minuten auf die Yogamatte, inzwischen bin ich bei day 22 von Adriene's Yoga Camp angekommen. Danach setze ich mich in den Sessel und schreibe diese Zeilen, der Liebst hat sich schon schlafen gelegt.

Auf zeit.de jetzt 212.000 Infizierte insgesamt, davon 5.200 in den letzten sieben Tagen.

Die anderen Tagebuchblogbeiträge finden sich hier.

Montag, 6. Juli 2020

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? - Sonntag 5. Juli 2020

Wie immer am 5. eines Monats findet versammeltes Tagebuchbloggen statt, Treffpunkt ist das Blog von Frau Brüllen, wo auch alle anderen Beiträge verlinkt sind.

Gegen halb sieben wache ich das erste Mal auf, gehe kurz auf die Terasse. Es ist windig und grau. Ich lege mich wieder hin und höre etwas Radio, Information und Musik im Deutschlandfunk. Irgendwann nach sieben schlafe ich wieder ein und wache kurz vor zehn wieder auf. Der Liebste hat Kaffee gekocht und bringt zwei Becher ans Bett. Ich werde langsam richtig wach. Wir hören ein bisschen DLF-Sonntagsgottesdienst. Der Liebste bäckt zwei Tiefkühlbrezeln auf und richtet Frühstück auf der Terasse. Es ist sehr sehr windig. Ich lese trotzem nach dem Frühstück noch ein bisschen Zeitung.

Dann bringe ich L. den Schlüssel zurück, treffe sie auf halber Strecke auf der Straße. Wir schwätzen kurz, dann drehe ich um. Auf dem Rückweg treffe ich U. mit nur einem Hund. Der andere ist krank. Klingt gar nicht so gut. Ich gebe der neu gepflanzten Platane, die nur zögerlich asutreibt, nochmal fünf Kannen Wasser und kehre dann zurück in den eigenen Garten. Der Liebste sitzt mit Buch unter dem Apfelbaum. Ich setze mich einen Moment dazu und genieße den Gartenanblick. Schließlich raffe ich mich auf für das Putzprogramm. Der Staubsauger will nicht. Der Filter scheint zugesetzt. Ich versuche es mit Ausklopfen, das hilft nur bedingt. Im warmen Wasser löst sich eine Menge Dreck aus dem Filter, aber mit nassem Filter saugt es sich auch schlecht. Ich lasse den Filter erstmal weg, das funktioniert prima und wird sauber wie selten. Vielleicht brauchen wir gar keinen neuen Staubsauger sondern einfach einen neuen Filter.

Wo ich schon dabei bin, kümmere ich mich nochmal um den Abfluss der Dusche. Vielleicht bekomme ich ihn jetzt endlich mal richtig frei. Dann wische ich noch alles nass auf und setzt mich wieder unter den Apfelbaum. Ich spreche mit meinen Eltern, die ebenfalls Siesta im Garten machen. Als es anfängt zu regnen, ziehe ich erst unter den Dachüberstand am Haus, dann ganz ins Haus um. Der Liebste grillt Gemüse, Käse und Würste. Nach dem Telefonat bereite ich Salat vor und vernähe dann die letzten übersehenen Fäden an meinem Strickkleid. Nach drei Jahren endlich fertig.

S. ruft an. Seit wir uns zuletzt gesehen haben, sind sie Eltern geworden. Und suchen jetzt eine bezahlbare 3-Zimmerwohnung in Berlin. Die Ausstellung wird ab September in Berlin bei der Stiftung Berliner Mauer und ab Oktober im Haus der Geschichte in Stuttgart gezeigt. Mein Zeitzeugeninterview wird voraussichtlich auch gezeigt, bzw. Teile davon. Vielleicht werde ich auch noch von der Uni Konstanz für eine Studie angefragt werden. Ich freue mich, dass die Ausstellung realisiert werden kann und bin mal gespannt. Ich erzähle S. im Gegenzug, dass ich für meine Ausbildung gerade nach Mediationsfällen suche und außerdem Webinare zur Wikipedia anbiete. Wir vereinbaren gegeseitiges Weiterleiten und Verbreiten.

Draußen regnet es weiter, wir essen drinnen. Danach packen wir zusammen und fahren zurück nach Berlin. Zuhause setze ich ein Brot an, mit 630er Dinkelmehl, denn das ist das einzige Mehl im Schrank, noch aus Coronamehlmangelzeiten. Gegen zehn mache ich mich bettfertig und lese noch ein bisschen in den ersten Tagebuchbeiträgen, die schon im Brüllen-Blog eingetrudelt sind. Gegen elf kommt der Liebste dazu und wir machen das Licht aus. Ich schlafe kurz vor Mitternacht.

Jetzt auf zeit.de 197.000 Infizierte, davon 2.700 in den letzten sieben Tagen.

Die anderen Beiträge finden sich hier.

Dienstag, 23. Juni 2020

Montag 22. Juni 2020

Ich wache um viertel vor sieben auf, weil mein Handy Geräusche macht. Warum auch immer habe ich es heute über Nacht auf das kleine Regalbrett über dem Bett gelegt. Es ist eine Behördenmail. Die Behörde zweifelt meinen Studienabschluss an und möchte weitere Dokumente. Die Dokumente, die die Behörde sich vorstellt, gibt es nicht - mein Studienabschluss ist ein englischer und dort gelten teilweise andere Regeln als hier, beispielsweise ist ein Master entweder bestanden oder nicht, eine Abschlussnote wird nicht in die Urkunde aufgenommen. Ich tausche Emails mit dem Sachbearbeiter der Behörde, erkläre, frage nach. Der Tag startet genervt.

Der Liebste kocht Kaffee und bäckt Brötchen auf. Ich bin hibbelig und genervt. Wir frühstücken auf der Terasse, danach fahre ich im Gartenoffice den Rechner hoch, während der der Liebste anfängt den Garten rasenarchäologisch zu bearbeiten, denn der ist im Panama-Modus.

Ich bringe einen Vermerk zuende und sende ihn ab. Das ist immerhin schonmal eine Sache die ich abhaken kann. Dann recherchiere ich dem Master-Zeugnis-Mysterium hinterher. Dunkel erinnere ich mich an eine Notenübersicht, die ich ausgehändigt bekam. Die ist natürlich in Berlin.

Für den Vortrag am Dienstag starte ich schließlich Powerpoint und lese die Rahmenbedingungen nochmal genau durch. Die Powerpoint hätte ich gestern bis 24 Uhr per Email übersenden sollen. OK. Dann ohne Powerpoint. Ich entscheide mich also doch spontan für die Variante Flipchart und teile mit, dass ich ein Flipchart benötigen werde. Die Entwürfe für zwei Flipchartbögen stehen nach kurzer Zeit in meinem Block. In einem Blog lese ich, dass Flipchartpapier bei McPaper und Karstadt zu bekommen ist, wenn man es wie ich sofort braucht und nicht von einem Büromaterialversand mit der monatlichen Bestellung mitliefern lassen kann.

Ich mache mich auf der Suche nach dem Liebsten, denn offensichtlich müssen wir jetzt sofort nach O. fahren, wo sich der nächste Mcpaper befindet. Der Liebste ist verschwunden. Ich suche in Haus, Garten und Nachbarschaft. Vermutlich sitzt er in einem der Nachbarhäuser und rettet jemandes Computer. Ich gehe zurück ins Garten Office und bastele weiter an meinem Entwurf. Als der Liebste wieder auftaucht (er war im Schatten unter dem Apfelbaum gesessen) erkläre ich ihm meine Misere. Wir packen schnell alles zusammen und fahren nach O. Die Damen bei McPaper sind nett und zuvorkommend, leider gibt es kein Flipchartpapier. Ich kaufe stattdessen zwei weiße Fotokartons und einen Schreibtischunterlage-Block, der geht zur Not auch.

Zurück im Auto ergoogle ich einen weiteren Schreibwarenhändler in H. Wir fahren nach H. Dort gibt es eine kleine Fußgänerzone, die wir bisher nicht kannten und eine Skribo-Filiale. Auch hier sehr nette Menschen, die bis morgen alles bestellen könnten, aber vor Ort kein Flipchartpapier. Nicht mal ein großer Zeichenblock. Ich google weiter nach Büromaterial. Schließlich finde ich einen Händler, schon auf Berliner Stadtgebiet, der Präsentationszubehör auf seiner Website auflistet. Ich rufe an. Eine freundliche Dame fragt sofort zurück: kariert oder blanko oder eine Seite kariert, die andere blanko? Wie viele Blöcke brauchen Sie? Sie legt mir einen sowohl-als-auch-Block zurück und wir fahren weiter nach Berlin.

Mein Flipchartblock liegt schon zusammengerollt am Tresen, ich nehme noch einen Pack Druckerpapier mit, bezahle und steige dann gegen drei mit mission accomplished wieder ins Auto. Wir fahren zurück Richtung Garten. Ich merke, dass ich ziemlich hungrig bin. Vor die Wahl zwischen irgendwas vom Bäcker und Burger King gestellt, steuert der Liebste den Burger King an der Autobahnabfahrt an. Wir essen jeder einen Burger im Außenbereich und brechen dann gestärkt wieder auf. Zuhause brauche ich nach dieser Aktion erstmal einen Kaffee und mache damit die offizielle Garten-Kaffee-Runde.

Gegen halb fünf rolle ich dann das Flipchartpapier aus und fange an, meine Blätter zu gestalten. Im zweiten Versuch wird das gemessen an der knappen Vorbereitungszeit ganz ordentlich. Praktischerweise hatte ich ja im Auto genug Zeit, mir über die Gestaltung Gedanken zu machen. Als alles fertig ist, rolle ich es zusammen und lege es gleich wieder ins Auto. Dann überarbeite ich nochmal meine Vortragskarten.

Der Liebste kocht derweil grünen Spargel mit Pesto. Wir essen auf der Terasse, waschen ab und fahren um neun zurück nach Berlin. Unterwegs ruft M. an. Er hat den Traktorfilm schon gesehen und scheint sehr angetan. Was er erzählt, macht mich auch sehr neugierig auf den Film. Wir reden bis wir zuhause ankommen und noch eine Weile weiter. Nebenbei durchforste ich meinen Uni-Ordner, bis ich einen zwanzig Jahre alten Brief meiner Uni finde, dem tatsächlich sowas wie eine Notenübersicht beigefügt ist. Wir beenden das Telefonat, ich scanne den Brief ein, leite ihn an die Behörde weiter. Kurz nach elf liegen wir im Bett.

Auf zeit.de jetzt 192.000 Infizierte, davon 4.000 in den letzten sieben Tagen.

Freitag, 5. Juni 2020

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? - Freitag 5. Mai 2020

Es ist wieder der 5. des Monats und viele Tagebuchblogger verlinken ihre Beiträge im Blog von Frau Brüllen.

Ich wache gegen sechs Uhr auf und habe eine Art Formel im Kopf. Mein Unterbewusstsein hat daran wohl über Nacht gearbeitet und ist jetzt fertig. Ich versuche nochmal einzuschlafen und stehe stattdessen um fünf vor sechs auf und fahre den Rechner hoch. Ich formuliere ein paar Thesen für mein Rechenmodell und eine Gleichung mit diversen Variablen und dem Prozentsatz x, die sich sogar recht elegant nach x auflösen lässt. Jetzt muss ich nur noch passende Zahlen für die Variablen finden. Ich formuliere eine entsprechende Mail um die fehlenden Werte zu erfragen und bastele danach weiter an meinen Thesen. Gegen halb acht speichere ich alles ab und gehe nach der Kaffeemaschine schauen, die läuft schon, denn H. ist auch schon wach und hat sie gestartet. Wir reden ein bisschen, bis der Kaffee durch ist, dann gehe ich mit zwei Bechern Kaffee zurück ins Bett und wärme mich auf. Draußen wechseln Sturzregen und Sonne. Ich lese gemütlich ein paar Blogs und Nachrichten, bis auch der Liebste aufwacht. Gegen neun stehen wir auf, ich verzichte tapfer auf Haarewaschen weil wir später noch schwimmen wollen und gehe zum Bäcker.

Unterwegs grüßt mich ein Handwerker, der gerade aus seinem Pritschenwagen steigt, leicht vorwurfsvoll mit "Moin" - ich bin schon halb vorbei grüße dann aber brav zurück. Scheints habe ich inzwischen den local style soweit adaptiert, dass ich nicht mehr für einen Touri gehalten werde. Beim Bäcker stehen einige Leute draußen Schlange, alle brav mit Maske, auch die Verkäufer. Ich krame meine Maske heraus, die aus dem orange-bunten Krabbenmusterstoff der Tischsets besteht, die ich mal für H. gequiltet habe. Spätestens jetzt würde ich mich ja selbst für einen Touri halten. (Neues Sommersouvenir Stoffmaske?) Ich kehre mit den noch heißen Brötchen zurück und wir frühstücken fürstlich, mit Erdbeeren, Sahnejoghurt und Krabben. Danach richtet der Liebste H.s Rechner ein, das geht schnell und sie findet sich glücklicherweise sofort mit allem zurecht. Ich setzte mich auch ein meinen Rechner und spiele ein wenig Coraline. Ich google die aktuelle Tide. Im Google-Kasten erscheint: Hochwasser heute Dienstag 2. Juni...... Google ist auch nicht mehr das, was es mal war, finde dann aber raus: heute um 13:06.

Da es gerade nicht regnet, brechen wir kurz vor eins auf und fahren zur Badestelle. Im Radio erfahren wir, dass der lange totgeglaubte Freizeitpark "Land & Leute" nicht, wie wir gestern anhand der Plakatierung dachten, den fatalen Versuch unternommen hat, ausgerechnet in diesem Frühjahr wieder zu eröffnen und dann sofort pleite gegangen sein muss. Es ist genau umgekehrt: Der totgeglaubte Freizeitpark ist wegen Corona  auferstanden. Die lokale Schaustellerfamilie Rasch musste nämlich alle ihre Auftritte auf Jahrmärkten in diesem Jahr komplett streichen und hat dann spontan beschlossen, die Fahrgeschäfte im Land & Leute-Park zwischenzulagern und diesen innerhalb von drei Wochen soweit wiedergestellt, dass sie ihn inzwischen als Freizeitpark wiedereröffnen konnten. Vermutlich war Land& Leute noch nie so spektakulär wie jetzt.

An der Badestelle ist überraschend viel Betrieb. Neben den üblichen Schafen treffen wir mehrere Paare und Familien, die auch tatsächlich baden. 15 Grad Wassertemperatur sind wie immer erstmal doch recht kalt, dann gewöhne ich mich dran und plansche etwas herum und dann wird es doch plötzlich wieder richtig kalt und ich schwimme zügig zurück zur Treppe. Nach dem kalten Meer ist die ungeheizte Stranddusche auch ganz ok. Ich lege mich mit meinem großen Badehandtuch auf eine Bank und trockne in der Sonne bis der Liebste auch aus den Fluten steigt. Wir ziehen uns wieder an und streben erfrischt und gut gelaunt zurück zum Auto. Das war seit Januar das erste Mal, dass ich Schwimmen war und so langsam hat es mir doch sehr gefehlt mal im Wasser zu sein.

Zuhause angekommen gönne ich mir eine ausgiebige heiße Dusche. Endlich!  Danach brechen wir auf nach Büsum und essen Scholle bei Möller. Unser erster Restaurantbesuch seit Corona. Sehr sehr lecker und schön. Der Liebste und H. fahren noch ein paar Runden mit Deutschlands nördlichstem Riesenrad (gehört auch Familie Rasch und steht normalerweise auf Sylt, kam aber dieses Jahr wegen Corona nur bis Büsum). Ich gehe derweil eine Runde spazieren.

Zuhause appliziere ich bei H. die Fußbehandlungssocken. Das Latschenkiefermodell ist deutlich komplizierter anzubringen als das von dm. Wir trinken noch etwas Kaffee, dann logge ich mich in eine Videokonferenz zum Thema Onlinekommunikationskultur in der Wikipedia ein. Am Ende wird es aber keine inhaltliche Diskussion, sondern eher der Versuch der Teilnehmer, die Projektbeschreibung so umzumodeln, dass es nicht demnächst in einen großen Fettnapf springt. Die Projektverantwortliche wirkt am Ende etwas geknickt. Vielleicht kam nicht so richtig raus, dass wir uns vor allem deshalb Sorgen machen, weil wir das Projekt eigentlich so vielversprechend finden und nicht möchten, dass es aus blöden Gründen scheitert. Die formulierten todos klingen aber sinnvoll.

Während des Calls friere ich fast ein. Ich koche nochmal Kaffee und bastele dem Liebsten und mir ein kleines Abendessen aus Frühstücksresten zusammen. Wir sehen ein bisschen fern, dann gehe ich zurück an den Rechner, um noch einen Screencast aufzunehmen und etwas an meinem Webinar weiterzubasteln. Während das Videoprogramm rendert, setze ich mich zum Liebsten und teste das Fußmassagegerät von H. Das ist ganz lustig, aber ich glaube, für mich eher nicht das richtige, immerhin habe ich danach wieder warme Füße. Während das Video konvertiert und hochlädt, schreibe ich diesen Post.

Auf zeit.de jetzt 185.000 Infizierte insgesamt, davon 2.400 in den letzten sieben Tagen.

Die übrigen Beiträge finden sich wie immer hier.


Montag, 1. Juni 2020

sonntag 31. mai 2020

der liebste steht gegen vier auf. ich wache auch kurz auf, weil es nach frischen aufbackbrötchen duftet. ich stehe auf, verabschiede den liebsten, schließe die tür ab und lege mich wieder hin. nach einiger zeit schlafe ich dann weiter und wache gegen neun wieder auf.

ich backe mir die restlichen brötchen auf, hole die sonntagszeitung und frühstücke. kurz nach zehn heize ich den grill an. das scheint soweit alles ganz gut zu funktionieren. ich nehme die lammkeule aus dem kühlschrank und salze sie rundum ordentlich ein. die mirabelle bekommt noch einmal ein stündchen gartendusche gegen die blattläuse. dann bastele ich aus dem rhabarberkompott ein crumble und schiebe es zum backen in den ofen. gegen halb zwölf hat der grill dann die gewünschte hitze erreicht. ich schrubbe den rost, stelle einen gastronormbehälter mit wasser auf den unteren rost, lege die keule auf und installiere das grillthermometer.

inzwischen ist es warm und sonnig geworden. ich installiere sonnenschirm, tisch und stühle neben dem apfelbaum und setze mich dann mit kaffee und zeitung nochmal etwas auf die terasse, bis l. mit e. und l. eintrifft. die kinder sind ziemlich warm angezogen. wir installieren planschbecken und gartendusche während sich die kinder nach und nach entblättern. l. und ich quatschen gemütlich mit kaffee während die kinder planschen.

der rhabarbercrumble kommt bei den kindern nicht ganz so gut an - jedenfalls der rhabarberanteil darin. wir retten die kinder mit spaghetti vor dem hungertod und genießen danach die lammkeule mit gemischtem salat. als die stimmung sich etwas einzutrüben droht, packen wir alles ein und fahren ins dorf zum spielplatz. der spielplatz bewährt sich wieder mal sehr. ich mag, dass alles so gut in schuss ist und es auch für größere kinder interessante geräte gibt. l. und l. spielen fußball, während ich e. auf der schaukel anschiebe, die dazu kleines einmaleins aufsagt.

als bei l. die laune vor müdigkeit endgültig kippt, steigen wir schnell wieder ins auto, die drei setzen mich zuhause ab und winken noch kurz dem liebsten zu, der inzwischen zurückgekehrt ist. während der liebste ein ründchen im liegestuhl schläft, telefoniere ich mit meinen eltern. danach verzehren wir den restlichen crumble und duschen dann beide noch gemütlich, denn in berlin ist mal wieder das warme wasser ausgefallen. ich entbeine die lammkeule. gegen acht packen wir alles ein und fahren nach berlin.

der liebste beschwert sich bei der bahn und ich krame in der wohnung herum. dann schneiden wir noch ein bisschen lammkeule auf. dazu gibt es die restlichen spaghetti und mango chutney, als nachtisch teilen wir uns eine orange.

im bett schaue ich noch ein paar minuten des let's dance profi challenge - das ist mir aber zu viel show und zu wenig klassische figuren. gegen elf machen wir das licht aus.

jetzt auf zeit.de 184.000 fälle insgesamt, davon 3.100 in den letzten 7 tagen.